Edith von Schrenck (* 27. Junijul. / 9. Juli 1891greg. in Jensel, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich; † 30. Juli 1971 bei München) war eine deutsche Ausdruckstänzerin und Tanzpädagogin, die in St. Petersburg, München, Berlin und Stuttgart wirkte.

Edith von Schrenck stammte aus baltendeutschen Familien in Livland.
Ihr Vater August von Schrenck (1852–1923) war ein anerkannter Gynäkologe in St. Petersburg, ihre Mutter Elsbeth (1860–1949) war eine Tochter des Juristen und Landrats Eduard Reinhold von Oettingen (1829–1919), der Erbherr im Dorf Jensel war, wo sie geboren wurde und wo sich die Familie im Sommer häufig aufhielt. Edith war die zweitjüngste von fünf Kindern. Sie erhielt Klavierunterricht am Konservatorium in St. Petersburg, interessierte sich aber mehr für den Tanz.
Schrenck ließ sich bei Claudia Issatschenko ausbilden, die ihr die Methoden von François Delsarte vermittelte und auch bei dem bekannten Theaterregisseur Stanislawski getanzt hatte. Danach machte Edith von Schrenck eine zweijährige Ausbildung bei dem bekannten Tanzpädagogen Émile Jaques-Dalcroze in Hellerau bei Dresden. Nach ihrer Rückkehr vermittelte sie dessen Techniken in St. Petersburg und hatte erste Auftritte.
Im Frühjahr 1918 floh Edith von Schrenck nach der Oktoberrevolution mit ihrer Schwester Maja nach München, wo auch die restliche Familie hingezogen war.
Anfang 1919 suchte sie der ebenfalls aus Russland emigrierte Alfred Rosenberg auf, dessen Frau Hilda sie als Tänzerin kannte. Sie vermittelte ihn an Dietrich Eckart, beide wurden in der Folgezeit zwei der einflussreichsten Ideologen der jungen nationalsozialistischen Bewegung, die Edith von Schrenck aber zeitlebens ablehnte.
Seit dem Frühjahr 1919 trat Edith von Schrenck als Solotänzerin in München und weiteren Städten auf und erhielt dafür viel Anerkennung.
Am 27. Mai 1919 begegnete sie dem Bestsellerautor Waldemar Bonsels (Die Biene Maja) in Frankfurt, woraus sich eine intensive Liebesbeziehung entwickelte.
Sie hielt sich seitdem häufig in dessen Haus in Ambach am Starnberger See auf und bekam am 8. Oktober 1920 den gemeinsamen Sohn Kajetan, genannt Kay. Diesen gab sie aber an Bonsels Ehefrau Elise nach Oberschleißheim, wo er mit seinen zwei Halbgeschwistern aufwuchs.

Edith von Schrenck trat in den folgenden Jahren an vielen Orten in Deutschland, sowie in Österreich, der Schweiz, Russland, Skandinavien und den Niederlanden auf. Sie tanzte nach Musik, die oft von Gerard Bunk am Flügel gespielt wurde. Ihr bekanntester Tanz war Gebet und Tempeltanz zu Edvard Grieg, der auch von der Tänzerin Magda Bauer kopiert und erweitert wurde. Sie bevorzugte auch slawische Musik wie von Sergej Rachmaninow.
Im Februar 1929 gründete Edith von Schrenck eine Tanzschule in Berlin-Charlottenburg in der Hardenbergstraße 9 im neu erbauten Haus einer Freundin von Waldemar Bonsel. Dort unterrichtete sie Ausdruckstanz, aber auch Gestik, Gesang und weitere Fächer. Sie wollte das natürliche Gefühl des Körpers wecken, ihn von Hemmungen befreien, bis der ganze Körper in seinem eigenen Rhythmus lebendig ist.
1932 plante sie die Gründung einer Opernschule mit Tanzschule in Breslau, was aber auf Widerstände stieß, da der mitbeteiligte Musikpädagoge Erwin Bergh ein Däne und der Dirigent Hans Oppenheim ein Jude waren.
Stattdessen eröffnete sie 1933 eine Tanzschule in München in der Hohenzollernstraße. 1934 zog sie nach Stuttgart, wo sie an einer Volkshochschule unterrichtete und Tanzabende gab. Dort lebte sie erstmals mit ihrem inzwischen 13-jährigen Sohn Kay zusammen. 1936 zog sie nach Berlin, wo sie in der Tanzschule der verwandten Anneliese von Oettingen unterrichtete und eine Ausbildung in Heilgymnastik machte.
1941 fiel ihr Sohn als Soldat, was sie sehr traf. 1943 wurde ihre Wohnung in Berlin durch einen alliierten Bombenangriff mit dem größten Teil ihres Besitzes zerstört.
In Ost-Berlin stieß sie nach 1945 wegen ihrer baltendeutschen Herkunft auf Ablehnung ihrer tänzerischen Pläne. Sie arbeitete als Krankenschwester in einer Arztpraxis und besuchte weiterhin öfter Waldemar Bonsels und ihre Schwester Maja in Ambach. 1955 zog sie einige Jahre nach dessen Tod dorthin. Seit 1970 lebte sie in einem Altersheim bei München, wo sie ein Jahr später starb.
Publizistik
Edith von Schrenck war in den 1920er Jahren eine erfolgreiche Tänzerin, über deren Auftritte in vielen Zeitungen und auch in einigen Tanzfachbüchern berichtet wurde.
Bildende Kunst
Sie wurde auch von mehreren Künstlern porträtiert, vor allem beim Tanzen
Poesie
Waldemar Bonsels widmete ihr bald nach ihrem Kennenlernen 1919 ein Gedicht.
An E. v. S.
Lichtgestalt in Gottes Wind,
lieblicher als deine Lust,
ist die Wärme deiner Brust,
und die Wohltat dieser Glieder.
Der Verjüngte wird zum Kind
und die Mutter lächelt wieder.
Wieviel Glück ward mir beschieden,
daß ich diese Züge sah!
Wird das Feuer selbst zum Frieden,
wenn die Glut uns ganz geschah,
und wir seine Lust gemieden?
Sei gesegnet, du Gedicht,
Stern und Grab in einem Leibe,
Mädchen, Mutter, süßes Leid!
Bleibe, bleibe.
Wo du waltest, wirkt das Licht,
das ich bin, in Ewigkeit.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schrenck, Edith von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Ausdruckstänzerin und Tanzpädagogin |
| GEBURTSDATUM | 9. Juli 1891 |
| GEBURTSORT | Jensel, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich |
| STERBEDATUM | 30. Juli 1971 |
| STERBEORT | bei München |