Eduard Puls

Eduard Puls um 1905

Eduard Carl Friedrich Emil Puls (* 8. Juni 1840 in Berlin; † 1. Oktober 1909 in Köln) war ein deutscher Schlosser und Kunstschmied.

Puls gründete 1862 eine Schlosserei in Alt-Berlin, um die zahlreichen Neubauten der wachsenden Stadt mit den notwendigen metallenen Elementen ausstatten zu können. Puls machte die Metallarbeiten als Schmuckelemente von Bauwerken der Öffentlichkeit wieder sichtbar. Viele seiner Arbeiten sind im Berliner Stadtgebiet erhalten. Die Firma ist weiterhin in der Branche aktiv (Stand 2026).

Familie

Schmiedeeisernes Grabkreuz seiner Mutter, entworfen und ausgeführt von Eduard Puls

Eduard Puls war ein Sohn des Seidenwirkermeisters Friedrich Puls und dessen Ehefrau Luise, geb. Salomon.

Am Vortag 22 Jahre alt geworden, heiratete Eduard Puls am 9. Juni 1862 in Berlin die 41-jährige Witwe Mathilde Emilie Wilhelmine Reichardt, geb. Grosch (1820–1872), die drei Kinder mit in die Ehe brachte. Ein gemeinsamer Sohn war der am 15. Oktober 1862 geborene Alfred Puls.

Im Jahr 1865 findet sich im Berliner Adressbuch die Familie Eduard Puls wohnhaft in der Friedrichsgracht 45 in Alt-Berlin als Mieter in einem Kaufmannshaus.

Im Juni 1875 schloss Eduard Puls nach der Scheidung eine zweite Ehe mit Agnes Pfister (1849–1933), einer Tochter des Hofopernsängers Julius Pfister.

Leben und Werk

Nachdem Puls eine Ausbildung als Schlosser abgeschlossen hatte, eröffnete er im Jahr 1862 eine Werkstatt mit Spezialisierung auf Bauschlosserei in der Mittelstraße 47 Berlin-Mitte; später erfolgte ein Umzug nach Tempelhof, Germaniastraße 157.

Puls spielte eine zentrale Rolle bei der Wiederbelebung des Kunstschmiedehandwerks in Berlin in den 1880er Jahren. Er hob die Schmiedekunst durch die Rückbesinnung auf den Renaissance-Stil, besonders der deutschen Renaissance, auf ein neues Niveau und erweiterte sie um moderne Techniken und Aufgaben. Seine Werkstatt wurde nachfolgend zur Ausbildungsstätte für viele bedeutende Kunstschmiede der Wilhelminischen Ära.

Um die Effizienz und Präzision seiner Werkstatt zu steigern, nutzte Puls moderne Technologien wie den Dampfhammer. Seine Werke wurden mit den berühmten Arbeiten des Hofschlossers Jean Lamour in Nancy verglichen.

Anfangs beschäftigte das Unternehmen zwei Gesellen und mehrere Lehrlinge, die sich mit kleineren Bau- und Reparaturarbeiten befassten. Die Restaurierung und Replikation alter Kunstschmiedearbeiten durch Antiquitätenhändler führte zur Idee, die Kunstschmiedekunst neu zu beleben. In Berlin mangelte es jedoch an Vorbildern, Zeichnern und Facharbeitern, und selbst geeignetes Eisen war nicht verfügbar. Modelle mussten aufwendig in Originalgröße aus verschiedenen Materialien selbst gefertigt und angepasst werden. Nach fast zweijähriger Arbeit wurden 1864 die ersten Erzeugnisse aus seiner Werkstatt, einschließlich Wandarmen und Balkongittern, öffentlich vorgestellt. Bei der Berliner Gewerbeausstellung 1879 präsentierte Puls ausgewählte eigene Arbeiten. Er war am Neubau des Kaiserlichen Patentamtes in der Luisenstraße beteiligt.

Firmenanzeige 1893
Firmenanzeige 1894

Im Jahr 1892 zog das Unternehmen in einen Neubau am Tempelhofer Ufer 10, wo im 21. Jahrhundert das Theater am Ufer (HAU 3) seinen Sitz hat.

Ehemaliger Eingang zur Werkstatt

Puls übergab 1896 die Leitung seinem Sohn, der die Werkstatt im Sinne des Vaters weiterführte. Auch später führten seine Enkel die Firma stetig weiter, sie trat nun als Ed. Puls Nachf. auf. Die Werkstatt produzierte weiterhin gefragte hochwertige Kunst- und Bauschlosserarbeiten. Sie besteht noch heute an der früheren Stelle: Ed. Puls Nachf.

Eduard Puls starb auf der Heimreise von einem Familienurlaub am 1. Oktober 1909 im Alter von 69 Jahren im Dom-Hotel in Köln. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin, wo nur die besonders fein gearbeitete schmiedeeiserne Einfassung der ehemaligen Familiengrabstätte erhalten ist.

Werke der Firma Puls und Puls Nachf. (Auswahl)

BildBaujahrObjektKurzbeschreibungZustand
1879Berliner GewerbeausstellungMaschinenteile, Baubeschläge, Schmuckelemente an Gebäuden u. a.nicht erhalten
Marschallbrücke mit reichem Metallschmuck und Kandelabern, 18961881/1882MarschallbrückeGeländer, mehrarmige Kandelaber auf den Brückenpfeilern, Metallreliefs an den BogenscheitelnDie Arbeiten sind wegen der 1944 erfolgten Sprengung der Brücke nicht erhalten.
Admiralbrücke mit saniertem Metallschmuck und Kandelabern, 20181882AdmiralbrückeGeländererhalten, saniert; Bestandteil des Kulturdenkmals
1887/1888Landhaus Puls:
am eigenen Wohnhaus in Wannsee bei Berlin, Bergstraße 2
Metallarbeitennicht erhalten
1890Haus PschorrBerlin-Mitte, Potsdamer Platz: an der Fassade und an den Treppennicht erhalten
Das Foto zeigt den Zustand am Ende des Zweiten Weltkriegs, linke Ruine, die bis 1950 abgetragen wurde.
1896Schloss KarlsburgToranlage für den Parkerhalten, restauriert
Eosanderportal mit drei schmiedeeisernen Toren1900Stadtschloss BerlinTor am Eosanderportal und zwei weitere Schlosstore.Nicht erhalten, für das Humboldt-Forum nach vorhandenen historischen Vorlagen neu geschaffen von ???


1901Berliner HochbahnBrückenteile der als Hochbahn geführten U-BahnBestandteil des Kulturdenkmals
1902Gewerbeausstellung Düsseldorf 1902Metallarbeitennicht erhalten
Schaltbühne

1902Elektrizitätswerk in KielInnenbauten: Schaltbühne??
1902Berliner Landgericht IEingangstorerhalten, restauriert
Treppenanlage im Dom

1901, umBerliner Dommehrere Innenarbeiten: Tore, Treppen, in der Gruftmeist erhalten, restauriert
1911Greifenhagener BrückeGeländererhalten, Bestandteil des Kulturdenkmals
Originalturm, anno 1924
Originalturm, anno 1924
1922Verkehrsturm am Potsdamer Platzganzer TurmOriginal nicht erhalten, Nachbau aus den 1990er Jahren
20. Jhd.mehrere Begräbnisstätten, hier u.a Ernst Reuters-GrabstätteUmzäunungenmeist erhalten oder restauriert
2000
(21. Jhd.)
Museum in Mexiko-City auf dem UniversitätscampusMetallarbeitenhervorgegangen aus einer deutschen Bergbau-Ausstellungshalle (Gutehoffnungshütte)

Literatur

Commons: Eduard Puls – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Deutschland, ausgewählte evangelische Kirchenbücher 1500–1971, Berlin. Taufregister für Eduard Carl Friedrich Emil Puls, Eintrag Nr. 183 vom 26. Juli 1840; eingesehen auf ancestry.de am 22. Oktober 2024.
  2. ↑ Trauungsbuch der Dorotheengemeinde Berlin, Eintrag Nr. 85 vom 9. Juni 1962; eingesehen auf ancestry.de am 22. Oktober 2024.
  3. ↑ Standesamt Berlin IV A, Heiratsregister, Eintrag für Alfred Puls Nr. 416 vom 2. Oktober 1895; eingesehen auf ancestry.de am 22. Oktober 2024.
  4. ↑ Ed. Puls. In: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, 1865, Teil I, S. 482.
  5. ↑ Heiratsregister Standesamt Berlin 2, Nr. 477/1875.
  6. ↑ Puls, Ed. In: Berliner Adreßbuch, 1912, I.Teil, S. 2358 (Eisenkonstruktion und Kunstschmiedewerkstatt).
  7. 1 2 Nachruf auf Eduard Puls, Berliner Architekturwelt, 1910, S. 325.
  8. ↑ Anzeige der Bauschlosserei Ed. Puls 1867: „Ornamentale Arbeiten von Schmiedeeisen im antiken und modernen Geschmack, als Front- und Balkongitter, Thorwege, Front- und Laternenarme sowie Ventilationsfenster mit Glasjalousien für Lehr- und Krankenzimmer, Bureaux usw. liefert zu billigen Preisen“. In Wochenblatt.
  9. ↑ Denkmalgeflüster. In: Denkmalerhaltungsverein Eisenach e. V. Abgerufen am 27. September 2024.
  10. ↑ Eduard Puls (1840–1909). In: museum-digital:mecklenburg-vorpommern. 13. Juni 2023, abgerufen am 27. September 2024.
  11. ↑ Kaiserliches Patentamt: 1891–1900. DPMA, abgerufen am 27. September 2024.
  12. ↑ Mietshaus, Fabrik Tempelhofer Ufer 10. In: denkmaldatenbank.berlin.de. Abgerufen am 22. Oktober 2024.
  13. ↑ Eisenkonstruktionsbauanstalten > Ed. Puls. In: Berliner Adreßbuch, 1913, IV. Teil, S. 102 (Eisenkonstruktions- und Kunstschmiedewerkstatt).
  14. ↑ Einleitendes – Ingenieurwesen. In: Berlin und seine Bauten. 1896,1; zlb.de
  15. ↑ Ed. Puls, Eisenkonstruktions- und Kunstschmiedewerkstatt, Tempelhof, Germaniastra. 157. In: Berliner Adreßbuch, 1918, I. Teil, S. 2177.
  16. ↑ Germaniastr. 157/158. In: Berliner Adreßbuch, 1940, II, S. 1833 (Puls, C. & Co GmbH, Metallkonstrukt.).
  17. ↑ C. Puls & Co GmbH, Germaniastr. 157/158: Branchentelefonbuch West-Berlin, 1960.
  18. ↑ England und Wales, nationaler Nachlasskalender (Index von Testamenten und Verwaltungen), 1858–1995 für Eduard Puls, Eintrag vom 11. April 1910, London: „Puls Eduard of Kleiststrasse 10 Berlin died 1 October 1909 at Dom Hotel Cologne Germany“; eingesehen auf ancesty.de am 22. Oktober 2024.
  19. ↑ "Laterne und Wetterfahne aus Schmiedeeisen von der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1879". Stahlstich von Gebr. Ritter u. Riegel nach C. Zaar, ausgeführt von Ed. Puls. Berlin.
  20. ↑ Arbeiten von Ed. Puls sind in 7 Kategorien auf der Ausstellung vertreten.
  21. ↑ Ansicht vom Pschorr-Haus, 1928.
  22. ↑ Blätter für Architektur und Kunsthandwerk, 1890, S. 34.
Personendaten
NAME Puls, Eduard
ALTERNATIVNAMEN Puls, Ed; Puls, Eduard Carl Friedrich Emil (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Kunstschmied
GEBURTSDATUM 8. Juni 1840
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 1. Oktober 1909
STERBEORT Köln