Eduard Scotland

Plakat in Zusammenarbeit mit Alfred Runge für Kaffee HAG (1911)

Wilhelm Christoph Eduard Scotland (* 4. Juli 1885 in Bremen; † 20. Juni 1945 ebenda) war ein deutscher Architekt.

Biografie

Scotland war der Sohn des Bankkaufmanns James Edward Scotland. Er studierte nach seinem Schulbesuch an der Oberrealschule Dechanatstraße und einer Maurerlehre am Technikum Bremen (heute Hochschule Bremen). Bereits ein Jahr nach Abschluss des Studiums gründete er 1904 mit seinem Studienfreund Alfred Runge das Architekturbüro Runge & Scotland. Als Mitglied der Niedersachsenrunde und des von dieser 1904 initiierten Vereins für Niedersächsisches Volkstum öffnete sich ihnen bereits früh ein wohlhabender Kundenkreis, zu dem Ludwig Roselius, Gründer der Kaffee HAG, gehörte, der sie über fast 30 Jahre immer wieder beauftragte.

Runge & Scotland sanierten im Bremer Umland Niedersachsenhäuser und bauten von 1906 bis 1915 in und um Bremen eine Reihe von Landhäusern und Villen. Gefördert durch Lloyd-Generaldirektor Heinrich Wiegand, für den sie einen ihrer ersten Aufträge ausführten, den Umbau von dessen Landhaus Gut Hohekamp in St. Magnus, bekamen sie auch den Auftrag für eine Luxuskabine auf dem Passagierdampfer Kronprinzessin Cäcilie.

Die Architekten waren auch als Designer und Werbegrafiker tätig. Bekannt sind Entwürfe für Möbel, Stoffe und Teppiche. Ab 1911 wirkte auf Betreiben von Ludwig Roselius das Büro als künstlerischer Beirat der Kaffee HAG. Sie entwickelten das Verpackungsdesign und gestalteten Plakate und Anzeigen sowie Gebrauchsartikel, wie Kaffeegeschirr und Kaffeemaschinen. Auf der Kölner Werkbund-Ausstellung von 1914 entwarfen sie das Restaurant der Kaffee HAG im Bremen-Oldenburger Haus.

Die bekanntesten Bauten von Runge & Scotland entstanden nach dem Ersten Weltkrieg: Nach Plänen der Architekten, die der Heimatschutzbewegung nahestanden, wurden von 1923 bis 1926 in der Böttcherstraße – einer etwa 100 m langen Straße in der Bremer Altstadt, deren Gebäude von Ludwig Roselius sämtlichst erworben worden waren – das Kaffee HAG-Haus, das Haus St. Petrus und die Privatbank Bremen-Amerika Bank, heute das Haus des Glockenspiels errichtet. Die Architektur dieser Bauten sollte als ein Loblied auf die lokale Bautradition und die Schönheit und Leistungsfähigkeit des heimischen Handwerks verstanden werden, dessen Förderung sich Roselius ausdrücklich verschrieben hatte. Der Bildhauer Bernhard Hoetger schlug dann anschließend mit dem Paula-Modersohn-Becker-Haus und dem Haus Atlantis den Weg einer stark von seiner eigenen künstlerischen Idee geprägten Architektur ein, die sich deutlich von den Arbeiten Runge & Scotlands unterscheidet – jedoch ohne dass es in der Gesamtwirkung zum Bruch kommt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden insbesondere die schon seit ihrer Entstehung stark diskutierten Bauten Hoetgers in der Böttcherstraße von offizieller Seite schärfstens abgelehnt; sie wurden im Dritten Reich Zielscheibe eifernder nationalsozialistischer Kulturkritiker. Der schon immer konservative Scotland trat zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.075.749). Er war ab 1935 Leiter des Nordischen Bauhofs und ab 1937 ordentlicher Professor (bis 1944) an der Nordischen Kunsthochschule (heute Hochschule für Künste Bremen). Scotland war Baupfleger für den Gau Weser-Ems und seit 1935 Künstlerischer Leiter des Bremer Ausschusses für Grabmalkunst. Das Büro Runge & Scotland bestand noch bis 1940, jedoch zeichnete Scotland ab 1935 allein für die Entwürfe.

Scotland war Mitglied im Deutschen Werkbund.

In Bremen-Kattenturm gibt es den Scotlandweg.

Bauten und Entwürfe (auch Innenausstattung) (1905 bis 1935 zusammen mit Alfred Runge)

Entwurf für das Landhaus Johs. Vassmer
Landhaus Johs. Vassmer, Straßenseite
Landhaus Johs. Vassmer, stark verändert erhalten
Salon für Lloyddirektor Phil. Heineken, 1907
Landhaus Dr. med. Koepp, 1908
Landhaus Wilhelm Wiegand, Schwachhauser Heerstraße 311, 1912
Landhaus Herbst, Kaminzimmer
Verpackungsdesign der Kaffee HAG nach Entwurf von Runge & Scotland

Illustrative Arbeiten

Titelblatt der Zeitschrift Niedersachsen, August 1901
„Was so ein altes Niedersachsenhaus alles erleben muss“, Satire von Eduard Scotland in der Zeitschrift Niedersachsen 1910

Siehe auch

Ausstellung

Literatur

Commons: Eduard Scotland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 Kirsten Leuenroth: Die Architekten Alfred Runge und Eduard Scotland. In: Hans Tallasch (Hrsg.): Projekt Böttcherstraße. Aschenbeck & Holstein, Delmenhorst 2002, ISBN 3-932292-29-4, S. 64–80.
  2. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/40971392
  3. ↑ Susen Krüger-Saß: Die Nordische Kunsthochschule und Handwerkerschule in Bremen. Nationalsozialistische Kultur- und Hochschulpolitik. unveröffentlichte Forschungsarbeit, 2013.
  4. 1 2 K. Schaefer: Zwei Bremer Landhäuser. Architekten: Runge & Scotland. In: Architektonische Rundschau 23. Heft 1, 1907, S. 5–7, Taf. 1–7.
  5. 1 2 Arthur Bothe: Wer war Eduard Scotland? In: Der Aufbau 39. Nr. 1, 1985, S. 29 (online).
  6. 1 2 3 4 5 6 7 K. Schaefer: Runge & Scotland – Bremen. In: Innendekoration 19. 1908, S. 55–70 (online).
  7. 1 2 3 Kirsten Leuenroth, Kirsten: Die Häuser an der Martinistraße. In: Hans Tallasch (Hrsg.): Projekt Böttcherstraße. Aschenbeck & Holstein, Delmenhorst 2002, ISBN 3-932292-29-4, S. 208–217.
  8. ↑ III. Jahresbericht des Vereins für Niedersächsisches Volkstum 1908, S. 12 (Abb.)
  9. ↑ Karl Schaefer: Der Norddeutsche Lloyd und die moderne Raumkunst. In: Dekorative Kunst, 11. Jahrgang 1908, S. 76–90, hier S. 86, Abb. S. 87.
  10. ↑ The Studio, 42. Jahrgang 1907, S. 175, S. 238–240. (4 Abb.) Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 3. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  11. ↑ Karl Schaefer: Die moderne Raumkunst im Dienste des Norddeutschen Lloyd. In: Innendekoration, 18. Jahrgang 1907, S. 293–305, Abb. S. 314, 315, 316, 325, 326, 327. (Digitalisat)
  12. 1 2 3 o. V.: Recent designs in domestic Architecture. In: The Studio 47. Nr. 197, 1909, S. 198–202.
  13. 1 2 3 4 5 K. Schaefer: Luxusbauten von Runge und Scotland – Bremen. In: Moderne Bauformen 8. 1909, S. 113–126.
  14. 1 2 3 4 5 6 7 Emil Abigt (Hrsg.): Landhaus und Villa. Architektur. Innendekorationen. Gärten. Wiesbaden 1912, S. 485–518.
  15. 1 2 Beetz, Gerold E. (Hrsg.): Das eigene Heim und sein Garten. Ein praktischer Bauratgeber mit Musterbeispielen. Wiesbaden 1927, S. 41, 69, 90, 135, 144.
  16. ↑ Emil Waldmann: Das Landhaus Friese in Bremen. In: Dekorative Kunst, 11. Jahrgang 1908, S. 185–192. (Digitalisat)
  17. 1 2 3 4 5 6 7 o. V.: Zu den Arbeiten von Runge u. Scotland in Bremen. In: Dekorative Kunst 19. 1915, S. 41–54 (online).
  18. ↑ Landhaus Friese in Bremen. In: Süddeutsche Bauhütte, 11. Jahrgang 1910, S. 361.
  19. ↑ Gustav Brandes: Die Pflege des ländlichen Bauweses in Niedersachsen. In: Das deutsche Landhaus, 4. Jahrgang 1908, S. 193–200.
  20. 1 2 K. Schaefer: Neue Landhäuser von Runge und Scotland. In: Innendekoration 21. 1910, S. 348–358 (online).
  21. ↑ Erich Haenel / Heinrich Tscharmann (Hrsg.): Das Einzelwohnhaus der Neuzeit. Bd. 2, J. J. Weber, Leipzig 1910, S. 65–67 [mit Abb.].
  22. ↑ Nachlass von Friedrich (Fritz) Meyer (Planarchiv LfD Bremen)
  23. ↑ Landhaus des Regierungsrats Dr. D. in Bremen-Schwachhausen. In: Architektonische Rundschau, 27. Jahrgang 1911, Nr. 6, S. 69, Tafel 51.
  24. ↑ Wohnhaus des Reg.-Rats Dr. D., Bremen. In: Der Baumeister, 13. Jahrgang 1914/1915, Heft 5, Tafel 53.
  25. ↑ Haus des Kapitäns W. Bartling, Bremen. In: Der Baumeister, 12. Jahrgang 1913/1914, Beilage zum Heft 10, S. B 184.
  26. ↑ Architektonische Rundschau, 27. Jahrgang 1911, Nr. 2, S. 16, Tafeln 11 und 12 / Beilage zu Heft 1, S. VI.
  27. ↑ Schwachhauser Magazin, Jahrgang 2014, Heft 37, S. 64 f.
  28. ↑ Runge & Scotland: Das Klubhaus der Kaffeehag. In: Zeitschrift für das Baugewerbe, 55. Jahrgang 1911, S. 165–167.
  29. ↑ F. Rudolf Vogel: Vom Klubhausbau. (Der Kaffeehag in Bremen). In: Deutsche Bauhütte, 16. Jahrgang 1912, S. 132–134.
  30. ↑ E. Waldmann: Neue Arbeiten von Gartenarchitekt Fr. Gildemeister. In: Die Kunst, 24. Jahrgang 1910, Heft 7, S. 312, S. 314 f. (Digitalisat)
  31. ↑ Der Baumeister, 13. Jahrgang 1914/1915, Heft 7, Tafel 73.
  32. ↑ o. V.: Zwei neue Räume von Runge & Scotland in Bremen. In: Dekorative Kunst, 19. Jahrgang 1916, Heft 9, S. 284–293. (Digitalisat)
  33. ↑ Empfangsraum der Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft, Bremen. In: Die Kunst, 17. Jahrgang, S. 570–572. ()
  34. ↑ Architekten Runge & Scotland-Bremen. Tisch in poliertem Birkenholz. Sitzmöbel im Ausstellungsraum der Kaffee HAG. In: Innendekoration, 25. Jahrgang 1914, S. 478 f. ()
  35. ↑ Peter Jessen: Die Deutsche Werkbundausstellung Köln 1914. In: Jahrbuch des deutschen Werkbundes 1915. Jena 1915, S. 16.
  36. ↑ Architekten Runge & Scotland-Bremen. Veranda- und Gartenbänke, -sessel und -tische in weisslackiertem Holz. In: Innendekoration, 26. Jahrgang 1915, S. 46 f. ()
  37. ↑ Weißgestrichene Gartenmöbel. In: Dekorative Kunst, 18. Jahrgang 1915, S. 60–62. ()
  38. ↑ Deutsche Kunst und Dekoration, 36. Jahrgang 1915, S. 62 f. ()
  39. ↑ Halle im Hause C. W. Smit, Bremen. In: Der Baumeister, 12. Jahrgang 1913/1914, Heft 8, Tafel 64.
  40. ↑ Der Baumeister, 13. Jahrgang 1914/1915, Heft 7, Tafel 73.
  41. ↑ Kirsten Leuenroth: Firmenchronik Runge & Scotland. (online: http://www.runge-scotland.de/firm_00.htm)
  42. 1 2 Leuenroth, Kirsten: Das Haus des Glockenspiels. In: Hans Tallasch (Hrsg.): Projekt Böttcherstraße. Aschenbeck & Holstein, Delmenhorst 2002, ISBN 3-932292-29-4, S. 102–116.
  43. ↑ Kirsten Leuenroth: Das HAG-Haus und das Haus St. Petrus. In: Hans Tallasch (Hrsg.): Projekt Böttcherstraße. Delmenhorst 2002.
  44. ↑ Carl Thalenhorst (Hrsg.): Bremen und seine Bauten 1900–1951. Bremen 1952, Abb. XII a 16.
  45. ↑ Hermann Muthesius (Hrsg.): Landhaus und Garten. Beispiele neuzeitlicher Landhäuser nebst Grundrissen, Innenräumen und Gärten. 4., völlig umgearbeitete Auflage, Bruckmann, München 1925, S. 110–111, S. 114, S. 116.
  46. ↑ Carl Thalenhorst (Hrsg.): Bremen und seine Bauten 1900–1951. Bremen 1952.
  47. ↑ Schule für Körperbildung und Atemgymnastik. bremen-history.com, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am März 2016; abgerufen am 21. März 2016.
  48. ↑ Jugendherberge Birkenheide. trollibus-oldenburg.eu, abgerufen am 21. März 2016.
  49. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Fries, Heinrich de: Arbeiten des Architekten Professor Eduard Scotland. In: Deutsche Bauzeitung 70. 1936, S. 725–736, Abb. S. 742, 744–745.
  50. ↑ Rudolf Pfister (Hrsg.): 130 Eigenheime. Vom Großen bis Kleinsten Einfamilienhaus. München o. J. (ca. 1935), S. 100.
  51. ↑ Carl Thalenhorst (Hrsg.): Bremen und seine Bauten 1900–1951. Bremen 1952, Abb. XII a 37.
  52. ↑ Carl Thalenhorst (Hrsg.): Bremen und seine Bauten 1900–1951. Bremen 1952, Abb. XVII 31.
  53. ↑ Carl Thalenhorst (Hrsg.): Bremen und seine Bauten 1900–1951. Bremen 1952, Abb. XII d 1-2.