Edvin R. Turkof (* 17. Oktober 1956 in Wien) ist ein österreichischer plastischer Chirurg und außerordentlicher Universitätsprofessor. Seine wissenschaftlichen Arbeiten befassten sich vor allem mit der Chirurgie peripherer Nerven, der intraoperativen Elektroneurodiagnostik, hinzugekommen sind rekonstruktive und ästhetische Brustchirurgie. Gemeinsam mit Elis Sonnleitner veröffentlichte er die 13-teilige Ratgeberreihe Enzyklopaedia Aesthetica zur ästhetisch-plastischen Chirurgie.
Turkof studierte Humanmedizin an der Universität Wien und wurde 1982 zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert. Von 1989 bis 1994 absolvierte er seine Facharztausbildung an der Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie des Allgemeinen Krankenhauses Wien unter Hanno Millesi. 1996 habilitierte er sich für Plastische Chirurgie; 1997 wurde er zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt. 2006 wurde er von der Medizinischen Universität Wien als außerordentlicher Universitätsprofessor im klinischen Bereich geführt.
Neben der Nervenchirurgie war Turkof an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien in der rekonstruktiven Brustchirurgie tätig. Er ist als allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie eingetragen.
Ein Schwerpunkt von Turkofs Arbeiten lag in der intraoperativen Funktionsdiagnostik peripherer Nerven. 1994 veröffentlichte er mit Hanno Millesi und weiteren Koautoren in The Lancet eine Studie zur intraoperativen Lokalisation lepröser Schädigungen des Nervus ulnaris. Die Autoren zeigten, dass sich proximal gelegene Schädigungen durch direkte Ableitung von Nervenaktionspotentialen nach Stimulation spinaler Wurzeln lokalisieren ließen. Vergleichbare Untersuchungen erschienen später zum Nervus medianus, zum Nervus tibialis und zum Nervus facialis.
Die Arbeiten zur Nervenbeteiligung bei Lepra wurden in späteren Übersichtsarbeiten rezipiert. Ein Review in Nature Clinical Practice Neurology von 2008 führte sowohl die Untersuchung des Nervus tibialis als auch Turkofs Studie zum Gesichtsnerv an. Eine systematische Übersichtsarbeit zur chirurgischen Behandlung des leprabedingten Lagophthalmus aus dem Jahr 2025 berücksichtigte die Studie zum Gesichtsnerv ebenfalls.
In der Chirurgie des Plexus brachialis untersuchte Turkof transkraniell ausgelöste motorisch evozierte Potentiale zur Funktionsprüfung vorderer Spinalwurzeln. Nach tierexperimentellen Untersuchungen an Ziegen wurde die Methode bei 19 Patienten angewendet.
1994 untersuchten Turkof und Koautoren an 150 Armen die Häufigkeit einer anatomischen Variante, bei der der oberflächliche Ast des Nervus radialis zwischen den beiden Zügeln einer geteilten Sehne des Musculus brachioradialis verläuft; die Variante war in älterer Literatur erwähnt, ihre Häufigkeit aber bis dahin nicht untersucht worden. Eine klinische Folgestudie brachte sie mit dem Wartenberg-Syndrom in Verbindung. Ein Übersichtsartikel zur Radialis-Kompression aus dem Jahr 2023 führt beide Arbeiten als Literatur zur anatomischen Pathogenese des Wartenberg-Syndroms an.
2017 berichtete die Medizinische Universität Wien über ein Verfahren, das ein Team um Turkof gemeinsam mit der Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin entwickelt hatte. Dabei wird plättchenreiches Plasma zur Anreicherung des transplantierten Eigenfetts bei der Brustrekonstruktion mittels Plasmapherese gewonnen; in einem Durchgang lassen sich bis zu 300 Milliliter Thrombozytenkonzentrat entnehmen.
2020 veröffentlichten Dani Lutfi und Turkof eine retrospektive Untersuchung einer Modifikation der Brustverkleinerung nach der B-Technik von Paul Regnault. Verglichen wurden 233 Patientinnen, die zwischen 2010 und 2019 an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien mit oder ohne zusätzliche Dermisaufhängung operiert worden waren.
Im selben Jahr publizierten Lutfi und Turkof eine systematische Übersichtsarbeit zur Anreicherung autologer Fetttransplantate mit aus Fettgewebe gewonnenen Stammzellen bei ästhetischer Brustvergrößerung. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass diese Anreicherung für die Mehrzahl der Frauen mit Wunsch nach einer primären ästhetischen Brustvergrößerung kontraproduktiv sei, da sie die benötigte Fettmenge verdoppelt, ohne das Ergebnis verlässlich zu verbessern.
Die gemeinsam mit Elis Sonnleitner verfasste Buchreihe Enzyklopaedia Aesthetica erschien in 13 Bänden zwischen 2008 und 2010 im Wiener Maudrich Verlag; die Gesamtausgabe trägt den Titel Ästhetisch-Plastische Chirurgie. Jeder Band behandelt einen ästhetisch-chirurgischen Eingriff und beschreibt neben den Operationstechniken auch Risiken und Komplikationen. An einzelnen Bänden wirkten weitere Autoren mit, am Band zur Schamlippenkorrektur etwa die Psychosomatikerin Aglaja Stirn. 2017 veröffentlichte Turkof als alleiniger Autor im Verlagshaus der Ärzte ein Buch über die Brustrekonstruktion nach Brustkrebs und bei erhöhtem Brustkrebsrisiko.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Turkof, Edvin |
| ALTERNATIVNAMEN | Turkof, Edvin R.; Turkov, Edvin R. |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer plastischer Chirurg, Hochschullehrer und Sachbuchautor |
| GEBURTSDATUM | 17. Oktober 1956 |
| GEBURTSORT | Wien |