Egon Pallon

Egon Leonhard Pallon (* 10. Februar 1894 in Wesenberg, Russisches Kaiserreich; † 15. Juni 1968 in Göttingen) war ein deutschbaltischer evangelischer Geistlicher und nationalsozialistischer Funktionär.

Werdegang

Pallon wuchs als zweites von sechs Kindern in einer deutschsprachigen Familie in Wesenberg (estnisch Rakvere) im Russischen Kaiserreich (heute Teil von Estland) auf, wo sein Vater Leonhard Wilhelm Pallon (1859–1923) von 1891 bis 1923 Pastor war. Egon Pallon erhielt zunächst Privatunterricht, besuchte dann das Nikolai-Gymnasium in Reval (estnisch Tallinn) und zuletzt das Alexander-Gymnasium in Dorpat (estnisch Tartu).

Anschließend studierte Pallon von 1911 bis 1916 evangelische Theologie an der Kaiserlichen Universität Dorpat. Dort wurde er Mitglied der Studentenverbindung Neobaltia. Von 1916 bis 1917 absolvierte er ein Probejahr bei Gemeinden in St. Matthäi (estnisch Järva-Madise), an der Heiliggeistkirche in Reval, in Wesenberg und in Klein-St. Marien (estnisch Väike-Maarja). Daraufhin war er von 1917 bis 1918 als Pastor-Adjunkt und Religionslehrer in Hungerburg (estnisch Narva-Jõesuu) tätig.

1919 floh Pallon mit den deutschen Besatzungstruppen nach Deutschland. Er fand zunächst keine Stelle in Deutschland und begann ein Studium an der Philipps-Universität Marburg, wo er 1921 zum Dr. phil. promoviert wurde. Zwischenzeitlich kämpfte er von 1919 bis 1920 als Teil der Baltischen Landeswehr im Estnischen Freiheitskrieg. Er kehrte 1921 ins heimische Wesenberg zurück, wo er zunächst bis 1923 Hilfsprediger und nach dem Tod seines Vaters von 1923 bis 1936 Pastor war. Parallel dazu absolvierte er ein Studium an den Universitäten Kiel und Jena. 1932 wurde er mit der Dissertation Das Erlösungsproblem in der abendländischen Kulturwelt der Gegenwart. Eine Untersuchung über die Mannigfaltigkeit des menschlichen Erlösungsbedürfnisses und der Möglichkeiten seiner Befriedigung in Jena zum Dr. theol. promoviert.

Pallon gehörte dem Deutschen Klub (estnisch Saksa Klubi) an, einer nationalsozialistischen Organisation in Estland, die 1933 verboten wurde. Er wurde deshalb zu einem Monat Haft auf Bewährung verurteilt. 1936 floh er nach Deutschland, wo er bis 1940 Pastor in Demmin war. 1937 erwarb er die deutsche Staatsbürgerschaft. Von 1940 bis 1945 war er Pastor an der Glaubenskirche Berlin-Lichtenberg. Dort wirkte er allerdings nur sporadisch als Geistlicher, weil er andere Aufgaben übernahm.

Im Juni 1941 wurde Pallon, mit Beginn des Unternehmens Barbarossa, zur Wehrmacht einberufen, bei der er im Auftrag des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda als Dolmetscher im Bereich der Gegenpropaganda tätig war. Von Dezember 1941 bis Oktober 1942 übernahm er im Auftrag des Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete die Leitung und den Aufbau des Schulwesens in Estland unter dem Generaldirektor für innere Angelegenheiten der „Estnischen Selbstverwaltung“ Hjalmar Mäe. Ab November 1942 war er Referent für Verbände und Kriegsgefangene, Sport- und Wehrfragen im Führungsstab Politik und später Leiter der Zentralstelle für Angehörige der Ostvölker (ZAVO) im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Pallon von 1945 bis 1951 Pastor in Artlenburg. In Niedersachsen durchlief er ein Entnazifizierungsverfahren. Von 1951 bis 1964 war er Pastor der Gemeinde St. Johannis in Göttingen.

Pallon war zweimal verheiratet. Seine erste Frau, die er 1925 heiratete, starb bereits 1927. Im Jahr 1933 heiratete er erneut. Er starb im Juni 1968 im Alter von 74 Jahren in Göttingen.

Literatur