Ehrenfried Petras

Ehrenfried Petras (* 30. Mai 1930 in Breslau; † 29. Dezember 1980 in Ost-Berlin) war ein deutscher Mikrobiologe und Agent der DDR-Staatssicherheit.

Leben

Petras wuchs in einer politisch links orientierten Familie in Schlesien auf. Sein Vater, Otto Petras, kämpfte im Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime und starb kurz nach dem Krieg an den Folgen der Gestapo-Haft. 1949 wurde Petras in Hildesheim Mitglied der KPD, anschließend der FDJ. Nach Verdiensten als Gruppenleiter wurde er mit einem Stipendium zum Studium der Biologie an die Universität Jena entsandt. Dort wurde er im November 1952 vom DDR-Auslandsgeheimdienst, der späteren Hauptverwaltung A, angeworben. Unter dem Decknamen „Wolf“ kam er als „Inoffizieller Mitarbeiter auf Perspektive“ zurück in die Bundesrepublik. Seine Promotion erfolgte 1957 an der Universität Göttingen. Seine Promotion B erfolgte 1970 an der Universität Greifswald.

Petras erhielt Anfang der 1960er Jahre eine Stelle am neugegründeten Institut für Aerobiologie im sauerländischen Grafschaft, das sich unter anderem mit Nervengiften und Aerosolen befasste. Aufgrund seiner Vorgeschichte erhielt er kein Clearing des MAD und damit keinen Zugang zu Verschlusssachen. 1965 nahm ihn das Verteidigungsministerium aus dem eigenen Betreuungsbereich heraus und übertrug ihm andere Aufgaben. Petras wurde zum 1. Januar 1969 gekündigt. Vermutlich reiste er vor dem 20. November 1968 nach Ost-Berlin aus. Die Übersiedlung erfolgte über Moskau, nachdem die Staatssicherheit eine Enttarnung weiterer Agenten befürchtet hatte.

In Berlin trat er als Kronzeuge einer Desinformationskampagne der DDR auf (interner Name: „Aktion ,Verwüstung‘“), die Belege darüber konstruierte, dass die BRD ABC-Waffen herstelle. Petras wurde am 23. November 1968 in der Aktuellen Kamera interviewt und als vermeintlicher „Leiter eines der wichtigsten westdeutschen Labors“ vorgestellt. Am 6. Dezember 1968 verlas er auf einer großen Pressekonferenz für westliche Journalisten eine Erklärung, welche das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR unter dem Titel Dr. Petras schlägt Alarm veröffentlichte. Das westdeutsche Magazin konkret zitierte Petras 1969 in einer Reportage mit dem Titel Giftgas für die Bundeswehr, die unter anderem von Günter Wallraff verfasst wurde.

Nachdem die Aktion ab 1969 nicht weiterverfolgt wurde, verschwand Petras zunehmend aus der Öffentlichkeit. Eine vom Verlag der Nation geplante Autobiografie kam nicht zustande. Gesundheitliche Probleme und übermäßiger Alkoholkonsum führten laut Kollegen zu Verstößen gegen Arbeitsdisziplin und Arbeitsordnung, die 1974 in der Entlassung mündeten. Petras’ Sohn, der Theaterregisseur Armin Petras, berichtete später im Spiegel, sein Vater sei ein „gebrochener Mann“ und „Trinker“ gewesen und seine Ehe nach der Kampagne zerbrochen. Petras beantragte 1975 Invalidenrente und starb 1980 im Alter von 50 Jahren.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Andreas Wassermann: DDR-Ausreiser Armin Petras: "Ich bin ein deutsch-deutscher Zwitter". In: Der Spiegel. 27. August 2019, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 18. November 2022]).
  2. ↑ Nele Dittrich: Wenn die konkret dreimal klingelt: Die Horst Gärtner-Affäre. In: Abseits der Universität?: Skandal, Terrorismus, Kriegsgefangenschaft in der Kieler Universitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts. 30. Oktober 2020, ISSN 2701-5122, S. 68–97, doi:10.38072/2701-5122/p4 (uni-kiel.de [abgerufen am 18. November 2022]).
Personendaten
NAME Petras, Ehrenfried
KURZBESCHREIBUNG deutscher Mikrobiologe
GEBURTSDATUM 30. Mai 1930
GEBURTSORT Breslau
STERBEDATUM 29. Dezember 1980
STERBEORT Ost-Berlin