Eichsfeldmuseum

Eichsfeldmuseum

Das Eichsfeldmuseum (ehemals „Eichsfelder Heimatmuseum“) ist ein kulturhistorisches Museum in Heilbad Heiligenstadt im Landkreis Eichsfeld in Thüringen. Träger ist die Stadt Heilbad Heiligenstadt. Im Gebäude befand sich einst ein von Erzbischof Daniel Brendel von Homburg gegründetes Jesuitenkolleg.

Museumsgeschichte

Nach jahrelangen Bemühungen, ein Heimatmuseum im Eichsfeld zu errichten, wurde zunächst 1931 ein Heimatmuseum in Duderstadt und 1932 in Heiligenstadt im ehemaligen Heiligenstädter Jesuitenkolleg eröffnet. Aufgebaut wurden die ersten Sammlungen unter anderem durch Johannes Müller und Schüler des Heiligenstädter Gymnasiums, welches bis 1929 im gleichen Gebäude untergebracht war. Schließungen gab es im Zweiten Weltkrieg und während umfassender Sanierungen in den Jahren 1948/50 (mit zwischenzeitlicher Unterbringung im „Eichsfelder Hof“), 1994/96, 2011/12 und im Frühjahr 2020, aufgrund der COVID-19-Pandemie. Im Jahre 2017 wurde das Museum von „Eichsfelder Heimatmuseum“ in „Eichsfeldmuseum“ umbenannt. Im Juni 2020 wurde für das Eichsfeldmuseum ein neues Konzept vorgestellt, welches die Umstrukturierung des Museums vorsieht. 2023 wurde der neue Vortragsraum mit Platz für 100 Gäste eröffnet. Die ursprünglich dort ausgestellte Streckersche Naturaliensammlung wurde im darauffolgenden Jahr neu gestaltet und in den gegenüberliegenden Flur des Museums verlegt.

Museumsausstellung

Das Museum informiert auf drei Etagen über die Geschichte des Eichsfeldes und der Stadt Heiligenstadt, über die religiöse Tradition des Eichsfeldes sowie über bekannte Eichsfelder Persönlichkeiten. Gezeigt werden auch Kunstgegenstände, Trachten, historische Möbel und Beispiele handwerklicher Traditionen. Die Streckersche Vogelsammlung stellt über 200 Vogel- und weitere Tierarten vor. Darüber hinaus gibt es regelmäßig Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen.

Museumsleitung

Ausstellungen

Dauerausstellungen

„Wir im Eichsfeld“

Es ist eine Dauerausstellung über die Geschichte und die Identität des Eichsfeldes geplant.

„Heiligenstädter Stadtgeschichte“

Diese Dauerausstellung ist im ersten Obergeschoss des Gebäudes untergebracht und beschäftigt sich mit der Stadtgeschichte von Heilbad Heiligenstadt.

„Palmsonntagsprozession“

Die Heiligenstädter Palmsonntagsprozession findet alljährlich am Palmsonntag statt. Es handelt sich um eine Leidensprozession, wie sie auch aus der Semana Santa, der spanischen Karwoche, bekannt ist.

Sechs Bilder werden durch die Straßen der Innenstadt getragen. Sie zeigen Stationen der Passionsgeschichte Jesu:

  1. Das Abendmahl
  2. Christus am Ölberg
  3. Die Verspottung Christi
  4. Christus am Kreuz
  5. Die Schmerzensmutter
  6. Das Heilige Grab

Im Jahr 2016 wurde die Palmsonntagsprozession von der deutschen UNESCO-Kommission in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Seit 2021 kann die Prozession in einer Dauerausstellung des Museums ganzjährig erlebt werden.

„Das Eichsfeld im 19. Jahrhundert - Umbrüche, Aufbrüche, Kontinuitäten“
Gelbbrustara (ara ararauna) der Streckerschen Vogelsammlung

Eingerichtet im zweiten Obergeschoss, zeigt diese Ausstellung das Leben im Eichsfeld im 19. Jahrhundert und greift verschiedene Themenbereiche auf. Sie wurde im Jahr 2018 als Sonderausstellung eröffnet und gehört mittlerweile zur Dauerausstellung.

„Streckersche Naturaliensammlung“

Ihr gehören zahlreiche historische Vogel-, Tier- und Insektenpräparate an. Auch ein bereits ausgestorbener Kuba-Ara wird ausgestellt. Sie ist im zweiten Obergeschoss eingerichtet.

Sonderausstellungen (Auswahl)

Museumsgebäude

Entstehung

Das Museum ist seit seiner Gründung 1932 im ehemaligen Heiligenstädter Jesuitenkolleg untergebracht. Es entstand nach dem großen Heiligenstädter Stadtbrand vom 1. April 1739 als neues Kolleggebäude für den Jesuitenorden. Den Bau führte der Dingelstädter Architekt Johann Christoph Heinemann aus.

Die Kosten für das Kolleg übernahm der Mainzer Statthalter Hugo Franz Karl von Eltz-Kempenich. Für die Erweiterung des Gebäudes kauften die Jesuiten zwei Grundstücke abgebrannter Häuser, und unter Einwilligung des städtischen Senates wurde das Kolleg bis zu den Kirchtürmen der Marienkirche ausgedehnt. Das Jesuitenkolleg erstreckt sich vom südlichen Teil des Barockgarten über die Geislede hinweg und verfügt jeweils über einen „privaten“ Zugang zum Süd- und Westportal der Kirche.

Baubeschreibung

Das Jesuitenkolleg ist ein viergeschossiges Gebäude im barocken Stil von langgezogener Form. Ein Dachreiter schmückt das Dach, und zum Barockgarten hin sind verzierte Dachgauben angebracht. Die Fassade ist schlicht, so befindet sich sämtlicher Schmuck am Eingangsportal des Kollegs. Über dem Hauptportal ist das Wappen des Stifters, Graf Hugo Franz Karl von Eltz, dargestellt. Das rundbogige Portal im Norden der Westfassade zeigt ein weiteres Wappen, welches dem Kurfürsten Johann Schweikhard von Cronberg zugeordnet werden kann. Die abgerundete Nische an der Südseite des Kollegs erinnert daran, dass damals eine angrenzende Jesuitenkirche geplant war. Der Weiterbau wurde jedoch 1745 vom Mainzer Stift verboten, und 1773, mit der Aufhebung des Jesuitenordens, vertrieb der Mainzer Statthalter Karl Theodor von Dalberg die Jesuiten aus dem Gebäude.

Ein Blickfang des Jesuitenkollegs ist das handgeschnitzte Treppenhaus im Barockstil, das seinerzeit freischwebend konstruiert war. Die Fensternische vor der Treppe im Erdgeschoss ziert ein massives Waschbecken aus Stein.

Beeindruckend ist das mit Stuck verzierte Deckengemälde, welches durch das offene Mittelfeld des Treppenhauses betrachtet werden kann. Gemalt wurde es von Johann Martin Hummel aus Kitzingen. Zentral ist das Christusmonogramm IHS dargestellt. Es ist umgeben von zwei in Wolken schwebenden Engeln und Putti. Die Jesuiten berichten in ihrer Chronik für das Jahr 1741, dass das Mittelbild die Heiligen Ignatius von Loyola und Franziskus Xaver zeigt. Um die Mitte herum sind acht kleine Medaillons angeordnet, von denen vier als Original erhalten sind. Diese sind den Jesuitenheiligen Aloisius von Gonzaga, Stanislaus Kostka, Francisco de Borja und Jean François Régis gewidmet. Die übrigen Medaillons stellen eine Allegorie der Kontinente Afrika, Asien, Amerika und Europa dar, um die weltweite Missionstätigkeit des Jesuitenordens zu symbolisieren.

Nutzungen

Nach der Vertreibung der Jesuiten von 1773 wurde das Jesuitenkolleg zu einem Schulgebäude umfunktioniert. Der katholische Priester Johann Georg Lingemann war von 1805 bis 1830 Direktor des Heiligenstädter Gymnasiums. Aufgrund der stetig wachsenden Schüleranzahl entstand 1929 schließlich in der Nähe des Heiligenstädter Bahnhofs ein neues Schulgebäude, in dem bis heute das Staatliche Gymnasium „Johann Georg Lingemann“ zu finden ist. Dadurch wurde das Gebäude des Jesuitenkollegs frei und einer Museumsnutzung zugeführt.

Literatur

Commons: Eichsfelder Heimatmuseum – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Gerhard Backhaus: Heiligenstadt 1919-33. Zeitbilder Verlag Cordier Heiligenstadt, Seite 13
  2. ↑ Hrsg. Rat des Kreises Heiligenstadt: Der Kreis Heiligenstadt im Aufbau : 1952 - 1956. Heiligenstadt 1957, S. 150
  3. ↑ Silvana Tismer: Kulturausschuss empfiehlt neuen Museumsnamen. 10. Mai 2017, abgerufen am 2. Juli 2020 (deutsch).
  4. ↑ Eichsfeld-Museum. Abgerufen am 2. Juli 2020.
  5. ↑ Eichsfeldmuesum Heilbad Heiligenstadt: Museum. Abgerufen am 20. September 2026.
  6. ↑ Günter Liebergesell: Festveranstaltung zum 90. Geburtstag des Eichsfeldmuseums. In: Heiligenstädter Geschichts- und Museumsverein e.V. Heiligenstädter Geschichts- und Museumsverein e.V., 2022, abgerufen am 21. Juni 2023.
  7. ↑ Seit 1. April 2022 leitet Müller das Museumsdorf Cloppenburg. Quelle: Museumsdorf Cloppenburg hat einen neuen Leiter. In: Norddeutscher Rundfunk, Onlineportal. 29. März 2022.
  8. ↑ Silvana Tismer: Heiligenstadts Museumsleiter Gideon Haut: „Neukonzeption hat oberste Priorität“. 2. Juni 2022, abgerufen am 21. Juni 2023 (deutsch).
  9. ↑ Eichsfeldmuesum Heilbad Heiligenstadt: Wir im Eichsfeld. Abgerufen am 20. September 2026.
  10. ↑ Eichsfeldmuesum Heilbad Heiligenstadt: Palmsonntagsprozession. Abgerufen am 20. September 2026.
  11. ↑ Heiligenstädter Palmsonntagsprozession. In: www.unesco.de. Deutsche UNESCO-Kommision, abgerufen am 20. September 2026.
  12. ↑ Torsten W. Müller: "Sie tragen das Leiden Christi durch die Stadt": Die große Palmsonntagsprozession in Heilbad Heiligenstadt. F. W. Cordier, Heiligenstadt 2022, ISBN 978-3-939848-76-9, S. 123.
  13. 1 2 Explore Eichsfeldmuseum in 3D. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 31. Januar 2023; abgerufen am 7. Juni 2020 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  14. ↑ TA: Sonderausstellung wird bis Ende Juni verlängert. 23. Januar 2019, abgerufen am 7. Juni 2020 (deutsch).
  15. ↑ Eichsfeldmuesum Heilbad Heiligenstadt: Strecker'sche Naturaliensammlung. Abgerufen am 20. September 2026.
  16. ↑ Eichsfeldmuesum Heilbad Heiligenstadt: EIN BRUCH. Abgerufen am 20. September 2026.
  17. ↑ Eichsfeldmuesum Heilbad Heiligenstadt: 90 Jahre Fernsehgeschichte in Deutschland – Vom Wunderkasten zum Massenmedium. Abgerufen am 20. September 2026.
  18. ↑ Eichsfeldmuesum Heilbad Heiligenstadt: Felix Teuber: „laublos! – Entweder. sowohl oder als auch“. Abgerufen am 20. September 2026.
  19. ↑ Eichsfeldmuesum Heilbad Heiligenstadt: Günther Jahn – Von Schlange und Apfel. Abgerufen am 20. September 2026.
  20. ↑ Reiner Schmalzl: 100 Werke aus der Feder eines Eichsfelder Komponisten: Ausstellung würdigt Karl Dietrich. 7. Juni 2023, abgerufen am 8. August 2023 (deutsch).
  21. ↑ Bernhard Opfermann: Die Geschichte des Heiligenstädter Jesuitenkollegs: Teil 2 (1686–1772). Heiligenstadt 1989, ISBN 3-923453-32-9.
    1. ↑ S. 221.
    2. ↑ S. 221–222.
    3. 1 2 S. 229.
  22. ↑ Bernhard Opfermann: Gestalten des Eichsfeldes: Religiöse Lebensbilder. Leipzig / Heiligenstadt 1968, S. 57.
  23. ↑ Walter Rassow: Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Heiligenstadt. 20. Reprint- Auflage. Cordier DruckMedien, Heiligenstadt 2002, ISBN 3-929413-74-4, S. 200–208.
    1. ↑ S. 206–208.
  24. ↑ Heilbad Heiligenstadt: Ehemaliges Jesuitenkolleg - Johann Martin Hummel. Google Arts & Culture, abgerufen am 20. September 2026.
  25. ↑ J. G. Lingemann | Lingemann Gymnasium. Staatliches Gymnasium "Johann Georg Lingemann", abgerufen am 20. September 2026.
  26. ↑ C.Kreuscher, I. Buschnikow: Ein Gymnasium zieht aus: Neubau 1929 | Lingemann Gymnasium. Staatliches Gymnasium Johann Georg Lingemann, abgerufen am 20. September 2026.

Koordinaten: 51° 22′ 41,2″ N, 10° 8′ 10,5″ O