Die Einbeeren (Paris) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Germergewächse (Melanthiaceae). Die etwa 27 bis 32 Arten sind in Eurasien verbreitet. Bekannteste Art in Europa ist die Vierblättrige Einbeere, kurz Einbeere.
Die Einbeeren-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Das monopodiale (= mit durchgehender Hauptachse) Rhizom dieses Geophyten ist unterschiedlich dick je nach Art. Aus Knospen in den Achseln von Niederblättern werden an der Rhizom-Oberseite aufrechte, unverzweigte Stängel gebildet, die meist einige Jahre nicht blühen und nach der Samenbildung absterben. An einem Stängel stehen in nur einem Quirl je nach Art, selten drei, vier bis mehrere, gestielte Laubblätter. Die einfachen Laubblätter sind lanzettlich bis eiförmig. Auf der Blattspreite sind drei Hauptnerven und dazwischen Netznerven vorhanden. Der Blattrand ist glatt.
Blüten, Früchte und Samen
An jedem Stängel wird nur eine endständige, gestielte Blüte gebildet. Die zwittrige, radiärsymmetrischeBlüte ist vier- bis elfzählig. Es sind meist zwei Kreise mit je vier bis elf freien Blütenhüllblättern vorhanden. Die äußeren Blütenhüllblätter sind lanzettlich bis eiförmig und sind grün oder selten mehr oder weniger weiß. Die inneren Blütenhüllblätter sind fadenförmig, selten fehlen sie. Es sind zwei Kreise mit vier bis elf Staubblättern vorhanden. Die Staubfäden sind dünn und flach. Vier bis elf Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen. Der kurze Griffel endet in vier bis elf langlebige Narbenlappen.
Es werden einzeln stehende, gestielte, vier- bis elffächrige, vielsamige, Beeren oder beerenähnliche Kapselfrüchte gebildet, die einige oder viele Samen enthalten. Die Samen einiger Arten sind von einem Arillus umgeben.
Erbgut
Das Erbgut von Paris japonica enthält 150 Milliarden Basenpaare (etwa 50mal so viele wie das menschliche Genom enthält) und ist damit nach derzeitigem Stand das größte Genom der Lebewesen, falls sich die Ergebnisse für die Amöbe Polychaos dubium 1968 wie verschiedentlich erwartet als veraltet bzw. falsch erweisen.
Die ganze Pflanze wurde früher in der Volksmedizin als Mittel gegen ansteckende Krankheiten angewandt (Pestbeere).
Die Rhizome vieler Arten werden in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet, die Droge wird Rhizoma Paridis genannt.
Systematik und Vorkommen
Die Gattung Paris wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 367 aufgestellt. Die Herkunft des Gattungsnamens Paris ist nicht geklärt. Der Name ist allerdings alt. Schon Leonhart Fuchs (1501–1566) kannte die Vierblättrige Einbeere unter dem Namen: Herba Paris.
Früher wurde die Gattung Paris zu den Familien der Spargelgewächse (Asparagaceae) oder der Liliengewächse (Liliaceae) gestellt. Heute gehört die Gattung Paris in die Tribus Parideae, die den Umfang der früheren Familie Trilliaceae Chevall. besitzt, und gehört damit in die Familie der Germergewächse (Melanthiaceae Batsch ex Borkh.). Die Gattung Paris ist nah mit der Gattung Trillium verwandt. Die Blüten der Gattung Trillium sind aber wie die meist Einkeimblättrigen dreizählig. Die Blüten der Gattung Paris sind dagegen vier- bis elfzählig.
Ob die Arten der Gattung DaiswaRaf. als Untergattung Daiswa innerhalb der Gattung ParisL. enthalten sind, wird diskutiert. Hier die Darstellung mit den zwei Untergattungen Daiswa und Paris. Wenn die Untergattung Daiswa nicht enthalten ist, dann enthält die Gattung Paris nur etwa elf Arten. Auch die einzige Art der ehemaligen monotypischen Gattung KinugasaTatew. & Sutô gehört dabei zur Gattung ParisL.
Die Untergattung Paris wird seit 2006 in zwei Sektionen gegliedert:
Sektion Kinugasa(Tatew. & Sutô) Hara: Sie enthält nur eine Art:
Es gibt etwa 28 Paris-Arten in zwei Untergattungen:
Untergattung Daiswa(Raf.) H.Li: Sie besitzen dicke Rhizome, einkammerige Fruchtknoten mit Parietalplazentation, beerenartige Kapselfrüchte und Samen mit einem sukkulenten Arillus. Mit etwa 12 bis 16 Arten:
Paris caobangensisY.H.Ji, H.Li & Z.K.Zhou: Sie wurde 2006 aus dem nördlichen Vietnam erstbeschrieben.
Paris cronquistii(Takht.) H.Li: Sie gedeiht in Höhenlagen von 900 bis 2100 Metern in den chinesischen Provinzen südwestliches Guangxi, Guizhou, Sichuan und südöstliches Yunnan.
Paris daliensisH.Li & V.G.Soukup: Es ist ein Endemit des westlichen Yunnan in Höhenlagen von etwa 2600 Metern.
Paris delavayiFranchet: Sie kommt in Vietnam und den chinesischen Provinzen Guizhou, Hubei, Hunan, Jiangxi, Sichuan sowie Yunnan vor.
Paris dunnianaH.Lév.: Sie kommt gedeiht in Höhenlagen von nahe Meereshöhe bis 1100 Metern in den chinesischen Provinzen Guizhou, Hainan und Yunnan.
Paris fargesiiFranchet: Sie kommt vor in Vietnam und in den chinesischen Provinzen Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hubei, Hunan, Jiangxi, Sichuan sowie Yunnan.
Paris luquanensisH.Li: Es ist ein Endemit des nördlichen zentralen Yunnan in Höhenlagen von 2100 bis 2800 Metern.
Paris maireiH.Lév.: Sie gedeiht in Höhenlagen von 1800 bis 3500 Metern in den chinesischen Provinzen Guizhou, westliches Sichuan und nördliches Yunnan.
Paris marmorataStearn: Sie kommt vor in Bhutan, im nördlichen Indien, Nepal, südliches Tibet und in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie Yunnan.
Paris polyandraS.F.Wang: Es ist ein Endemit des südwestlichen Sichuan in Höhenlagen von 1200 bis 1600 Metern.
Paris polyphyllaSm. (inkl. Paris birmanica(Takht.) H.Li & Noltie): Sie kommt mit mehreren Varietäten in Bhutan, Indien, Laos, Myanmar, Nepal, Sikkim, Thailand, Vietnam, Taiwan, Tibet und den chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, Gansu, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Shaanxi, Shanxi, Sichuan, Yunnan sowie Zhejiang vor.
Paris stigmatosaShu-dong Zhang: Mit dreizähligen Blüten. Es ist ein Endemit des östlichen Yunnan und gedeiht in Höhenlagen von selten 2500 bis meist 2600 bis 2900 Metern.
Paris thibeticaFranchet (Syn.: Paris wenxianensisZ.X.Peng & R.N.Zhao): Sie kommt in Bhutan, Myanmar, Sikkim, südlichen Tibet und den chinesischen Provinzen südliches Gansu, Guizhou, Sichuan sowie nordwestliches Yunnan vor.
Paris undulataH.Li & V.G.Soukup: Es ist ein Endemit des zentralen Sichuan.
Paris vietnamensis(Takht.) H.Li: Sie kommt vor in Vietnam und in den chinesischen Provinzen Guangxi und Yunnan.
Paris xichouensis(H.Li) Y.H.Ji, H.Li & Z.K.Zhou (Syn.: Paris cronquistii var. xichouensisH.Li): Dieser Endemit gedeiht in immergrünen Wäldern an den Hängen im tropischen Karst in Höhenlagen von 1400 bis 1500 Metern nur in Xichou Xian im südöstlichen Yunnan.
Untergattung Paris:
Paris axialisH.Li: Sie gedeiht in Höhenlagen von 700 bis 3000 Metern in Sichuan und im nordöstlichen Yunnan.
Paris bashanensisF.T.Wang & Tang: Sie gedeiht in Höhenlagen von 1400 bis 4300 Metern im westlichen Hubei und in Sichuan.
Paris dulongensisH.Li & Kurita: Es ist ein Endemit des nordwestlichen Yunnan in Höhenlagen von 1500 bis 1600 Metern.
Paris forrestii(Takht.) H.Li: Sie kommt in Myanmar, im südöstlichen Tibet und in der chinesischen Provinz westliches Yunnan vor.
Weitere Arten (ohne Zuordnung zu einer Untergattung):
Paris caojianensisB.Z.Duan & Yu Yu Liu: Sie wurde 2017 aus Yunnan erstbeschrieben.
Paris lihengianaG.W.Hu & Q.F.Wang: Sie wurde 2019 aus Yunnan erstbeschrieben.
Paris nitidaG.W.Hu, Zhi Wang & Q.F.Wang: Die 2017 erstbeschriebene Art kommt im zentralen, südlichen und östlichen China vor.
Paris qiliangianaH.Li, Jun Yang bis & Y.H.Wang: Sie wurde 2017 aus Hubei erstbeschrieben.
Paris variabilisZ.Y.Yang, C.J.Yang & Y.H.Ji: Die wurde 2019 aus Yunnan erstbeschrieben.
Literatur
Liang Songyun, Victor G. Soukup: In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2000, ISBN 0-915279-83-5. Paris., S. 88 – textgleich online wie gedrucktes Werk. (Abschnitte Beschreibung, Systematik und Verbreitung)
Yunheng Ji, Peter W. Fritsch, Heng Li, Tiaijiang Xiao, Zheku Zhou: Phylogeny and Classification of Paris (Melanthiaceae) Inferred from DNA Sequence Data. In: Annals of Botany, Volume 98, Issue 1, 2006, S. 245–256: Online.doi:10.1093/aob/mcl095
Zhang Shu-dong: A New Species of Paris (Melanthiaceae) from Northeastern Yunnan, China. In: Novon, Volume 18, Issue 4, 2008, S. 550–554 PDF.
Einzelnachweise
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Changkyun Kim, Sang-Chul Kim, Joo-Hwan Kim: Historical Biogeography of Melanthiaceae: A Case of Out-of-North America Through the Bering Land Bridge. In: Frontiers in Plant Science, Volume 10, 2019, S. 1–12. doi:10.3389/fpls.2019.00396
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Hai Liu, Yun Huang, Qiang Wang, Ting Zhang, Yue Song: Detection of saponins in extracts from the rhizomes of Paris species and prepared chinese medicines by high performance liquid chromatography-electrospray ionization mass spectrometry. In: Planta Medica, Volume 72, Nr. 9, 2006, S. 835–841. ISSN0032-0943
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B. Baumann, H. Baumann, S. Baumann-Schleihauf: Die Kräuterbuchhandschrift des Leonhart Fuchs. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3538-8, Seite 222.
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Yun Heng Ji, Cheng Jin Yang, Yu Ling Huang: A new species of Paris sect. Axiparis (Melanthiaceae) from Yunnan, China. In: Phytotaxa, Volume 306, Issue 3, 2017, S. 234. doi:10.11646/phytotaxa.306.3.6
1234567891011Paris. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science,abgerufen am 25.Oktober 2026.
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Yunheng Ji, Peter W. Fritsch, Heng Li, Tiaijiang Xiao, Zheku Zhou: Phylogeny and Classification of Paris (Melanthiaceae) Inferred from DNA Sequence Data, In: Annals of Botany, Volume 98, Issue 1, 2006, S. 245–256: onlinedoi:10.1093/aob/mcl095
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Y. H. Ji, H. Li, Z. K. Zhou: Paris caobangensis Y. H. Ji, H. Li & Z. K. Zhou (Trilliaceae), a new species from northern Vietnam. In: Acta Phytotaxonomica Sinica, S. 44, Issue 6, 2006, S. 699–702.
Susan B. Farmer, Edward E. Schilling: Phylogenetic Analyses of Trilliaceae based on Morphological and Molecular Data. In: Systematic Botany, Volume 27, Issue 4, 2002, S. 674–692: Online. (PDF; 545kB)