Eine Elendenbruderschaft (auch Elendsbruderschaft) war eine Bruderschaft des 14. bis 16. Jahrhunderts, die arme und kranke Fremde in Elendenherbergen betreute und im Besonderen für das Begräbnis, Totengedenken, die kirchliche Seelenfeier von Heimatlosen sorgte. Elende (von althochdeutsch elilenti) hatte in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Fremde, nicht armselig.
In Deutschland entstanden im frühen 14. Jahrhundert an vielen Orten Elendenbruderschaften, nur wenige überdauerten die Reformation.
Im deutschsprachigen Raum wurden diese Bruderschaften als confraternitas exulum, fraternitas exulum, elende gilde usw. bezeichnet, bzw. waren es Zusammenschlüsse der Hilfsbedürftigen selbst (z. B. in Trier). Die ältere Forschung beschränkte sich auf die Verbreitung in Deutschland, doch der Sache nach gab es in ganz Europa, auch vor dem 14. Jahrhundert, ähnlich orientierte Bruderschaften, die aber anders benannt waren (zum Beispiel nach Heiligen).
Während der Pestepidemie starben tausende Menschen innerhalb kürzester Zeit, nur um die Fremden und Wohnsitzlosen kümmerte sich niemand, bis sich ihre Leichen in den Straßen sammelten. Dieser Umstand soll die Paderborner 1349 zur Gründung einer Bruderschaft bewogen haben, die sich der Beisetzung der Ortsfremden annahm. Die seit 1492 bestätigte Elenden-Bruderschaft in Paderborn an der Gaukirche hat sich als einzige in Deutschland bis heute erhalten, sie geleitet die in Paderborn verstorbenen Fremden zu Grabe. Ebenfalls in dieser Zeit entstand auch die „Elende Bruderschaft“ zu St. Stephan in Mainz; Zum Teil wandelten sich die städtischen Elendsbruderschaften in Totenbruderschaften bzw. Armseelenbruderschaften um, deren Hauptanliegen ein würdiges christliches Bestatten der armen Seelen war bzw. die Elendskerzen in Beinhäusern und Totenleuchten zu unterhalten.