Elisabeth Brendel

Elisabeth Brendel, geb. Tautmann, auch: Lysinka Brendel (* 27. August 1814 in St. Petersburg; † 15. November 1866 in Leipzig) war eine deutsche Pianistin und Musikpädagogin. Sie führte in Leipzig einen Salon und war Mitbegründerin des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins.

Leben

Elisabeth Tautmann wurde als Tochter des Kaufmanns Johann Christian Tautmann (1786–1870) und Anna, geb. Jastrebilow (1798–1848) in St. Petersburg geboren und auf Wunsch ihrer Mutter russisch-orthodox getauft. Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt sie in St. Petersburg, wo sie auch öffentlich als Konzertpianistin debütierte. Als ihre Familie nach Moskau umzog, wurde sie dort Klavierschülerin des Komponisten John Field. Ihre Ausbildung setzte sie, vermutlich in den 1830ern, in Berlin bei Ludwig Berger fort und konzertierte in Wien, München (hier wurde sie zum Ehrenmitglied der Philharmonischen Gesellschaft ernannt) und Dresden, wo sie 1837 das Klavierstück „Le retour de Londres. Grand rondo brillant“ von J. N. Hummel spielte. Zu ihrem Repertoire gehörten auch Werke von Friedrich Kalkbrenner, Felix Mendelssohn Bartholdy und J. P. Pixies. Über ein Konzert in Moskau im Jahr 1838, bei dem sie ein Rondo aus Kalkbrenners drittem Klavierkonzert sowie ein Capriccio von Mendelssohn aufführte, urteilte ein Kritiker, sie spiele „[m]it kühnem Gelingen, mit Rapidität und mit höchster Lebendigkeit, Gewandtheit und Fertigkeit […]. Zartheit und Deutlichkeit im Vortrage, Rundung und Nettigkeit im Anschlage. Der Vortrag war voll Seele und innerer Gluth. Nichts von einer Gewaltanstrengung mechanischer Handarbeit, nichts von sinnlosem Abhaspeln. Ihr reines, deutliches Spiel überraschte alle Hörer auf das Angenehmste.“

1839 zog die Familie nach Dresden, wo sie Franz Brendel kennenlernte. In seinen für ein breites Publikum gehaltenen musikgeschichtlichen Vorlesungen, sowohl in Dresden als auch in Leipzig, spielte Elisabeth Tautmann einige Klaviersonaten Beethovens zu Demonstrationszwecken vor. Am 28. November 1844 heiratete sie Franz Brendel und zog nach Leipzig, wo Franz Brendel ab 1. Januar 1845 die von Robert Schumann gegründete Neue Zeitschrift für Musik als Redakteur übernahm.

In Leipzig gab Elisabeth Brendel am 23. Januar 1845 ihr letztes öffentliches Konzert im Gewandhaus, bei dem sie das sechste Klavierkonzert in C-Dur von Field spielte. Sie trat aber noch weiter in halböffentlichen Kreisen sowie weiterhin in einigen Vorlesungen ihres Mannes auf. Franz Brendel, der sich, fortschrittlich für seine Zeit, für die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzte, organisierte 1850 auch musikhistorische Vorlesungen für die sogenannte "Damen-Academie" in Leipzig. Louise Otto, mit der das Paar befreundet war, berichtete in ihrer "Frauen-Zeitung" von den Vorlesungen und hob insbesondere die Klaviervorträge Elisabeth Brendels hervor. In Leipzig begann Elisabeth Brendel außerdem, einen Salon zu führen und als Klavierlehrerin zu arbeiten, eine ihrer bekanntesten Schülerinnen war die Musikschriftstellerin und Musikpädagogin Lina Ramann. Neben ihrem künstlerischen Wirken setzte sie sich für die Frauenemanzipation ein. So war sie 1865 neben Louise Otto-Peters, Ottilie von Steyber und Auguste Schmidt eine der Mitbegründerinnen des Frauenbildungsvereins und des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF).

Am 15. November 1866 starb Elisabeth Brendel in Leipzig, ihr Mann nur zwei Jahre später. Sie wurden beide in der Brendelschen Familiengruft in Freiberg begraben.

Literatur

Dokumente:

Einzelnachweise

  1. ↑ Ihr Bruder war vermutlich der in Dresden und Leipzig wirkende Cellist Nicolaus Tautmann.
  2. ↑ Vgl. Heiner Thurm: Brendel, Elisabeth (geborene Tautmann). In: Leipziger Frauenporträts, Webseite der Stadt Leipzig, 2018; vgl. Vgl. Allgemeiner musikalischer Anzeiger vom 4. Mai 1838, S. 71 (online bei ANNO).
  3. ↑ Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung vom 8. August 1838, Sp. 528 (online bei ANNO).
  4. ↑ Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung vom 8. August 1838, Sp. 528 (online bei ANNO).
  5. ↑ Vgl. Heiner Thurm: Brendel, Elisabeth (geborene Tautmann). In: Leipziger Frauenporträts, Webseite der Stadt Leipzig, 2018.
  6. ↑ Vgl. Signale für die musikalische Welt Nr. 21 im Mai 1844, S. 165 (online bei ANNO); vgl. Neue Zeitschrift für Musik vom 6. Juni 1844, S. 182 (online bei ANNO).
  7. ↑ Vgl. Heiner Thurm: Brendel, Elisabeth (geborene Tautmann). In: Leipziger Frauenporträts, Webseite der Stadt Leipzig, 2018.
  8. ↑ Vgl. Bert Hagels: Konzerte in Leipzig 1779/80 bis 1847/48. Eine Statistik. Berlin 2009, Anhang „Konzerte in Leipzig 1779/80 bis 1847/48“, S. 1139 f.; vgl. hierzu auch Allgemeine musikalische Zeitung vom 29. Januar 1845, Sp. 74 (online bei ANNO).
  9. ↑ Vgl. hierzu Martina Bick: Franz Brendel. In: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard, Nina Noeske und Silke Wenzel, HfMT Hamburg, 2003ff. und HfM Weimar, 2022ff. Stand vom 27. Februar 2014; abgerufen am 8. März 2026.
  10. ↑ Vgl. Heiner Thurm: Brendel, Elisabeth (geborene Tautmann). In: Leipziger Frauenporträts, Webseite der Stadt Leipzig, 2018.
  11. ↑ Vgl. Ute Tartz: Elisabeth Brendel. In: Frauenpersönlichkeiten in Leipzig. Universität Leipzig, archiviert vom Original am 13. August 2020.
Personendaten
NAME Brendel, Elisabeth
ALTERNATIVNAMEN Tautmann, Elisabeth (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Pianistin und Musikpädagogin
GEBURTSDATUM 27. August 1814
GEBURTSORT St. Petersburg
STERBEDATUM 15. November 1866
STERBEORT Leipzig