Elizabeth Cotten

Elizabeth Cotten Denkmal in Libba Cotten Grove, South State St., Syracuse NY

Elizabeth „Libba“ Cotten (* 5. Januar 1893 in Carrboro nahe Chapel Hill, Orange County, NC; † 29. Juni 1987 in Syracuse, New York) war eine US-amerikanische Folk- und Blues-Musikerin. Einem weiteren Publikum wurde sie erst im Alter von weit über 60 Jahren bekannt. Die Songs der Grammy-Gewinnerin wurden von so bekannten Bands und Musikern wie Pete Seeger, Peter, Paul and Mary und Grateful Dead aufgenommen. Ihr Stück Ain't Got No Honey Baby Now wurde 1940 von Blind Boy Fuller als Lost Lover Blues eingespielt.

Leben

Geburtsjahr und -tag sind umstritten, manche Quellen geben 1892 oder 1893 an oder einen anderen Tag im Januar. Als Kind brachte sich Elizabeth Cotten zunächst das Spielen auf dem Banjo, dann auf der Gitarre selbst bei. Dabei hielt sie als Linkshänderin die Instrumente „verkehrt“ herum. Hieraus resultierte ihre einzigartige, nach ihr selbst als Cotten picking oder Cotten style benannte Gitarrentechnik, bei der beim Fingerpicking die Melodie auf den hohen Saiten mit dem Daumen und der Wechselbass auf den tiefen Saiten mit dem Zeigefinger gespielt wird.

Elizabeth Cotten wird nachgesagt, dass sie Lieder nachspielen konnte, nachdem sie diese einmal gehört hatte. Ihr bekanntestes Stück, Freight Train, soll sie im Alter von 12 Jahren geschrieben haben.

Mit 11 verließ sie die Schule, um als Hausmädchen zu arbeiten. Vom selbstverdienten Geld kaufte sie ihre erste eigene Gitarre. Sie musizierte auf Partys und Festen. Am 7. November 1910, im Alter von knapp 18 Jahren (ausgehend vom Geburtsdatum 5. Januar 1893), heiratete sie Frank Cotten.

Elizabeth Cotten gab die Musik fast vollständig auf. Die Familie zog mehrfach um, u. a. nach New York und Washington, D.C. Die Ehe mit ihrem Mann wurde 1940 geschieden, und sie zog zur Familie ihrer Tochter Lillie.

Mitte der 1940er lernte sie Ruth Crawford Seeger kennen, als sie deren Tochter zurückbrachte, die sich verlaufen hatte. Elizabeth arbeitete schließlich bei den Seegers, einer sehr musikalischen Familie, wo sie sich um die Kinder Mike, Pete und Peggy kümmerte.

Durch Zufall wurde Elizabeths musikalisches Talent entdeckt. 1957 produzierte Mike Seeger ihr erstes Album, Negro Folk Songs and Tunes, das später als Freight Train and other North Carolina Folk Songs neu veröffentlicht wurde. Ab 1960 trat sie vor Publikum auf, meist mit Mike Seeger. Mittlerweile war sie 65 bis 68 Jahre alt, je nach Geburtsjahr.

Elizabeth Cotten profitierte vom Folk- und Blues-Revival der 1960er. 1963 spielte sie auf dem ersten Philadelphia Folk Festival, 1964 auf dem Newport Folk Festival. Sie trat mit Blues-Größen, wie Mississippi John Hurt, John Lee Hooker und Muddy Waters, auf, gab aber auch eigene Konzerte.

1967 erschien ihr zweites Album, Shake Sugaree.

Später lebte Elizabeth Cotten in Syracuse im Bundesstaat New York, wo sie 1987 verstarb, vermutlich 92 Jahre alt. Sie war bis zuletzt aufgetreten.

Auszeichnungen

Diskografie

Videos und DVDs

Literatur

Commons: Elizabeth Cotten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Bob Eagle, Eric S. LeBlanc, (2013). Blues: A Regional Experience. Praeger, Santa Barbara (California), ISBN 978-0-313-34423-7, S. 278
  2. ↑ Das Geburtsjahr 1895 nach Russell, Tony: „Elizabeth Cotten (1895–1987)“, in ders.: The Blues: From Robert Johnson to Robert Cray, Schirmer Books, New York 1997, S. 102.
  3. ↑ Anita Mellmer: Fingerpicking / Fingerstyle. Mehr als nur Lagerfeuercontinuo? In: Nachklänge. Ein Sammelband mit Beiträgen aus an der Universität Mozarteum Salzburg eingereichten Dissertationen. Hrsg. von der Curricularkommission für das Wissenschaftliche Doktoratsstudium an der Universität Mozarteum Salzburg. Holitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-606-6, S. 109–120, S. 110 (als Vorschau online bei Google Books).
  4. ↑ In der Heiratsurkunde (hinter Bezahlschranke bei Ancestry) wird freilich ein Alter von 20 Jahren angegeben.
  5. 1 2 Reggie Seigler: Opera Tells Story of Syracuse’s ‘First Living Treasure’ Libba Cotten. In: mysouthsidestand.com. Abgerufen am 24. März 2023.
  6. ↑ Elisabeth Cotten. In: arts.gov. Abgerufen am 24. März 2023.
  7. ↑ Elizabeth Cotten – Live! bei Discogs, abgerufen am 24. März 2023.
  8. ↑ Brian Lanker: I Dream a World: Portraits of Black Women Who Changed America. Photographs and Interviews. Stewart, Tabori & Chang, New York 1989.
  9. ↑ Elisabeth Cotten. In: folkways.si.edu. Abgerufen am 24. März 2023.
  10. ↑ Fotoporträt Langers von 1987: Elisabeth Cotten. In: npg.si.edu. Abgerufen am 24. März 2023.
  11. ↑ Elisabeth Cotten. In: nc.markers.com. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 8. Januar 2021; abgerufen am 24. März 2023.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  12. ↑ Elisabeth Cotten. In: rockhall.com. Abgerufen am 24. März 2023.