Elizabeth Newson (geb. Elizabeth Ann Palmer; * 8. April 1929 in Highgate; † 6. Februar 2014) war eine britische Entwicklungspsychologin und emeritierte Professorin der University of Nottingham.
Sie wurde als Tochter von Mary und Richard Palmer im Norden Londons geboren und war das älteste von vier Kindern. Ihre Eltern waren überzeugte Sozialisten und nahmen ein jüdisches Mädchen auf, das aus Deutschland in Sicherheit gebracht worden war; auch gewährten sie später deren Eltern, die 1939 vor den Nationalsozialisten geflohen waren, ein Zuhause. Während des Zweiten Weltkriegs lebte die Familie in einem abgelegenen Cottage am Horseshoe Pass in Nordwales und später in Bristol, bevor sie nach Dulwich im Südosten Londons zurückkehrte.
Sie studierte Psychologie am University College London, wo sie ihren späteren Ehemann John Newson kennenlernte. Nach ihrer Hochzeit zogen sie nach Nottingham, wo er eine Dozentenstelle annahm. Anschließend begannen sie eine Reihe von gemeinsamen Forschungstätigkeiten, die 1967 dazu führten, dass beide an der Universität Nottingham die Leitung der Child Development Research Unit übernahmen. Ihr Arbeitsschwerpunkt lag auf Kindheit und Kindererziehung, insbesondere auf Spielzeug und spielerischem Lernen sowie dem Studium den Bedürfnissen von Kindern mit Erkrankungen wie Autismus. In seiner Werkstatt fertigte John Newson Holzspielzeug an, das später die Inspiration für die Early Learning Centres lieferte, bei denen er als beratender Kinderpsychologe engagiert worden war. Ab 1970 konzentrierte sich die Einrichtung auf die Ausbildung von Schul- und klinischen Psychologen und sie entwickelten ein wachsendes Interesse an Behinderungen im Kindesalter. Dabei rückte das Thema Autismus zunehmend in den Fokus ihrer Arbeit, beeinflusst unter anderem durch ihre Erfahrungen als Mutter eines Sohnes mit Asperger-Syndrom. 1994 wurde sie zur Professorin für Entwicklungspsychologie an der Universität Nottingham ernannt; sie widmete ihre Antrittsvorlesung dem Pathological Demand Avoidance (PDA) (dt. pathologische Anforderungsvermeidung), einem von ihr identifizierten Subtyp des Autismus, der durch die Vermeidung alltäglicher Lebensanforderungen gekennzeichnet ist. 1994 wurde sie Emeritus-Professorin.
In ihrer Heimatregion engagierte sie sich für Norsaca, eine in Nottingham ansässige Wohltätigkeitsorganisation für Menschen mit Autismus. Sie war 1970 maßgeblich an der Gründung von Sutherland House beteiligt, einer Schule für Kinder mit Autismus an mehreren Standorten in Nottinghamshire und sie blieb bis 2003 der Schule als Beraterin verbunden. In ihrer „Karriere im Ruhestand“ konzentrierte sie sich auf die Umwandlung der universitären Klinik in einen diagnostischen Dienst, der an Sutherland House angegliedert war, daraus entstand später das Elizabeth Newson Centre.
1958 begannen John und Elizabeth Newson in Nottingham ihre Längsschnittstudie zur Kindererziehung in 700 Familien. Beeinflusst von ihrem Interesse an der Anthropologie, entwickelten sie einen naturalistischen Ansatz, indem sie halbstrukturierte Interviews führten und mit den Teilnehmenden in Dialog traten. Sie leiteten ein Team von Psychologen, die Mütter von 12 Monate alten Babys befragten und diese erneut aufsuchten, als die Kinder 4, 7, 11, 16 und 19 Jahre alt waren. Dabei sammelten sie umfangreiche Informationen über Erziehungspraktiken und untersuchten die emotionalen und sozialen Aspekte im Leben der Kinder während ihrer Entwicklung. Dabei stellten sie etablierte Lehrmeinungen ihres Berufsstandes infrage, indem sie die Bedeutung der Beobachtung spielender Kinder und der Einbeziehung der Eltern in die Verhaltensbeurteilung hervorhoben. Sie lehnte standardisierte Tests ab und bevorzugte es, spielende Kinder zu beobachten und gleichzeitig Gespräche mit den Eltern zu führen, die sie als Teil des Beurteilungsteams betrachtete. Ihre Methoden, die auf ihrer tiefen Überzeugung vom Wert der Elternpartnerschaft und einem ganzheitlichen Ansatz in Diagnose und Intervention beruhten, wurden schließlich gängige Praxis. Die Studie soll von anderen 2019 fortgesetzt werden. Ihre auf diesen Studien basierenden Werke wurden zu Standardwerken für Studierende der Sozialen Arbeit und Psychologie; einige ihrer Ergebnisse sind erst post mortem veröffentlicht worden.
Als Entwicklungspsychologin hat sie wichtige Fortschritte in der Autismusforschung erzielt. 1980 schlug sie den Begriff der Pathological Demand Avoidance (PDA) vor, um eine mögliche Subform der Autismusstörung zu kennzeichnen. Solche Kinder zeigten zwar Ähnlichkeiten mit Autismus, aber auch eine „zwanghafte Vermeidung alltäglicher Anforderungen“. In den 1990er Jahren beschrieb sie diese Kinder als gekennzeichnet durch einen Widerstand gegen Anforderungen, nicht unbedingt durch Wutanfälle, sondern oft durch sozial strategisches Verhalten und mit einem starken Kontrollbedürfnis, das mit hoher Angst verbunden war. Diese Tendenzen können bis ins Erwachsenenalter anhalten. Allerdings gibt es keine etablierten und allgemein anerkannten Diagnosekriterien für PDA und die Diagnose ist weder im DSM noch in der ICD enthalten.
Ihren späteren Ehemann John Newson († 2010) lernte sie am University College London kennen. Sie heirateten im Sommer 1951 und bekamen 1955 ihr erstes Kind, Roger, der an einem Subtyp des Autismus litt und ihr Interesse an dieser Erkrankung wesentlich beeinflusst hat. Später kamen noch die Tochter Carey and Jo hinzu; alle drei überlebten ihre Eltern.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Newson, Elizabeth |
| ALTERNATIVNAMEN | Palmer, Elizabeth Ann (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | britische Kinderpsychologin und Professorin |
| GEBURTSDATUM | 8. April 1929 |
| GEBURTSORT | Highgate |
| STERBEDATUM | 6. Februar 2014 |