Ellen Fullman (* 17. Juni 1957 in Memphis) ist eine amerikanische Komponistin, die insbesondere als Erfinderin und Interpretin der Saiteninstallation „Long String Instrument“ bekannt wurde.
Fullman studierte Bildhauerei am Kansas City Art Institute. Dort begann sie bereits, Klang in ihre Werke zu integrieren, zunächst durch die Manipulation von Magnetbändern. Ihr Interesse an Musik begann mit der Erforschung der Resonanzen von Alltagsgegenständen, welche durch Kontaktmikrofone verstärkt wurden. Ihr erstes großes Werk war die Metal Skirt Sound Sculpture (1980), eine Assemblage aus verstärkten Gitarrensaiten, die zwischen den Schuhen der Künstlerin und einem plissierten Metallrock gespannt waren. Indirekt beeinflusst von Alvin Luciers Music on a Long Thin Wire (1977) begann sie 1980 mit langen Drähten zu experimentieren und gab im November 1981 in der Walker Art Gallery in Minneapolis die erste öffentliche Aufführung auf einem Prototyp des von ihr entwickelten „Long String Instrument“, bei dem die Saiten so lang ist, dass die auf ihnen erzeugte transversalen Grundwellen unterhalb dessen liegen, was Menschen als Ton hören können. Zunächst befestigte sie ein langes Drahtseil an einem Farbtopf, der mit Wasser gefüllt war und erzeugte Klänge mit einem Geigenbogen. Dann entdeckte sie das obertönige Klangspektrum, das entstand, wenn sie ihn mit den Händen bespielte.
Nach ihrem Umzug nach New York City, wo Fullman tontechnische Kenntnisse über den longitudinalen Modus von Vibrationen erwarb, schuf sie ähnliche Instrumente, auch mit mehreren und sogar mit vielen Saiten. Auch ersetzte sie die zunächst verwendeten Stahlsaiten durch andere Metalle (z. B. Messingdraht) und erzeugte einen fast orchestralen Klang. Sie ging dazu über, die Räume in ihre Aufführungen mit einzubeziehen. Bei den Donaueschinger Musiktagen 1998 nutzte sie einen früheren Pferdestall. Dort wurden etwa 100 Saiten verwendet, welche in Hüfthöhe auf 30 Meter befestigt waren und in reine Stimmung gebracht wurden. Das „Long String Instrument“ spielten dort drei Personen, die, während sie sich bewegten, mit ihren mit Kolophonium eingefetteten Fingerspitzen über die Saiten strichen. „Durch die (physischen) Ausmaße des Instrumentes und die Art, wie die Obertöne mit dem Raum wechselwirken, verwandelt sich der gesamte Raum in ein gigantisches Musikinstrument.“ Dabei war Fullman „daran interessiert, die Aufmerksamkeit von den gespielten Grundfrequenzen auf die sich ergebenden Obertöne zu lenken und zu den melodischen Wechselwirkungen, wenn verschiedene Tonhöhen gleichzeitig gespielt werden.“ Auch betrachte sie ihre „Stücke als Landschaften, die sich transformieren. Meine Intention ist es, einen Raum für Zuhörer zu schaffen, um dort in den Stimmungen der verschiedenen Tonhöhenverhältnissen unterzutauchen.“
Für ihre Kompositionen entwickelte Fullman ferner eine Notation, die die Artikulation und die Position entlang der Saitenlänge angibt. Fullman hat das „Long String Instrument“ an zahlreichen Orten in den USA und Europa installiert und vorgeführt.
Fullman machte seit 1985 zahlreiche Aufnahmen mit diesem ungewöhnlichen Instrument. Eine weitere ihrer Erfindungen ist die „Water Drip Drum“, bei der winzige Ventile das rhythmische Tropfen von Wasser auf eine mit einem Verstärker verbundene Metallpfanne steuern. Auch arbeitete sie mit Künstlerinnen wie Pauline Oliveros, Frances-Marie Uitti, Okkyung Lee und dem Kronos Quartet zusammen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fullman, Ellen |
| KURZBESCHREIBUNG | amerikanische Komponistin (Long String Instrument) |
| GEBURTSDATUM | 17. Juni 1957 |
| GEBURTSORT | Memphis (Tennessee) |