Ellen Kate Limouzin

Ellen Kate Limouzin, verheiratete Limouzin-Adam, mit Bühnennamen Elaine Limouzin, als Autorin E.K.L. (* 27. Oktober 1870 in Mawlamyaing, Burma; † 21. Juni 1950) war eine französisch-britische Suffragette, Sozialistin, Music Hall-Schauspielerin, Autorin und Esperanto-Sprecherin. Sie war die Tante („Nellie“ oder „Hélène“) von George Orwell, den sie insbesondere bei seiner Rückkehr nach Paris 1928 zu seiner literarischen Karriere ermunterte und den sie finanziell und sozial unterstützte.

Leben

Limouzin war die Tochter von Francis Matthew Limouzin (1833–1915) und seiner zweiten Frau, Theresa Catherine, geborene Halliley (1843–1925). Die Familie war halb französisch, halb englisch und lebte in Burma, wo sie ihre Kindheit verbrachte. Sie hatte zwei ältere Halbgeschwister aus der ersten Ehe des Vaters, zwei ältere Brüder, Charles William (* 1868) und Frank Edmond (* 1869) und eine jüngere Schwester, Ida Mabel Blair (1875–1943), die Mutter von Eric Arthur Blair, besser bekannt als George Orwell.

Nach dem Umzug von Burma nach Großbritannien besuchten Limouzin und ihre Schwestern ab September 1886 die Bedford High School for Girls.

Limouzins Persönlichkeit wird wahlweise als exzentrisch, unkonventionell und radikal beschrieben.

In London führte sie einen literarischen Salon. Als 1916 neue Ausgaben von Elizabeth Gaskells Cranford und George Eliots Scenes of Clerical Life bei der Oxford University Press erschienen, verfasste Limouzin die einleitenden Anmerkungen. Darüber hinaus hatte sie eine Karriere als Schauspielerin in den Music Halls, wobei sie den Künstlernamen „Elaine Limouzin“ verwendete. Sie trat in Vaudeville‑Darbietungen und komödiantischen feministischen Theaterstücken auf.

Limouzin pflegte Freundschaften mit zahlreichen englischen Linken, Schriftstellern und Aktivisten, darunter Edith Nesbit, Conrad Noel, Emmeline und Sylvia Pankhurst sowie Francis und Myfanwy Westrope. Es existiert ein undatiertes Foto von ihr mit den Schwestern Pankhurst, aufgenommen in den 1900er Jahren am Thames Embankment in London.

Limouzin unterstützte die Kampagne für das Frauenwahlrecht und nahm an Wahlrechtsversammlungen teil. Sie kettete sich während Wahlrechtsprotesten an Geländer und wurde wegen ihres militanten Aktivismus verhaftet und inhaftiert. Sie war an der Actresses’ Franchise League beteiligt, der Frauenwahlrechtsorganisation, die für alle Frauen offenstand, die im Theaterberuf tätig waren oder gewesen waren. Außerdem war sie Mitglied der Fabian Society.

Limouzin erlernte die Plansprache Esperanto Sie trat der linksgerichteten anationalen Esperanto-Organisation Sennacieca Asocio Tutmonda (SAT) unmittelbar nach deren Gründung 1921 bei. Sie lernte den Gründer der Organisation, Eugène Adam, besser bekannt als Eugène Lanti, kennen, als beide 1923 an Sitzungen der kommunistischen Fraktion während des 3. SAT‑Kongresses in Kassel teilnahmen. Wie Limouzin war auch Lanti ein überzeugter Kommunist und er war 1917 während der Russischen Revolution als in Sankt Petersburg aktiv gewesen. Das Paar lebte spätestens ab 1926 zusammen und heiratete 1931 in Paris. Während ihres Zusammenlebens in Paris in der Zeit der Années folles verfasste Limouzin Beiträge für radikale politische Zeitschriften, schrieb Leserbriefe und Artikel auf Esperanto unter dem Pseudonym „E. K. L.“

Anfang 1928 zog Limouzins Neffe George Orwell von Burma ebenfalls nach Paris. Sie förderte seine literarische Laufbahn, unterstützte ihn gesellschaftlich und finanziell und versorgte ihn mit Mahlzeiten, während er schrieb. Orwell lernte durch sie Mitglieder der französischen Intelligenz kennen, darunter Henri Barbusse. Diese Kontakte führten zu Orwells ersten veröffentlichten Schriften. Als Orwell seine Tante und deren späteren Ehemann Lanti besuchte, unterhielt sich das Paar zu Hause auf Esperanto, da Lanti sich weigerte, Französisch zu sprechen. Orwell litt darunter, nicht mitreden zu können, und entwickelte eine starke Abneigung gegen die Sprache. Einige Orwell‑Forscher haben vorgeschlagen, dass dies der Grund sei, weshalb er Elemente des Esperanto in die von ihm geschaffene Sprache „Neusprech“ in seinem antitotalitären Roman „1984“ aufnahm.

Als Orwell nach England zurückkehrte, half Limouzin ihrem Neffen, eine Teilzeitstelle bei Booklovers’ Corner in Hampstead zu finden, einem Antiquariat, das ihren Freunden, den Westropes, gehörte.

Lanti starb 1947 in Mexiko durch Suizid und hinterließ eine Notiz, in der er seine Hinterbliebenen bat, den französischen Konsul zu benachrichtigen und 750 Pesos an Limouzin als „meine rechtmäßige Ehefrau“ zu senden. Limouzin selbst starb 1950 an einer Blutung in einem Hirntumor.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Masha Karp: George Orwell and Russia. Bloomsbury Publishing, London 2023, ISBN 978-1-78831-714-6, S. 4 f., 7 f. (englisch, Google Books).
  2. 1 2 Peter Duby: Elaine Limouzin. Theatricalia, abgerufen am 6. März 2026 (englisch).
  3. ↑ Darcy Moore: Orwell & Bedford. Private Website, 25. Mai 2024, abgerufen am 6. März 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 John Newsinger: 2+2. International Socialism, 26. Juni 2024, abgerufen am 6. März 2026 (englisch).
  5. 1 2 3 4 Darcy Moore: Orwell's Family: Aunt Nellie. Private Website, 24. Januar 2024, abgerufen am 6. März 2026 (englisch).
  6. 1 2 Darcy Moore: Orwell’s Aunt Nellie. In: George Orwell Studies. Band 4, Nr. 2, 2020, S. 30–44 (englisch, Online).
  7. ↑ Jeffrey Meyers: Orwell: Life and Art. University of Illinois Press, Champaign, IL 2010, ISBN 978-0-252-09022-6, S. 50 (englisch, Google Books).
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  10. 1 2 Matthew Haley: At Bonhams: Orwell's Copy of «Keep the Aspidistra Flying» Presented to a Bookseller. Fine Books Magazine, 1. März 2017, abgerufen am 6. März 2026 (englisch).
  11. 1 2 Esther Schor: Bridge of Words: Esperanto and the Dream of a Universal Language. Macmillan, London 2016, ISBN 978-1-4299-4341-3 (englisch).
  12. ↑ James McElvenny: Language and Meaning in the Age of Modernism: C.K. Ogden and His Contemporaries. Edinburgh University Press, Edinburgh 2018, ISBN 978-1-4744-2504-9, S. 105 (englisch, Google Books).
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  14. ↑ John Newsinger: Orwell’s Politics. Springer, London 1999, ISBN 978-0-333-98360-7, S. 21 (englisch, Google Books).
  15. ↑ Anne-Sophie Markov: Le Mouvement International des Travailleurs Espėrantistes 1918–1939. Magisterarbeit, Université de Versailles, Saint-Quentin-en-Yvelines 1999, S. 113 f. (französisch).
  16. ↑ John Edwards: Sociolinguistics: A Very Short Introduction. Oxford University Press, Oxford 2013, ISBN 978-0-19-985861-3, S. 94 (englisch, Google Books).
  17. ↑ Toño: Biografio de Lanti, la sennaciisto. Private Website, abgerufen am 6. März 2026 (Esperanto).
  18. ↑ Ken McGoogan: Shadows of Tyranny: Defending Democracy in an Age of Dictatorship. Douglas & McIntyre, Vancouver, TO, ISBN 978-1-77162-425-1 (englisch, Google Books).
  19. ↑ Mark Connelly: George Orwell: A Literary Companion. McFarland & Company, Jefferson, NC 2018, ISBN 978-1-4766-6677-8, S. 8 (englisch, Google Books).
  20. ↑ Ann Kronbergs: Re-examining? In: Orwell Society Archive. The Orwell Society, 8. Februar 2020, abgerufen am 6. März 2026 (englisch).
  21. ↑ Stephen Ingle: The Social and Political Thought of George Orwell: A Reassessment. Routledge, London 2006, ISBN 978-1-134-24776-9 (englisch, Google Books).
  22. ↑ John Rodden und John Rossi: The Cambridge Introduction to George Orwell. Cambridge University Press, Cambridge 2012, ISBN 978-0-521-76923-5, S. 12 (englisch, Google Books).
  23. ↑ Roberto Garvia: Esperanto and Its Rivals: The Struggle for an International Language. University of Pennsylvania Press, Philadelphia, PA 2015, ISBN 978-0-8122-9127-8, S. 1 (englisch, Google Books).
  24. ↑ Notes about Esperanto Literature: original and translated, fiction and non-fiction. In: Esperanto literature. Esperanto Boutique, abgerufen am 6. März 2026 (englisch).
  25. ↑ Maryam Borjian: Language and Globalization: An Autoethnographic Approach. Taylor & Francis, London 2017, ISBN 978-1-315-39461-9, S. 155 (englisch, Google Books).
  26. ↑ Andrzej Wicher: A comparison between the concept of Newspeak in George Orwell's Nineteen Eighty-Four: A Novel and the way of thinking about language in C.S. Lewis's That Hideous Strength. In: Acta Universitatis Lodziensis Folia Litteraria Polonica. Band 58, Nr. 3, September 2020, S. 477–498, doi:10.18778/1505-9057.58.25 (englisch).
Personendaten
NAME Limouzin, Ellen Kate
ALTERNATIVNAMEN Limouzin-Adam, Ellen Kate; Limouzin, Elaine (Pseudonym); E.K.L. (Pseudonym)
KURZBESCHREIBUNG französisch-britische Suffragette, Sozialistin, Schauspielerin und Autorin
GEBURTSDATUM 27. Oktober 1870
GEBURTSORT Mawlamyaing, Burma, Britisches Weltreich
STERBEDATUM 21. Juni 1950