Elli Johanna Anna Heesch (* 4. April 1904 in Schleswig; † 18. September 1993 in Bonn) war eine deutsche Mathematikerin und Logikerin, Technik-Pionierin, Gymnasialdirektorin und Ordensfrau. Sie war Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse.
Elli Johanna Anna Heesch wurde am 4. April 1904 in Schleswig als zweites Kind der Eheleute Peter Heinrich und Bertha Heesch, geb. Herzer, geboren. Der Vater war Militärmusiker, die Mutter ausgebildete Sängerin.
In dem nicht akademischen und nicht begüterten Elternhaus fanden regelmäßig Hauskonzerte statt, oft mit Professoren der Universität Kiel am Klavier und Bruder Heinrich Heesch (1906–1995) als Geiger. Er hatte ein Meister-Examen für Violine an der Münchner Hochschule für Musik abgelegt und war ein bekannter Mathematiker und Kristallograph. Die ältere Schwester Käthe starb nach langer Krankheit im frühen Erwachsenenalter.
Ihre Schulzeit verbrachte Elli Heesch in Kiel. Dort erhielt sie 1919 vom Preußischen Kultusministerium die Sondergenehmigung, eine Oberrealschule für Knaben zu besuchen und 1922 die Abiturprüfung abzulegen.
Elli Heesch nahm 1922 an der Universität Kiel ein Studium der Mathematik (Ernst Steinitz), Physik (Otto Toeplitz) und Philosophie (Heinrich Scholz) auf. Anschließend arbeitete sie an den Universitäten Innsbruck, Köln und München.
An der Universität Münster promovierte sie 1933 „summa cum laude“ mit der Dissertation Grundzüge der Bolzano’schen Wissenschaftslehre im Hauptfach Philosophie mit den Nebenfächern Mathematik und Physik. Die Dissertation fand in der zeitgenössischen Fachwelt große Beachtung, wurde 1935 im Philosophisches Jahrbuch veröffentlicht und prominent zitiert, z. B. in Jan Bochenskis Standardwerk Formale Logik.
An der Universität Tübingen wurde Elli Heesch die Gelegenheit zu einer Habilitation in Aussicht gestellt. Dort musste sie jedoch erfahren, dass die Habilitation „einer Dame“ im Fach Philosophie „fast ausgeschlossen“ wäre – in Tübingen gänzlich. Wegen ihrer herausragenden Leistungen nährten aber immer wieder Professoren wie der österreichische Philosoph Alfred Kastil (1874–1950) neue Hoffnungen auf eine Habilitation. Sie empfahlen Elli Heesch weiter an Kollegen im In- und Ausland.
Dies führte sie an die Universitäten Innsbruck, Prag und Warschau, wo sie mit dem polnischen Philosophen, Mathematiker und Logiker Jan Łukasiewicz (1878–1956) zusammenarbeitete. Arbeitskontakte bestanden auch zu führenden Mitgliedern des Wiener Kreises. Dieser baute auf den Werten der Aufklärung auf und strebte eine wissenschaftliche Grundlegung der Philosophie mithilfe der Logik an. Jahrelang kooperierte Elli Heesch hierzu mit Exponenten dieses Kreises wie dem österreichischen Nationalökonomen und Wissenschaftstheoretiker Otto Neurath (1882–1945). Auch arbeitete sie für Rudolf Carnap (1891–1970), einen der Hauptvertreter des Logischen Empirismus.
Doch gab es für eine Frau ohne Vermögen keine Chance auf eine akademische Laufbahn in dieser Fachrichtung; Elli Heesch musste ihre Habilitationspläne aufgeben. „Wenn ich einige 1000 Mark Rückhalt hätte“, schrieb sie an ihren Bruder, hätte sie Chancen auf eine Habilitation in Prag. Aber die nötigen Mittel waren nicht vorhanden. Wissenschaftliche Tätigkeiten an Lehrstühlen erfolgten meist unentgeltlich – so auch „natürlich unbezahlt“ – für Rudolf Carnap.
Vom ersten Semester an hatte Elli Heesch – neben ihrem Hauptstudium in Mathematik, Physik und Philosophie – eine schulpädagogische Ausbildung absolviert. Sie erhielt schon 1923 das Oberschullehrerinnenzeugnis. Es folgten 1928 – „mit Auszeichnung“ – die wissenschaftliche Prüfung für das Lehramt an Höheren Schulen für Mathematik, Physik und Philosophie und 1930 das Assessorexamen, ebenfalls „mit Auszeichnung“.
Daran schloss sich ein Schuldienst an, unterbrochen durch Beurlaubungen für wissenschaftliche Projekte, jedoch von 1937 bis 1946 durchgehend.
Dadurch konnte Elli Heesch auch ihren Bruder unterstützen: Der hatte seine Assistentenstelle zur Habilitation an der Universität Göttingen verloren, nachdem er sich 1935 geweigert hatte, dem Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbund beizutreten. Die Geschwister waren solidarisch und forschten gemeinsam neben Ellis Schuldienst weiter – jahrelang in prekären finanziellen Verhältnissen.
Elli Heesch lenkte in dieser schwierigen Zeit das Interesse ihres Bruders auf wirtschaftsrelevante Anwendungen ihrer mathematischen Grundlagenforschung. Gemeinsam entwickelten sie das System einer Flächenteilung und eine Anwendung zum Werkstoff- und Arbeitssparen.
Dies war der erste Schritt in eine automatisch gesteuerte Fertigungsindustrie von Parkettierungen, dem sog. „Heesch-Verfahren“. Es ermöglichte erstmals eine ökonomisch optimale Abdeckung von Flächen aus Einzel-Elementen wie Fliesen, Kacheln oder Metallteilen. Jahrelang versuchten die Geschwister, u. a. beim Reichspatentamt, dies zum Patent anzumelden, jedoch erfolglos. Selbst mithilfe von Anwaltskanzleien gelang dies nicht, weder im Inland noch im Ausland. Die Industrie indessen nutzte rege ihre Erfindung.
Die Erfindung der Geschwister wurde u. a. von der Firma Siemens für die Telefon-Produktion verwendet, von den Messerschmitt-Flugzeugwerken für Metallverarbeitung, von Villeroy & Boch für das Dach des „Stadthauses“ von Göttingen.
Die Erfinder gingen finanziell nahezu leer aus; Heinrich Heesch wurde vom Wehrdienst freigestellt, um die neue Technik in einer bayerischen Maschinenbaufabrik einzuführen.
Die gemeinsame Vorlage der Geschwister und des Fabrikdirektors zu der technischen Innovation erhielt vom zuständigen Hauptausschuss Maschinen und Apparate beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion den persönlichen Vermerk „V e r t r a u l i c h! Nicht zur anderweitigen Veröffentlichung, auch nicht zur Besprechung in der Presse bestimmt!“. Damit war die weitere Kommunikation der Erfindung blockiert. Das Dokument befindet sich im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde.
Nach dem Krieg wurde der Anteil von Elli Heesch an der Erfindung nicht mehr thematisiert und diese nur noch unter dem Namen Heinrich Heesch genannt.
Elli Heesch war 1924 vom protestantischen zum katholischen Glauben konvertiert, wie später auch ihr Bruder. 1946 trat sie in den weltweit engagierten Frauenorden Sacré-Cœur ein. Dieser war nach der Französischen Revolution von der Französin Sophie Barat (1779–1865) gegründet worden, um in der Gesellschaft eine neue Wertebasis durch Erziehung zu fördern.
Der Orden beauftragte Elli Heesch 1951, in Hamburg den Sacré-Cœur-Orden neu zu begründen. 1952 entstand hier das staatlich anerkannte Sacré-Cœur-Gymnasium für Mädchen, die Sophie-Barat-Schule. „Mutter Heesch“ (Ordensname) leitete die Schule als Gymnasialdirektorin von 1957 bis 1969 und richtete in dem neusprachlichen Gymnasium 1962 zusätzlich einen naturwissenschaftlichen Zweig ein. Sie prägte maßgeblich das intellektuelle Profil der Schule und führte sie in die leistungsmäßige Spitzengruppe der Hamburger Gymnasien.
Mit 68 Jahren nahm Elli Heesch auf Anregung von Ursula Lehr (damals Professorin an der Universität Bonn, später Bundesfamilienministerin) ein Studium der Gerontologie auf. Sie studierte an den Universitäten Bonn, Heidelberg, Princeton und Washington D.C.
Bis an ihr Lebensende warb sie in öffentlichen Vorträgen für ein neues, ressourcenorientiertes Verständnis von Aktivem Altern und für eine aktivierende Politik. Damit war sie ihrer Zeit weit voraus: 20 Jahre nach ihrem Tod setzte sich im Kontext des demographischen Wandels europaweit durch, dass aktives Altern in die politische Agenda der einzelnen Staaten aufgenommen wurde. Der Europäische Rat erklärte das Jahr 2012 zum Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität der Generationen.
Elli Heesch erhielt 1993 im Alter von 89 Jahren das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Heesch, Elli |
| ALTERNATIVNAMEN | Heesch, Elli Johanna Anna |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Philosophin und Mathematikerin |
| GEBURTSDATUM | 4. April 1904 |
| GEBURTSORT | Schleswig |
| STERBEDATUM | 18. September 1993 |
| STERBEORT | Bonn |