Betty Elisabeth (Elsa) Fraenkel oder Else Fraenkel (geborene Rothschild, ab 1947 Elizabeth Dane, geboren am 25. August 1892 in Bensheim; gestorben am 13. Juni 1975 in Bangalore, Indien) war eine deutsch-britische Bildhauerin.
Else Rothschild wurde am 25. August 1892 in Bensheim als Tochter von Emanuel Rothschild (1861–1924) und seiner Frau Rosa Hirsch (1869–1896) in eine wohlhabende jüdische Familie hineingeboren. Ihre Mutter starb, als Else vier Jahre alt war. Ihr Vater heiratete ein Jahr später die Schwester seiner verstorbenen Frau, Ida Hirsch (1876–1947). Aus beiden Ehen hatte er sechs Kinder.
Ihre Eltern förderten Elses künstlerisches Interesse früh. Schon im Alter von 16 Jahren nahm sie Zeichenunterricht in Brüssel und besuchte kunstgeschichtliche Vorlesungen an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Später studierte Rothschild an der Kunstakademie Karlsruhe Zeichnen bei Friedrich Fehr und Bildhauerei bei Hermann Föry. Sie heiratete 1918 den Juristen Georg Fraenkel, zog nach Hannover und bekam zwei Kinder, den Sohn Wolfgang Fraenkel und die Tochter Marianne Renate Fraenkel.
Fraenkel spezialisierte sich auf die Porträtplastik und stellte ihre Werke in ganz Deutschland aus. In Hannover schloss sie sich dem Kreis um den Dadaisten Kurt Schwitters an. Er widmete ihr als „Frau Fränkel“ eine Collage, in der das Wort „PARIS“ eingearbeitet war.
Ab Mitte der 1920er Jahre pendelte sie zwischen Hannover und Paris, wo sie ein Atelier hatte. Dort studierte sie bei Jacques Loutchansky (1876–1978) und hatte Kontakt zu anderen Bildhauern wie Constantin Brâncuși, Aristide Maillol, Charles Despiau und Fernand Léger. Mit dem Maler Piet Mondrian korrespondierte sie. Sie besuchte den Louvre und studierte dort die antike Kunst, die sie genauso beeinflusste wie Despiau. Fraenkel schuf ihre Werke in Bronze, Zinn und Silber. Ihre Frauenmaske wurde vom Künstlerinnenverband Bremen der GEDOK gezeigt und danach im Oktober 1931 auf dem Titelblatt der Zeitschrift Kunst und Mode abgebildet. Im folgenden Jahr wurde sie in der Berliner Galerie von Alfred Flechtheim im Rahmen der Ausstellung „Junge Künstler“ gezeigt. Mit Karl Schmidt-Rottluff hatte sie eine Ausstellung bei der avantgardistischen Gesellschaft der Freunde junger Kunst in Braunschweig.
Die Nationalsozialisten lösten 1933 die Gesellschaft der Freunde junger Kunst auf. Einige der Werke, darunter auch Fraenkels Werk Kopf eines Chinesen, auch Chungsen Chou genannt, wurden dem Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig übereignet.
Fraenkel ließ sich 1933 von Georg Fraenkel scheiden und zog nach Paris. 1935 emigrierte sie mit ihrem Sohn nach London, um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen. Dort studierte sie Bildhauerei an der Central School of Arts and Crafts. Finanziell wurde sie von ihrer Stiefmutter unterstützt, ihr Vater war bereits 1924 verstorben. Ihre Stiefmutter und ihre Tochter emigrierten im Jahr 1938 ebenfalls, gemeinsam richteten sie sich eine Wohnung am Charlbert Court in St John’s Wood ein. Dort hatte sie auch ein Atelier. Zu anderen Emigranten hatte sie weiterhin Kontakt und schuf eine Büste von Anna Schwab, die dem German Jewish Aid Committee angehörte. Auf Anraten ihrer Bekannten nannte sie sich nun „Elsa“ Fraenkel.
1935 konnte sie sechs Werke in den Leicester Galleries ausstellen und 1936 zeigte sie Chungsen Chou bei der Sommerausstellung der Royal Academy. Zudem beteiligte Fraenkel sich an der jährlichen offenen Ausstellung der Ben-Uri-Galerie. Für die Galerie fertigte sie ein Porträt von Sir Moses Gaster, dem Oberrabbiner der sephardischen Gemeinde. Sie stellte ihr Werk Young Frenchman an der Royal Scottish Academy aus. Das Werk Chungsen Chou zeigte sie auf der 36. Ausstellung des Women’s International Art Club und stiftete einen Abguss des Werks dem Leighton House Museum. Es befindet sich heute in der Sammlung des Ben-Uri.
Elsa Fraenkel drohte in Großbritannien als Deutsche nach Beginn des Zweiten Weltkriegs die Internierung. Da ihr Sohn jedoch an den Mosquito-Kampfflugzeugen arbeitete und zu ihren Fürsprechern auch Cecil Philips, Mitbegründer der Leicester Galleries, zählte, entging sie der Internierung. Künstlerisch konnte sie in dieser Zeit weniger produktiv sein. Sie erhielt auch keine Zuwendungen aus Deutschland mehr. Zwischenzeitlich wurde ihr sogar von einer deutschen Spionin die Identität gestohlen. Elsa Fraenkel bemerkte zu der Zeit häufiger, dass sie auf ihren Wegen durch London verfolgt würde. Dies nahmen ihre Kinder nicht ernst. Doch über den zweiten Ehemann ihrer Freundin, der Künstlerin Olivia Fabri, einen hochrangigen Beamten im Innenministerium, erfuhr sie nach dem Krieg, dass eine deutsche Spionin, die ihr sehr ähnelte, vom britischen Sicherheitsdienst überwacht worden war. Über diese Nachricht war Fraenkel sehr erleichtert, denn sie bestätigte, dass sie sich die Vorfälle nicht eingebildet hatte.
Elsa Fraenkel fertigte auch unter diesen Umständen weiter Kunstwerke an, unter anderem einen Bronzekopf der emigrierten Kunsthistorikerin Stella Kramrisch. Dieser wurde im Januar 1940 in der United Artists’ Exhibition der Royal Academy ausgestellt. Ihr Werk, das in einer Ausstellung im British Art Centre mit 51 weiteren Künstlern gezeigt wurde, lobte die The Times besonders. Als die Luftangriffe auf London einsetzten, zog sie nach Essex. Sie stellte 1941 auf der Summer Show der Royal Academy aus und im Januar 1944 wurde bei der Wiedereröffnungsausstellung der Ben-Uri-Galerie ihre Büste von Mina Tobler gezeigt.
Fraenkel wurde 1947 in ihrer neuen Heimat eingebürgert. Dazu wählte sie willkürlich einen englischen Nachnamen aus dem Telefonbuch und nannte sich nun Elizabeth Dane, benutzte als Künstlerin aber weiterhin ihren deutschen Namen. Ihr Sohn änderte seinen Namen von Wolfgang Fraenkel in Frank Walter Dane und ihre Tochter Marianne Renate Fraenkel ihren in Dorian Renate Dane.
Nach dem Krieg stellte Fraenkel weiterhin aus. So nahm sie an der Gruppenausstellung von 1947 des Ben Uri teil. Dort präsentierte sie eine Büste des renommierten Südostasien-Kunsthistorikers Reginald Le May im Kunstbereich der Anglo-Jewish Exhibition 1851–1951, die Teil des Festival of Britain von 1951 war. Fraenkel freundete sich mit Ethel Solomon an, der Vorsitzenden des Ben Uri 1943–1966, und schuf eine Kopfskulptur von deren Tochter Shirley, die in der Ausstellung zum vierzigjährigen Bestehen von Ben Uri im Jahr 1956 gezeigt wurde. Zwischen Ende der 1930er Jahre und Anfang der 1950er Jahre stellte sie regelmäßig im Women’s International Art Club aus. Ihre Büste von Lazarus Goldschmidt nahm 1948 das Jewish Museum in New York in seine Sammlung auf.
Von 1949 bis 1950 unterrichtete Elsa Fraenkel Porträtzeichen und Bildhauerei am Morley College in London. Um 1950 freundete sie sich auch mit der Suffragette und Aktivistin Sylvia Pankhurst an, beide teilten ein Interesse für Äthiopien, wohin Pankhurst enge Verbindungen hatte. 1950 half Elsa Fraenkel bei der Organisation von Kulturveranstaltungen zu Äthiopien in London. Dazu stellte sie auch eigene Arbeiten zu den Feierlichkeiten anlässlich der Einweihung des Princess Tsehai Memorial Hospital zur Verfügung. 1951 schuf sie eine Porträtbüste der 1942 verstorbenen äthiopischen Prinzessin Tsahai, einer Tochter von Kaiser Haile Selassie. Zudem organisierte sie in den 1950er Jahren mehrere Veranstaltungen mit Bezug zu Äthiopien und wurde Ratsmitglied der Royal Society for India, Pakistan and Ceylon. Im Jahr 1954 wurde Fraenkel in die Royal Society of Arts aufgenommen. Elsa Fraenkel kümmerte sich auch um die Organisation einer Ausstellung von Pankhursts frühen Kunstwerken im Jahr 1959, diese war bereits 1956 nach Äthiopien gezogen und hatte ihre Gemälde und Skizzen Elsa Fraenkel gegeben.
Eine silberfarbene Bronzebüste der thailändischen Königin Sirikit überreichte Fraenkel 1961 dem Königspalast in Bangkok. Zudem schuf sie ein Porträt des ersten indischen Premierministers Pandit Nehru. Ihre Tochter war nach Indien ausgewandert, und als sich Elsa Fraenkels Gesundheitszustand verschlechterte, zog sie 1969 zu ihrer Tochter. Sie ließ den Großteil ihrer Skulpturen und Archivunterlagen bei ihrer Familie in Großbritannien zurück.
Am 13. Juni 1975 starb Elsa Fraenkel 82-jährig in Bangalore. Die Grabstätte der Familie Rothschild liegt im jüdischen Teil des Heidelberger Bergfriedhofs.
Ihre Werke befinden sich in öffentlichen Sammlungen wie der Ben-Uri-Sammlung, dem Leo Baeck Institute, dem Hove Museum of Creativity und der Tate Gallery. In den Archiven des Institute of Languages, Cultures and Societies der University of London befinden sich ausgewählte Dokumente von Fraenkel. Auf einem Flohmarkt wurde 2026 eine Sammlung von Archivmaterialien entdeckt. In dieser Sammlung befanden sich Fotografien von Skulpturen von Despiau und Brancusi, Zeitungsausschnitte, Postkarten aus Museumssammlungen und Familienfotos aus Paris und von anderen Orten. Viele Dokumente hatten einen Bezug zu Georg Fraenkel, aber die Sammlung enthielt auch ein Album mit Bildern aus dem Alltag in Bunce Court aus dem Jahr 1935, auf denen auch ihr Sohn Frank zu sehen ist.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fraenkel, Elsa |
| ALTERNATIVNAMEN | Fraenkel, Else; Rothschild, Betty Elisabeth (Geburtsname); Dane, Elizabeth (nach Einbürgerung) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-britische Bildhauerin |
| GEBURTSDATUM | 25. August 1892 |
| GEBURTSORT | Bensheim |
| STERBEDATUM | 13. Juni 1975 |
| STERBEORT | Bangalore, Indien |