Else Wentscher

Else Wentscher (* 31. Januar 1877 in Wüstegiersdorf; † 1946 in Bonn) war eine deutsche Philosophin und Pädagogin.

Leben

Else Wentscher, geb. Schwedler, wurde als Tochter eines schlesischen Fabrikbeamten geboren, der früh starb. Ihre Mutter leitete als Witwe den Fabrikkindergarten. Großen Einfluss auf sie übte ihr Großvater mütterlicherseits, Waisenhausdirektor Kranz, aus. Else besuchte die Augustaschule in Breslau, danach wurde sie zu einer dreijährigen Ausbildung in der Berliner "Stiftung Mädchenheim" aufgenommen, einem Seminar zur Ausbildung von Lehrerinnen (Abschluss 1896). In Berlin wurde Else Pfleiderer, Tochter des Theologen Otto Pfleiderer ihre Freundin. In dessen Haus lernte sie den promovierten Max Wentscher kennen, den sie 1897 heiratete. Das Ehepaar hatte die Tochter Charlotte (* 1898) und den Sohn Heinz (* 1903). Else Wentscher lernte als Autodidaktin Altgriechisch und Latein und, laut ihren eigenen Angaben, las den Dichter Homer im Original. Angeregt durch ihren Mann beschäftigte sie sich intensiv mit der Philosophie von Hermann Lotze. In Bonn hörte sie die Vorlesungen ihres Ehemannes und anderer Professoren und Dozenten. 1901 besuchte sie mit ihrem Mann erstmals den Evangelisch-Sozialen Kongress in Dortmund, wo sie einen Vortrag über das moderne Bildungsstreben hörte, den Adolf von Harnack hielt. Im selben Jahr startete sie ihre eigene Publikationstätigkeit. Ab 1907 unterrichtete sie auch. Sie erhielt noch vor dem Jahr 1926 den Dr. h. c. der Universität Bonn.

Wentschers Fachgebiete waren die Ethik, die Frauenbildung und die Verbindung von englischem und deutschem Idealismus.

Wentscher übersetzte 1928 On Liberty (1859) von John Stuart Mill ins Deutsche; das Buch erschien in der Reihe Philosophische Bibliothek im Meiner-Verlag. Ihre Übersetzung wird bis heute zugrunde gelegt. Den Nachruf auf sie schrieb der Philosoph Johannes Thyssen.

Werke (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Max Wentscher. In: Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist’s? Unsere Zeitgenossen. 10. Ausgabe, Berlin 1935, S. 345.
  2. ↑ Else Wentscher: Mutterschaft und Geistige Arbeit. In: Dt. Blätter für erziehenden Unterricht 53 (1926), S. 32–34.
  3. ↑ Thyssen, Johannes: Zum Gedenken an die Philosophin Dr. h. c. Else Wentscher. In: Zeitschrift für philosophische Forschung. Vol. 5, Heft 1 (1950), S. 116ff
Personendaten
NAME Wentscher, Else
ALTERNATIVNAMEN Schwedler, Else (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Philosophin und Pädagogin
GEBURTSDATUM 31. Januar 1877
GEBURTSORT Wüstegiersdorf
STERBEDATUM 1946
STERBEORT Bonn