
Emil Steffann, häufige Schreibweise: Emil Steffan, (* 30. Januar 1899 in Gadderbaum, heute Bielefeld; † 23. Juli 1968 in Bonn) war ein deutscher Architekt, der vor allem auf dem Gebiet Kirchen- und Klosterarchitektur wirkte.








Emil Steffann war der Sohn eines Arztes der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Seine Vorfahren waren Hugenotten. Er besuchte das Evangelisch Stiftische Gymnasium Gütersloh, wo er 1919 auch die Reifeprüfung ablegte. Nach dem Kriegsdienst 1917/1918 im Ersten Weltkrieg als Luftauskundschafter besuchte er bis 1921 die Bildhauerklassen von Hans Perathoner an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bielefeld und der Kunstgewerbeschule Berlin. 1921 baute er in Lübeck für seine Mutter und Geschwister sein erstes Wohnhaus, unternahm bis 1928 Reisen, vielseitige autodidaktische Studien in Architekturbüros und auf Baustellen, die er auf Anraten von Walter Gropius an der Baugewerkschule Lübeck (Prof. Münch) abschloss, und wurde Architekt.
1926 lebte Steffann in Italien, arbeitete in Assisi mit dem dänischen Bildhauer Chresten Skikkild zusammen, wurde, tief beeindruckt von Assisi und dem Heiligen Franz von Assisi, Katholik und wandte sich Fragen des Kirchenbaus zu. 1931, anlässlich seines Besuches der Fronleichnamskirche (Rudolf Schwarz mit Hans Schwippert) in Aachen, befreundete er sich mit Rudolf Schwarz und wurde Mitglied der katholischen Jugendbewegung Quickborn auf Burg Rothenfels um Romano Guardini und Heinrich Kahlefeld, die eine Erneuerung der Liturgie und des Kirchenbaus anstrebten. Rudolf Schwarz übertrug Steffann die Bauleitung seines für Guardini entworfenen Wohnhauses in Berlin und gemeinsam entwickelten sie einen Vorschlag zum Neubau der Pfarrkirche St. Anna in Berlin-Lichterfelde.
In Lübeck entwarf Steffann Untergrund- und Hauskirchen für vom Nationalsozialismus bedrängte Katholiken (u. a. in Schlutup) und beschäftigte sich mit kleinen Bauaufgaben in dieser katholischen Diaspora.
Von 1941 bis 1944 übernahmen Emil Steffann und Rudolf Schwarz Bau- und Planungsaufgaben im von den Deutschen besetzten Lothringen. Dort lernte Steffann Rudolf Steinbach kennen und befasste sich mit dem Wiederaufbau kriegszerstörter Dörfer. In Boust errichtete er aus Kriegstrümmern an der alten Römerstraße ein Landarbeiterhaus und schuf mit seiner Gemeinschaftsscheune eine neue Dorfmitte. Seine Bauauffassung fasste er 1950 in seinem Beitrag Wiederaufbau aus Trümmern in der Architekturzeitschrift Baumeister zusammen. Mit Hilfe der freitragenden Dachkonstruktion, die er patentieren ließ, errichtete Steffann eine stützenfreie Halle, die über ein großes Scheunentor erschlossen wurde, für ihn eine Kirche bedeutete und zum Leitbild wurde. Er entwickelte Gedanken über ein sinngerechtes Bauen, was für ihn ein material-, konstruktions- und ortsgerechtes Bauen voraussetzte, und verfasste die Baufibel für Lothringen. 1944 wurde Steffann mit Frau und Tochter in Frankreich zivilinterniert; 1946 kehrte er nach Lübeck zurück.
Dort setzte er sich als Mitglied des Denkmalrates für den erhaltenden Wiederaufbau der kriegszerstörten Altstadt ein, die er auch durch einen angemessenen Verkehrsplan bewahren wollte. 1947 holte Rudolf Schwarz ihn nach Köln, wo Steffann bis 1949 das Siedlungswerk der Erzdiözese Köln leitete. 1949 bezog Steffann mit seiner Familie ein kleines Holzfertighaus (Architekt Alfons Leitl) in Mehlem. Dieses Haus wurde zu seiner Wohn- und Werkstatt bis zu seinem Tod 1968. In dieser Zeit baute er mit seinem Bauatelier zahlreiche Kirchen, Klöster und Sozialbauten. Wichtige Mitarbeiter wurden Siegfried Östreicher, Nikolaus Rosiny, Paul Georg Hopmann, Heinz Bienefeld und Gisberth Hülsmann.
Steffanns letztes Werk war die Pfarrkirche St. Remaclus in Cochem-Cond. Zwei Monate nach der Konsekrierung dieser Kirche starb er im Juli 1968 an den Folgen eines Autounfalls.
Für sein beispielgebendes Wirken im Kirchenbau wurden Steffann 1964 die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Darmstadt und der Große Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und 1965 das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.
„Die Möglichkeiten neuer Gestaltung innerhalb einer jahrhundertealten Tradition sind beschränkt. Sie sind in dem sehr langsamen Wachstum der Idee beschlossen. welche der Tradition zugrunde liegt. Künstlerische Eigenwilligkeiten finden deshalb auf die Dauer keinen Nährboden, soweit sie nicht die in der Idee selbst schlummernden Möglichkeiten ans Licht bringen.“
Mehrere von Emil Steffann entworfene Kirchen wurden inzwischen abgerissen oder profaniert und umgewidmet.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Steffann, Emil |
| ALTERNATIVNAMEN | Steffan, Emil |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Architekt |
| GEBURTSDATUM | 30. Januar 1899 |
| GEBURTSORT | Bethel |
| STERBEDATUM | 23. Juli 1968 |
| STERBEORT | Bonn |