Emma Joos

Emma Joos (* 20. Februar 1882 in Weinsberg; † 20. Juli 1932 in Jena oder Stuttgart) war eine deutsche Malerin und Grafikerin des Spätimpressionismus, besonders bekannt durch zahlreiche Bilder und Grafiken von Landschaften und Bäumen.

Leben

Emma Joos war die Tochter des Stuttgarter Notars Georg Joos und seiner Ehefrau Magdalene Sofie geb. Steinhilber. Sie wuchs im „traditionellen Milieu des altwürttembergischen Protestantismus“ auf. Große Bescheidenheit, fast Askese, prägte ihren Lebensweg. Ihre Mutter verstarb früh, der Vater heiratete ein zweites Mal. Emma Joos selbst blieb ledig.

Von 1899 bis 1903 studierte Joos an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Nach dem Sommersemester 1903 studierte sie im Künstlerinnenverein in München, insbesondere bei Christian Landenberger. Im Wintersemester 1905/1906 schloss Joos ihre Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart ab, wo Landenberger Professor geworden war.

Von 1906 bis zu ihrem Tod war sie Mitglied im Württembergischen Malerinnenverein, von 1915 bis 1927 im Frauenkunstverband, Ortsgruppe Stuttgart sowie im Künstlerbund Stuttgart. Sie verbrachte zahlreiche Sommer in Abtsgmünd, einem kleinen Dorf im Ostalbkreis, wo sie insbesondere Kaltnadelradierungen vom Landleben (Bäume, Ernte etc.) anfertigte.

Nach dem Ersten Weltkrieg konnte sich Joos nur mit sehr sparsamem Verhalten über Wasser halten.

Von 1928 bis zu ihrem Tod im Jahre 1932 bewohnte Joos eine Atelierwohnung in dem Vereins-, Atelier- und Ausstellungsgebäude des Württembergischen Malerinnenvereins in der Eugenstraße 17 in Stuttgart. Sie starb vermutlich in Jena, wurde aber auf dem Pragfriedhof in Stuttgart im Familiengrab beerdigt.

Emma Joos war die ältere Halbschwester des Physikers Georg Joos.

Parktor in Obermarchtal, Kunstmuseum Stuttgart, Fotograf: Frank Kleinbach
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(Bitte Urheberrechte beachten)

Werk

Ganz im Sinne des Impressionismus malte Joos häufig in der freien Natur vor dem Motiv und nicht im Atelier. In ihren Arbeiten waren Landschaften ein zentrales Thema. Der momentane Eindruck, die Lichtverhältnisse und „das, was man sieht“ waren wichtig. Joos erlernte Lithografie bei Alexander Eckener und schuf zahlreiche Bäume – ein Lieblingsmotiv der Künstlerin – in Schwarzweiß.

Werke von Emma Joos befinden sich im Kunstmuseum Stuttgart, der Staatsgalerie Stuttgart, sowie in der Kunstsammlung des Bundes Bildender Künstlerinnen Württembergs (Nachfolgeorganisation des Württembergischen Malerinnenvereins), außerdem in Familienbesitz der Nachkommen ihrer Halbgeschwister. Die Kupferplatten ihrer Stiche wurden im Zweiten Weltkrieg vernichtet.

Staatsgalerie Stuttgart:

  • verschiedene Landschaften und Ansichten, Kaltnadelradierungen
  • Pflügender Bauer, ohne Jahr, Bleistift und Kohle
  • Landschaft, ohne Jahr, Kohle
  • Bootshafen von Lindau, 1927, Bleistift und Kohle
  • Schafstudien, 1926, braune Kreide
  • Schafe im Pferch III, ohne Jahr, Bleistift
  • Durchbrechende Sonne, ohne Jahr, Kohle
  • Blühende Wiese, ohne Jahr, Bleistift und Kohle
  • Zwei Karren, ohne Jahr, Bleistift
  • Waldwiese, ohne Jahr
  • Obstbaum am Feldrand, ohne Jahr
  • Weiden am Bach, ohne Jahr, Druckgrafik
  • Bächlein I, ohne Jahr, Kaltnadelradierung
  • Bächlein II, ohne Jahr, Kaltnadelradierung
  • Bächlein III, ohne Jahr, Kaltnadelradierung

Kunstmuseum Stuttgart:

  • Birken im Sonnenlicht, ohne Jahr, Öl auf Leinwand
  • Obstbäume, ohne Jahr, Radierung
  • Ernte, ohne Jahr, Radierung
  • Parktor in Obermarchtal, ohne Jahr, Öl auf Leinwand
  • Zwei Kinder mit Blumen, ohne Jahr, Öl auf Leinwand

Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs:

  • Kolleginnen im Atelier, ohne Jahr, Öl auf Leinwand
  • Junge Frauen in der Kirche, ohne Jahr, Öl auf Leinwand
  • Feldblumenstrauß, ohne Jahr, Öl auf Leinwand
  • Alte Scheune, ohne Jahr, Radierung
  • Ernte, ohne Jahr, Radierung
  • Bei Abtsgmünd, ohne Jahr, Radierung
  • Emma Joos, Selbstbildnis, ohne Jahr, Kaltnadelradierung

Ausstellungen

zu Lebzeiten der Künstlerin
posthum

Ehrungen

In einem Neubaugebiet im Stadtteil Stuttgart-Stammheim wurden Straßen u. a. nach Künstlerinnen des Württembergischen Malerinnenvereins benannt. Darunter gibt es seit 2018 eine Emma-Joos-Straße.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Evangelisches Kirchenbuch Weinsberg, Taufen, Nr. 17/1882. Scan des Original-Dokuments eingesehen auf ancestry.de am 16. Februar 2021.
  2. ↑ Das Geburtsjahr wird in der Literatur teilweise mit 1970, als Geburtsort wird auch Stuttgart angegeben. Beides ist laut Geburtsurkunde und Grabinschrift falsch.
  3. 1 2 Emma Joos (1882-1932) – Find a Grave Gedenkstätte. Abgerufen am 17. März 2026.
  4. ↑ Als Sterbeort wird in der Literatur auch Jena angegeben. Vermutlich ist Emma Joos in Jena gestorben, was noch nicht 100%ig belegt werden konnte. Ihr Grab befindet sich jedoch in Stuttgart.
  5. 1 2 3 4 5 6 Gabriele Katz: Stuttgarter Damenklasse. Künstlerinnen auf dem Weg in die Moderne. G. Braun, Karlsruhe 2013, ISBN 978-3-7650-8428-7, S. 34–39 (dort ältere Literatur).
  6. 1 2 3 Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg. Band 2, 1999, S. 85.
  7. Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg. Band 1, 1999.
    1. ↑ 95
    2. ↑ 123
    3. ↑ 121
    4. ↑ 223
  8. ↑ Joos Emma - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 17. März 2026.
  9. 1 2 Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg. Band 2, 1999, S. 230 f.
  10. ↑ Emma Joos: Waldwiese. Staatsgalerie Stuttgart, abgerufen am 17. März 2026.
  11. ↑ Emma Joos: Obstbaum am Feldrand. Staatsgalerie Stuttgart, abgerufen am 22. März 2026.
  12. ↑ Weiden am Bach. Staatsgalerie Stuttgart, abgerufen am 22. März 2026.
  13. ↑ Bächlein I. Staatsgalerie Stuttgart, abgerufen am 22. März 2026.
  14. ↑ Bächlein II. Staatsgalerie Stuttgart, abgerufen am 22. März 2026.
  15. ↑ Bächlein III. Staatsgalerie Stuttgart, abgerufen am 22. März 2026.
  16. ↑ Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg. Band 2, 1999, S. 230.
  17. ↑ Parktor in Obermarchtal. Sammlung Online - Kunstmuseum Stuttgart, abgerufen am 17. März 2026.
  18. ↑ Zwei Kinder mit Blumen. Sammlung Online - Kunstmuseum Stuttgart, abgerufen am 17. März 2026.
  19. ↑ Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg. 1999, S. 322 f.
  20. 1 2 3 4 5 6 7 8 Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg. Band 2, 1999, ISBN 3-608-94192-4, S. 85.
  21. ↑ Netzwerkerinnen der Moderne - 100 Jahre Frauenkunststudium. Städtische Galerie Böblingen, 2019, abgerufen am 18. Dezember 2023.
  22. ↑ Landeshauptstadt Stuttgart: Straßenbenennungen. (PDF) 27. Juni 2018, abgerufen am 16. Februar 2021.