

Als Engerer Burse wird ein Bursenreliquiar aus dem Schatz des Stiftes Enger in Westfalen bezeichnet. Aufbewahrt wurde die Burse bis 1414 in der Stiftskirche St. Dionysius in Enger und dann in St. Johannis in Herford. Seit 1885 befindet sie sich mit dem restlichen Schatz im Besitz des Berliner Kunstgewerbemuseums (Inventar-Nr. 1888,632).
Es handelt sich um ein Reliquiar in Form einer Pilgertasche (Bursa, Maße 16 × 14,5 × 5,3 cm).
Sein Kern aus Ahorn-Holz ist auf der Schauseite mit reich verziertem Goldblech beschlagen. 13 Schmucksteine (eine Perlmuttscheibe, Edelsteine, Glassteine und 4 antike Gemmen) prägen das Erscheinungsbild; sie bilden zwei sich ortho- bzw. diagonal überlagernde Kreuze. Über 1.000 Elemente (Zellenschmelzeinlagen vor allem aus Glas und Email als Verbindungs- und Zierlinien und in Form von Fischen, Vögeln und anderen Tieren sowie eine Perlenschnur) füllen die Vorderseite. Die beiden Schmalseiten und die Rückseite der Burse sind mit vergoldetem Silberblech beschlagen und zeigen als Treibarbeit Christus, Maria, die Apostel Petrus und Paulus sowie Engel. Die Unterseite aus punziertem Silberblech dient als – nicht zum Öffnen bestimmter – Verschluss des hohlen Holzkerns mit seinen drei textilen, heute leeren, Reliquienhüllen.
Entstanden ist es nach kunsthistorischen Untersuchungen im 3. Viertel des 8. Jahrhunderts im Fränkischen Reich und zählt zu den bedeutendsten Beispielen der karolingischen Goldschmiedekunst.
Von Historikern und Kunsthistorikern ist seit dem 19. Jahrhundert eine Verbindung mit dem „Sachsenherzog“ Widukind vermutet worden. Die Burse wurde mit den Geschenken, die Karl der Große ihm nach zeitgenössischen Quellen sandte, in Zusammenhang gebracht. Dies ist nach der kunsthistorischen Einordnung durchaus möglich, aber nicht beweisbar.
Die Burse ist 2023 bis 2025 Mittelpunkt eines wissenschaftlichen Restaurierungs- und Forschungsprojektes am Berliner Kunstgewerbemuseum.