Canard

Nachbau des
Wright Flyer,
gesehen von links,
das Höhenleitwerk ist vorne

Als Canard, Entenflugzeug oder Entenflügler werden Flugzeuge bezeichnet, bei denen sich das Höhenleitwerk vor den Tragflächen befindet.

Es wird zwischen echten Entenflugzeugen unterschieden, bei denen die Höhensteuerung ausschließlich mit dem vorn liegenden Höhenleitwerk erfolgt, und modernen Verkehrsmaschinen und Kampfjets, die zusätzlich zu den herkömmlichen Höhenrudern Hilfssteuerflächen besitzen. Diese Flugzeuge sind meistens Delta-Flügler; die Canards kommen hauptsächlich bei Flugmanövern mit extremen Anstellwinkeln zum Einsatz. Die sowjetische Tupolew Tu-144 hatte beispielsweise ausfahrbare Canard-Flügel, die bei Start, Landung und beim Langsamflug eingesetzt wurden.

Begriffserklärung

Der Name canard kommt vom französischen Wort für Ente, deren Flugbild durch weit hinten liegende Flügel ansatzweise ähnlich ist. Besonders im Ausland wird der Begriff canard häufig auch für das Höhenleitwerk selbst verwendet.

Entwicklungsgeschichte

Die Tupolew Tu-144 mit ausgeklappten Canards und gesenkter Nase

Die Grundidee wurde von den Brüdern Wright erstmals nutzbar gemacht, und in den folgenden Jahrzehnten gab es eine beständige Beschäftigung der Konstrukteure mit dem Thema, was sich an der Tatsache ablesen lässt, dass viele Rekordleistungen mit Entenflugzeugen erbracht wurden. Andererseits blieb der kommerzielle Erfolg in der zivilen Luftfahrt aus. Es wurden bisher keine größeren Serien von Entenflugzeugen in den Handel gebracht. Der Großteil der wenigen verkauften Geschäftsreiseflugzeuge Beechcraft Starship wurde vom Hersteller zurückgekauft und einige Flugzeuge davon an Museen abgegeben. Burt Rutan verhalf dem Entenflugzeug mit seinen Entwürfen VariEze und LongEz zu einer gewissen Popularität. Aufsehen erregte auch sein Entwurf Voyager, mit dem erstmals eine Non-Stop-Weltumrundung ohne Luftbetankung gelang. Die erste Überquerung des Ärmelkanals mittels Muskelkraft gelang dem Team um Paul MacCready mit dem Enten-Fluggerät Gossamer Albatros. Das Deutsche Museum in München zeigt die Solair-1 von Günter Rochelt, das erste brauchbare Solarflugzeug in Deutschland. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gab es in Japan mit der Kyūshū J7W und den USA mit der Curtiss XP-55 Versuche, einmotorige Jagdflugzeuge in Entenbauweise herzustellen.

Die Saab 37 Viggen war lange Zeit das einzige strahlgetriebene Serienflugzeug mit Canards

Bei modernen Kampfflugzeugen wie der Dassault Rafale oder dem Eurofighter, die aerodynamisch instabil ausgelegt sind, dienen Canards zur Kontrolle der Fluglage bei extremen Manövern jenseits des Strömungsabrisses.

Funktionsweise

Momenthaushalt bei Flugzeugen

Während beim konventionellen Flugzeug das Höhenleitwerk aus Gründen der Längsstabilität eine abwärts gerichtete Kraft erzeugen muss, erzeugt es beim Canard-Flugzeug über alle stationären Flugzustände hinweg Auftrieb. Ähnliches gilt auch für Fluggeräte in Tandem-Bauweise, wobei eine genaue Abgrenzung zwischen „Tandem“ und „Ente“ schwierig ist, z. B. Scaled Composites Proteus. Allen gemein ist der Schwerpunkt irgendwo zwischen dem Auftriebsmittelpunkt der vorderen und hinteren Auftriebsflächen, wohingegen sich beim Normalflugzeug und bei Nurflüglern der Schwerpunkt je nach Pfeilung meist innerhalb der Tragflächengeometrie befindet.

Vorteile der Canard-Bauweise

Rutan Voyager,
von rechts unten gesehen, nach der Weltumrundung

Nachteile der Canard-Bauweise

Sichtbare Wirbelschleppen an den Canards einer North American XB-70

Siehe auch

Commons: Canard – Sammlung von Bildern
Wiktionary: canard – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Beechcraft Starship – Marian Aldenhövel. In: marian-aldenhoevel.de. Abgerufen am 6. Februar 2019.
  2. ↑ Michael Schönherr: Vorstellung von Hochleistungs-Leichtbauenten, entwickelt ca. 1975-1985. In: m-schoenherr.de. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 25. Januar 2012; abgerufen am 7. September 2012.
  3. 1 2 Canard Pilots. Die Vorteile des Canard-Flugzeuges. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 18. Mai 2023. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
  4. 1 2 Schwanz ab. In: Der Spiegel. 23. April 1984, abgerufen am 7. September 2012.