Die Entscheidungstheorie ist in der angewandten Wahrscheinlichkeitstheorie ein Zweig zur Evaluation der Konsequenzen von Entscheidungen. Die Entscheidungstheorie wird vielfach als betriebswirtschaftliches Instrument benutzt. Zwei bekannte Methoden sind die einfache Nutzwertanalyse (NWA) und der präzisere Analytic Hierarchy Process (AHP). In diesen Methoden werden Kriterien und Alternativen dargestellt, verglichen und bewertet, um die optimale Lösung einer Entscheidung oder Problemstellung finden zu können.
Die Entscheidungstheorie ist ein interdisziplinäres Forschungsgebiet, das sich mit der systematischen Analyse von Entscheidungsprozessen befasst. Ihre Wurzeln reichen bis in die Antike zurück. Ihre moderne Form entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert mit der mathematischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fundierung.
Die ersten Überlegungen zur Entscheidungsfindung stellten Philosophen wie Aristoteles und Platon an, die sich mit der rationalen Abwägung von Alternativen sowie der Ethik des Entscheidens beschäftigten. In der Scholastik des Mittelalters griffen Denker wie Thomas von Aquin das Thema erneut auf und verbanden es mit theologischen Fragestellungen.
Die Pascalsche Wette ist eine frühe Anwendung der Entscheidungstheorie auf ein metaphysisches Problem. Sie verknüpft Philosophie, Theologie und Entscheidungstheorie und war ein wegweisender Versuch, rationale Entscheidungsfindung auf metaphysische Fragen anzuwenden. Als Modell der Entscheidung unter Unsicherheit beeinflusste sie die spätere Erwartungswerttheorie. Daniel Bernoulli erweiterte diesen Ansatz im 18. Jahrhundert durch die Einführung des Nutzenbegriffs und die Analyse des Sankt-Petersburg-Paradoxon.
Die systematische Erforschung von Entscheidungsprozessen mit Hilfe mathematischer Modelle begann in den 1940er Jahren mit der Entwicklung der Spieltheorie durch John von Neumann und Oskar Morgenstern, die Entscheidungsfindung in interaktiven Kontexten modellierten. Die Von-Neumann-Morgenstern-Erwartungsnutzenfunktion bildet die mathematische Grundlage der klassischen Entscheidungstheorie unter Unsicherheit und ist essenziell für die Spieltheorie und die Mikroökonomie. Sie beschreibt, wie rationale Akteure Entscheidungen treffen sollten, doch die Verhaltensökonomie zeigt, dass reale Entscheidungsprozesse oft von ihr abweichen. Parallel dazu entstand die klassische Entscheidungstheorie, insbesondere durch Arbeiten von Leonard Savage und Kenneth Arrow. Savage entwickelte das Konzept der subjektiven Erwartungsnutzentheorie, während Arrow mit seinem Unmöglichkeitstheorem grundlegende Grenzen kollektiver Entscheidungsprozesse aufzeigte.
In den 1970er Jahren entwickelten sich die ersten Ansätze, die klassische Entscheidungstheorie mit Erkenntnissen der kognitiven Psychologie zu kombinieren. Beispielsweise berücksichtigt die Behavioral Decision Theory sowohl rationale Modelle als auch kognitive Verzerrungen. 1979 stellten Daniel Kahneman und Amos Tversky die von ihnen entwickelte Prospect Theory vor, die zeigte, dass Menschen systematisch von rationalen Entscheidungsmodellen abweichen. Sie wiesen nach, dass Heuristiken, kognitive Verzerrungen und Verlustaversion eine zentrale Rolle bei realen Entscheidungsprozessen spielen. Dies führte zur Entstehung der Verhaltensökonomik, die bis heute ein zentraler Bereich der Entscheidungstheorie ist.
Durch die fortschreitende Entwicklung der Rechenkapazitäten und den Einsatz Künstlicher Intelligenz finden heute zunehmend algorithmische Entscheidungsmodelle sowie Methoden des maschinellen Lernens Anwendung zur Bewältigung komplexer Entscheidungsprobleme. Parallel dazu gewinnen interdisziplinäre Ansätze an Bedeutung, die Konzepte und Erkenntnisse aus der Psychologie, den Wirtschaftswissenschaften und der Informatik integrativ verknüpfen, um Entscheidungsprozesse umfassender zu analysieren und zu optimieren.
Es gibt in der Entscheidungstheorie eine Unterscheidung in drei Teilgebiete:
Die praktische Anwendung der präskriptiven Entscheidungstheorie wird Entscheidungsanalyse genannt. Hierbei werden Methoden und Software entwickelt, die Menschen bei der Entscheidungsfindung unterstützen sollen. Insbesondere Gesetzgebung und Gesetzesauslegung müssen sich oft an verschiedenen, miteinander konkurrierenden Zielen und Interessen orientieren und zwischen diesen einen Kompromiss anstreben, „der als gerecht erscheint und mit dieser Bedingung den Nutzen optimiert“. Entscheidungsanalysen sollen hierbei „die Vielfalt der Faktoren sichtbar … machen, die in zweckorientierten Entscheidungen eine Rolle spielen. Das erleichtert es, über Zielkonflikte rational zu diskutieren und jene Entscheidungsalternative zu finden, die diese Ziele in optimaler Weise und in optimalem Maße verwirklicht.“
Das Grundmodell der (normativen) Entscheidungstheorie kann man in einer Ergebnismatrix darstellen. Hierin enthalten sind das Entscheidungsfeld und das Zielsystem. Das Entscheidungsfeld umfasst:
Oft ist der wahre Umweltzustand nicht bekannt. Hier spricht man von Unsicherheit. Den Gegensatz bildet eine Situation der Sicherheit, in der der Umweltzustand bekannt ist. Es lässt sich folgende Gliederung vornehmen:
Der (ein- oder mehrstufige) Entscheidungsprozess mitsamt den verschiedenen Konsequenzen lässt sich grafisch als Entscheidungsbaum darstellen.
Die Grenzen zwischen Entscheidungs- und Spieltheorie sind fließend. Entscheidungen bei Risiko und unter Ungewissheit werden als Spiele gegen die Natur bezeichnet. Spiele bei einem bewusst handelnden Gegenspieler werden der Spieltheorie zugerechnet.
Gemeinsame Entscheidungen einer Gruppe von Individuen sind Inhalt der Sozialwahltheorie.
Das Kreuz der Entscheidungen bietet ein visuelles Orientierungs- und Analysemodell. Verwendet wird ein einfaches räumliches Orientierungsmuster: Oben-Unten und Links-Rechts. Ihm liegt formal das kartesische Koordinatensystem zugrunde. Inhaltlich werden mit ihm zwei einfache dialektische Aussagen im rechten Winkel gekreuzt. Mit deren verdoppelter Dialektik lässt sich ein erhöhtes Maß an möglichen Entscheidungen und deren Komplexität und Individualität darstellen und ordnen. Zusätzlich befindet sich der einzelne Ich- oder der kollektive Wir-Entscheider im Mittelpunkt. Dort verfügt er innerhalb des Koordinatensystems über die größtmögliche Willensfreiheit. Zugleich ist er an die systemischen Rahmenvorgaben (Frame, Fokus) gebunden (abgeschwächter Determinismus). Auch bringt er seine eigenen Grundhaltungen mit ein.
Brugger erläutert sein anthropologisches Kreuz der Entscheidung mit den Worten:„Jede schwierige Entscheidung im Individual- wie Kollektivleben, mit der es ‚ein Kreuz‘ ist, zeichnet es sich durch eine Spannungslage von vier Perspektiven aus: aufwärts zu den Idealen, abwärts zu den Grundbedürfnissen, rückwärts in die biografische Vergangenheit sowie vorwärts zur Zukunftsgestaltung. In der Kreuzung dieser Perspektiven steht der Akteur, der durch seine Entscheidung seine Identität und seine Umwelt formt.“
Für Deutschland reduziert Zürn, Sprecher des Exzellenzclusters Contestations of the Liberal Script, die politischen Parteien-Gruppen einleuchtend in Vier-Viertel-Gruppen von jeweils 25 %: Konservative und Wirtschaftsliberale seien „rechts“, die SPD und Die Linke seien „links“, die Grünen und ähnliche Parteien träten „kosmopolitisch“ auf, die AfD und ähnliche Parteien seien „autoritär-kommunitaristisch“.
Axel Montenbruck entwickelt daraus eine „Kartografie der Demokratie“. Kosmopolitische Grundhaltungen seien als Ideen „oben“ einzuordnen und die einfachen autoritär-kommunitaristischen Herrschaftsforderungen als „unten“. Zudem verfügten die vier Grundhaltungen von Parteien ihrerseits über eine Zweiteilung in extreme und über moderate Ausrichtungen. Die vier moderaten Teilgruppen ergäben zusammen zusätzlich ein auf die Demokratie ausgerichtetes „Binnenquadrat“. Die vier Extreme hingegen zerrten jeweils nach außen. Sie sorgten auf diese Weise für die nötige binnendemokratische Dynamik. Im Mittelpunkt befinde sich der ideale und der insofern im Willen freie Wähler oder ein politischer Akteur und zwar unmittelbar vor seiner Entscheidung.
Recht ist die „Kunst des Guten und Gleichen“ – oder des Billigen, des Angemessenen, des Gerechten. Ius est ars boni et aequi. So heißt es schon im Corpus iuris civilis, der Gesetzessammlung des byzantinischen Kaisers Justinian im sechsten Jahrhundert, welche das kontinentaleuropäische und vor allem das deutsche Rechtsdenken maßgeblich mitbestimmt hat. Aus diesem Lehrsatz ergibt sich, sobald er um das entsprechende bestimmte Unrecht als die negative Seite des Rechts ergänzt wird, ein Achsenkreuz. Die senkrechte Achse des „(abstrakt) Guten oder Schlechten“ kreuzt die waagerechte Achse des „(konkreten) Gleichen oder Willkürlichen“. Im Mittelpunkt befindet sich der rechtliche Entscheider und auch jede andere Rechtsperson, die zum Handeln ansetzt. Das Recht fordert die Nutzung des „oberen rechten Winkels“. Die praktische kunstvolle Synthese des Guten und des Gleichen zeigt eine zusätzliche vermittelnden Koordinatenlinie an.
Das Denison-Organisationskulturmodell nutzt das Kreuz als ein Analysemodell für betriebliche Entscheider und füllt es mit zusätzlichen Sektoren aus. Senkrecht verläuft die Hauptachse „external“ und „internal Focus“, waagerecht die Achse „Stabile“ und „Flexible“. Zudem verwendet Denison 60 Fragen (Beantwortung in 20 Minuten), um das Verständnis der sektorellen zusätzlichen zwölf Indizes (5 Fragen pro Index) zu untersuchen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den vier Kulturmerkmalen, die einen erheblichen Einfluss auf die Leistung in Bereichen wie Qualität, Innovation, Mitarbeiterzufriedenheit und finanzielle Leistung haben. Den Mittelpunkt kennzeichnet er mit „Beliefs & Assumptions“ der Entscheider.