Entwerter/Oder

Entwerter/Oder (eigene Schreibweise: ENTWERTER/ODER, kurz auch e/o) ist eine 1982 in Ost-Berlin im Samisdat gegründete kleinauflagige, original-grafische Künstlerzeitschrift. Sie verbindet zeitgenössische Kunst in Form von Originalgrafiken, Originalzeichnungen, Fotografien, Objets trouvés, Copy- und Konzeptart, Musik (in Noten und/oder auf MC und CD), Filme (DVD) und erstveröffentlichte Texte zumeist deutschsprachigerAutoren. Die Textform reicht von der Visuellen Poesie über Lyrik bis zur experimentellen Prosa und kunstwissenschaftlichen Aufsätzen.

Geschichte

Entwerter/Oder wurde von Uwe Warnke und Siegmar Körner 1982 in Ost-Berlin gegründet. Seit 1984 ist Uwe Warnke alleiniger Herausgeber. Sie war die erste der zu einer Szene des „Zeitschriftenunwesens“ (Christoph Tannert) wachsenden und inoffiziell erscheinenden Künstlerzeitschriften des Samisdat in der DDR. Die Auflagen betrugen 4 bis 100 Exemplare.

Diese Künstlerzeitschrift besetzte einen Freiraum innerhalb der ostdeutschen Gesellschaft, der bis zum Zusammenbruch 1989 behauptet wurde. Sie nutzte eine Gesetzeslücke, die die Arbeit mit künstlerischen Originalen bis zu einer Auflage von 99 Exemplaren nicht ausdrücklich verbot. Die Schreibmaschine war das „Printmedium“ der Texte; Fotografien waren immer Handabzüge; bei der Druckgrafik finden sich unter anderem Siebdrucke, Lithografien und Radierungen.

Das Format ist in der Regel A4 (Hochformat 21 × 29,7 cm). Der Umfang einer Ausgabe kann 12 bis 200 Blätter umfassen. Seit 1984 bindet der Berliner Buchbinder Hinrich Peters alle Ausgaben. Die Auflage beträgt aktuell 33 Exemplare. Etwa 20 Autoren und Künstler werden in jeder Ausgabe vorgestellt. Jeder beteiligte Künstler/Autor erhält nach Fertigstellung ein Exemplar.

Thematische Ausgaben wurden mit der Nr. 23 eingeführt. Seitdem wechseln sich thematische und nicht-thematische Ausgaben ab. Sonderausgaben zur Fotografie, experimentellen Literatur und anderen Kunstformen und Themen gibt es seit 1984.

Entwerter/Oder kam aus der Ostberliner Subkultur und war Bestandteil der sogenannten Ergänzungs-, Gegen- oder 2. Kultur innerhalb der DDR. Bis 1990 erschienen 39 Ausgaben und 9 Sonderausgaben.

Bis Dezember 2014 waren 99 Ausgaben erschienen. Außerdem gibt es 28 Sonderausgaben. Es haben sich ca. 200 Künstler und Autoren aus etwa 9 Ländern an Entwerter/Oder beteiligt.

Im Jahr 2016 erschien Entwerter/Oder 100 als 5-bändige Jubiläumsausgabe in einer Holzbox. Anlässlich dieses Ereignisses präsentierte die Kunstbibliothek Berlin 2017 eine Ausstellung in ihrem Foyer.

Die Nummer 101 erschien im April 2021.

Im internationalen Kontext ordnet sich das Kunstprojekt bei den Assemblings ein.

Die Sonderausgaben

Neben den regulären Ausgaben erscheinen seit 1984 Sonderausgaben. Diese können von einem Künstler oder einer Gruppen von Künstler zu unterschiedlichen Themen und Anlässen gestaltet und herausgegeben werden. Sie ermöglichen ebenso das spontane Reagieren auf bestimmte Ereignisse.

Ausstellungen

Seit 1986 fanden zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland statt, darunter:

Preise

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Was ist e/o. In: Entwerter/Oder.de. Uwe Warnke, Berlin, abgerufen am 13. September 2020.
  2. 1 2 3 Statistik. In: Entwerter/Oder.de. Uwe Warnke, Berlin, abgerufen am 13. September 2020.
  3. 1 2 3 Alle Sonderausgaben. In: Entwerter/Oder.de. Uwe Warnke, Berlin, abgerufen am 13. September 2020.
  4. ↑ Entwerter/Oder 100. In: Kunstbibliothek Berlin. Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, abgerufen am 13. September 2020.
  5. ↑ E/O 101. Abgerufen am 11. Januar 2022.
  6. ↑ Ausstellungen. In: Entwerter/Oder.de. Uwe Warnke, Berlin, abgerufen am 13. September 2020.
  7. ↑ Preisträger und Ausstellung. Übersicht der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des V.O. Stomp-Preises der Landeshauptstadt Mainz. Stadt Mainz, abgerufen am 13. September 2020.