Isthmus-Schrift

Die Isthmus-Schrift (engl. Isthmian script) ist eine frühe mesoamerikanische Schrift, die in den Jahrhunderten vor und nach Christi Geburt nördlich, nordwestlich und östlich des Isthmus von Tehuantepec verbreitet war. Die Schrift ist bisher nicht sicher entziffert, die zugrunde liegende Sprache (Epi-Olmec „Epi-Olmekisch“, ISO 639:3 [xep]) ist ebenfalls nicht zuverlässig bestimmt.

Struktur

Lange Zählung und zwei Textspalten (Ausschnitt) der Mojarra Stele 1

Die Schrift wird wie die ungefähr gleichzeitige Schrift von Monte Albán in Spalten geschrieben, die einzeln von oben nach unten gelesen werden. Die Zeichen können sowohl abstrakt sein als auch figürlich Gesichter, Tierköpfe und Objekte darstellen. Die Schrift beruhte vor allem auf Silbenzeichen, die teilweise mit Logogrammen kombiniert wurden; einige Zeichen sind nach Justeson und Kaufman (siehe weiter unten) reine Logogramme. Manche Inschriften enthalten eine Zahlenreihe, die sich in der Langen Zählung der Maya-Schrift lesen und auf europäische Daten umrechnen lässt. Darunter finden sich z. B. auf Stele C von Tres Zapotes Daten aus Baktun 7, die zu den frühesten Belegen der Langen Zählung in Mesoamerika gehören.

Funde

Tuxtla-Statuette
Obere Hälfte der Stele C von Tres Zapotes mit Anfang des Kalenderdatums

Die Zahl der Funde mit Inschriften, die der Isthmus-Schrift zuzuordnen sind, ist gering.

Entzifferungsversuch

Nicht nur die Schrift ist bisher nicht entziffert, auch die zugrunde liegende Sprache ist ebenfalls nicht sicher bestimmt.

Die beiden nordamerikanischen Sprachwissenschaftler John Justeson und Terrence Kaufman haben 1993 einen Entzifferungsversuch veröffentlicht, in dem sie postulierten, dass die Sprache der epi-olmekischen Schrift Prä-Proto-Zoque sei, eine frühe Sprache aus der Mixe-Zoque-Sprachfamilie. Später veröffentlichten sie auf der Grundlage eines neu entdeckten Teiles derselben Inschrift eine Bestätigung ihrer früheren Ergebnisse und eine sehr eingehende Zusammenfassung. Von anderen Spezialisten, insbesondere der Maya-Schrift, wurden die Ergebnisse der beiden Wissenschaftler stark in Zweifel gezogen.

In einem 2025 bewilligten mehrjährigen Forschungsprojekt der Universität Köln unter Leitung von Svenja Bonmann ist beabsichtigt, die Schrift im Hinblick auf drei indigene Sprachen bzw. Sprachfamilien, nämlich Mixe-Zoque, Otomangue und die Maya-Sprache Huastekisch hin zu analysieren.

Einzelnachweise

  1. ↑ Michael D. Coe: Cycle 7 Monuments in Middle America: A Reconsideration. In: American Anthropologist. Band 59, Nr. 4, 1957, ISSN 0002-7294.
  2. ↑ John S. Justeson, Terrence Kaufman: A Decipherment of Epi-Olmec Hieroglyphic Writing in Science, Vol. 259, 19 March 1993, S. 1703–11.
  3. ↑ John S. Justeson, Terrence Kaufman: A Newly Discovered Column in the Hieroglyphic Text on La Mojarra Stela 1: a Test of the Epi-Olmec Decipherment. In: Science, Vol. 277, 11 July 1997, S. 207–10.
  4. ↑ Terrence Kaufman, John Justeson: Epi-Olmec hieroglyphic writing and texts (2001) online (Memento des Originals vom 25. Mai 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF-Datei; 3,25 MB)
  5. ↑ Stephen Houston, Michael Coe Has Isthmian Writing Been Deciphered?. In Mexicon 25 (2004) S. 151–161. online (PDF; 1 kB)
  6. ↑ Universität zu Köln: Ein Schriftsystem entziffern: Millionenförderung für die Erforschung indigener Sprachen. 8. August 2025, abgerufen am 8. August 2025 (deutsch).