Equal-Earth-Projektion

Equal-Earth Projektion. 15° Gitter. Die Bilddarstellung ist eine Ableitung der zusammengesetzten Sommermonatsaufnahme „Blue Marble“ der NASA, wobei die Ozeane zur Verbesserung der Lesbarkeit und des Kontrasts aufgehellt wurden. Das Bild wurde mit der Kartografiesoftware Geocart erstellt.
Politische Weltkarte auf Grundlage der Equal-Earth-Projektion

Die Equal-Earth-Kartenprojektion ist eine pseudozylindrische Weltkartenprojektion, die im Jahr 2018 von Bojan Šavrič, Bernhard Jenny und Tom Patterson entwickelt wurde. Wie bei den meisten Weltkarten ist Norden oben und in der Standardversion der Nullmeridian in der Mitte dargestellt. Die Karte bewahrt die relativen Flächengrößen (Flächentreue) im Gegensatz zur Mercator-Projektion, die Flächen mit zunehmendem Abstand zum Äquator stark vergrößert. Andererseits vermeidet die Projektion die starken Formverzerrungen der flächentreuen Gall-Peters-Projektion und legt Wert auf ein insgesamt ansprechendes Erscheinungsbild. Als ästhetisches Vorbild diente die Robinson-Projektion, die nicht flächentreu ist, deren Umriss aber fast identisch von der Equal-Earth-Projektion genutzt wird. Die Größenverhältnisse der Equal-Earth-Projektion sind leicht umzusetzen und schnell zu bewerten.

Im September 2026 stimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen dafür, die der Mercator-Projektion innewohnenden Verzerrungen anzuerkennen und flächengetreue Kartenprojektionen, insbesondere die Equal-Earth-Projektion, zu fördern. 164 Länder stimmten dafür, sechs Länder enthielten sich der Stimme und nur die Vereinigten Staaten stimmten gegen die Resolution.

Eigenschaften

Die Eigenschaften der Equal-Earth-Projektion umfassen:

Entwicklungsgeschichte

Laut den Entwicklern wurde die Projektion als Reaktion auf die Entscheidung der öffentlichen Schulen in Boston entwickelt, im März 2017 die Gall-Peters-Projektion für Weltkarten einzuführen, um die relativen Größen der äquatorialen und nichtäquatorialen Regionen genau darzustellen. Diese Entscheidung löste in der Welt der Kartografie Kontroversen aus, da diese Projektion zu extremen Verzerrungen vor allem in den Polarregionen führt. Zu diesem Zeitpunkt suchten Šavrič, Jenny und Patterson nach alternativen Kartenprojektionen mit gleichen Flächen für Weltkarten, konnten jedoch keine finden, die ihren ästhetischen Kriterien entsprachen. Daher schufen sie eine neue Projektion, die im Vergleich zu bestehenden Projektionen mit gleichen Flächen visuell ansprechender war.

Wie bei der früheren, nicht flächentreuen Natural-Earth-Projektion von Patterson aus dem Jahr 2012 wurden die Parameter der Projektion mithilfe einer visuellen Methode ausgewählt. Als Grundlage diente eine Kombination aus der Pʹ4-Projektion des lettischen Kartographen Reinholds V. Putniņš aus dem Jahr 1934 und der Eckert-IV-Projektion von Max Eckert-Greifendorff aus dem Jahr 1906. Die mathematischen Formeln für die Projektion wurden aus einem Polynom abgeleitet, das zur Definition des Abstands der Breitengrade verwendet wurde.

Formeln

Equal-Earth-Projektion mit 10°-Gitternetz: Darstellung der Verzerrung mithilfe von Tissot-Indikatoren

Die projizierten Koordinaten und ergeben sich aus der geographischen Länge und Breite durch die folgenden Gleichungen:

Darin ist eine „parametrische Breite“, die sich aus dem Breitengrad über die Beziehung ergibt. bis sind Polynomkoeffizienten und haben die Werte und.

Förderung der Nutzung durch die Vereinten Nationen

Die Equal-Earth-Projektion im Vergleich zu ähnlichen flächentreuen polyzylindrischen Projektionen
Vergleich der Mercator- (oben) mit der Equal-Earth-Projektion (unten)

Die erste bekannte thematische Karte, die unter Verwendung der Equal-Earth-Projektion veröffentlicht wurde, war eine Karte der globalen mittleren Temperaturabweichung für Juli 2018, die vom Goddard Institute for Space Studies der NASA erstellt wurde.

Die Kampagne „Correct the Map“, unterstützt von der Afrikanischen Union und der Karibischen Gemeinschaft, hat eine breitere Anwendung der Equal-Earth-Projektion als Alternative zur Mercator-Projektion gefordert.

Die UN-Vollversammlung stimmte am 4. September 2026 auf ihrer 80. Tagung der 114. Plenarsitzung der von Togo und der Afrikanischen Union eingebrachten Resolution A/80/L.104 zu, nach der künftig die Equal-Earth-Projektion verwendet werden soll. Internationale Organisationen und Staaten wurden dazu aufgerufen, dies ebenfalls zu tun. 164 Staaten stimmten für die Resolution und nur die Vereinigten Staaten dagegen, sechs weitere Nationen (Estland, Georgien, Litauen, Moldau, Serbien und die Ukraine) enthielten sich.

Im Rahmen der Abstimmung kamen die zahlreichen Territorialkonflikte auf der Welt mehr oder wenig explizit zur Sprache. Der UN-Vertreter der Ukraine Andrij Melnyk betonte, dass die Ukraine grundsätzlich eine gerechte und wissenschaftlich fundierte Projektion unterstütze, dass die präsentierte Karte aber die von Russland besetzten Gebiete der Ukraine nicht in einer dem Völkerrecht entsprechenden Weise als eindeutig zur Ukraine gehörig darstelle. Die Vertreterin Irlands erklärte stellvertretend für die Europäische Union, dass die EU grundsätzlich die neue Projektion begrüße, dass aber damit keinerlei implizite Anerkennung von darauf gezogenen Grenzen verbunden sei. Dies betonten auch die Vertreterin Neuseelands, Victoria Hallum, die auch für Australien und Kanada sprach, und der Vertreter Liechtensteins, der seine Erklärung auch für Norwegen und Island abgab. Der Vertreter Großbritanniens äußerte sich in gleicher Weise und thematisierte ausdrücklich den Status der Krim, die völkerrechtlich weiter zur Ukraine gehöre und durch Russland in einem Akt der Aggression annektiert worden sei. Die Vertreterin Russlands, die zuvor Russland als Vorreiter der Dekolonisierung beschrieben hatte, erwiderte daraufhin, dass die oben angesprochenen Territorien jahrhundertelang Teil Russlands gewesen seien und dass ihre Bewohner ihren Wunsch, zu Russland zu gehören, in drei Referenden (gemeint waren die Referenden auf der Krim und im Osten der Ukraine) zum Ausdruck gebracht hätten. Melnyk antwortete darauf, dass die internationale Staatengemeinschaft die besetzten Territorien niemals als Bestandteil Russlands anerkennen werde und sprach die Warnung an die UN-Vollversammlung aus, dass entsprechende Resolutionen keinen Ansatzpunkt dafür liefern dürften.

Der Vertreter Serbiens, Vuk Jeremić, begründete seine Enthaltung ebenfalls mit Vorbehalten bezüglich der auf der Weltkarte gezogenen Grenzen – nicht explizit genannt, aber gemeint war wohl die von Serbien nicht anerkannte Unabhängigkeit des Kosovo. Die Vertreterin der Republik Zypern betonte ebenfalls, dass die Resolution ausschließlich die Kartenprojektion und nicht die Anerkennung irgendwelcher Grenzen auf der Karte betreffe – implizit angesprochen war damit der Zypernkonflikt. Auch die Vertreter Pakistans (Kaschmir-Konflikt) und der Philippinen (Territorialkonflikte im Südchinesischen Meer) äußerten sich entsprechend, ohne aber die Streitpunkte direkt zu benennen.

Siehe auch

Commons: Equal-Earth-Projektion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Equal Earth projection. In: shadedrelief.com. Abgerufen am 23. August 2018 (englisch).
  2. 1 2 Aurelio Morales: La nueva proyección Equal Earth: todo lo que debes saber. MappingGIS, abgerufen am 24. Januar 2020 (spanisch).
  3. 1 2 3 Bojan Šavrič, Tom Patterson, Bernhard Jenny: The Equal Earth map projection. In: International Journal of Geographical Information Science. 33. Jahrgang, Nr. 3, 7. August 2018, S. 454–465, doi:10.1080/13658816.2018.1504949 (englisch, researchgate.net).
  4. ↑ Jaroslav Lukiv: What different world maps get right - and what they get wrong. BBC, 5. September 2026, abgerufen am 6. September 2026.
  5. ↑ Equal Earth: un mapamundi más preciso que muestra el tamaño real de África. N+1, 22. August 2018, archiviert vom Original am 24. Januar 2020; abgerufen am 24. Januar 2020 (spanisch).
  6. ↑ Equal Earth: Idean un nuevo mapa del mundo basado en un mapa del 1569. Código Oculto, abgerufen am 24. Januar 2020 (spanisch).
  7. ↑ Colección cartográfica – La proyección Equal-Earth. In: visionscarto. Abgerufen am 24. Januar 2020 (spanisch).
  8. ↑ Putnins P′4
  9. ↑ Catarina Demony, Ayendeng Bior: African Union urges adoption of world map showing continent's true size. In: Reuters. 15. August 2025, abgerufen am 15. August 2025 (englisch).
  10. ↑ A/80/L.104. In: docs.un.org. Abgerufen am 6. September 2026 (arabisch, chinesisch (vereinfacht), englisch, französisch, russisch, spanisch).
  11. ↑ UN tells the world: Stop making Africa look small. In: UN News (news.un.org). 4. September 2026, abgerufen am 5. September 2026 (englisch).
  12. ↑ Reform der Weltkarten: UN-Vollversammlung stimmt für Ende der Mercator-Weltkarte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. September 2026, abgerufen am 4. September 2026.
  13. ↑ Vereinte Nationen stimmen auf Antrag Togos für Reform der Weltkarte. spiegel.de, abgerufen am 5. September 2026.
  14. ↑ Vereinte Nationen stimmen auf Antrag Togos für Reform der Weltkarte. In: spiegel.de. 5. September 2026, abgerufen am 6. September 2026.
  15. ↑ UN stimmen für neue Weltkarte - Afrika größer dargestellt. In: tagesschau.de. Abgerufen am 7. September 2026.
  16. 1 2 General Assembly: 114th Plenary meeting, 80th session. In: UN TV (webtv.un.org). 4. September 2026, abgerufen am 5. September 2026 (englisch, Videoaufnahme der Sitzung der Plenarversammlung).