Equitable-Palast

Equitable-Palast, 1898

Der Equitable-Palast war ein historistisches Büro- und Geschäftshaus in Berlin, auf dem Eckgrundstück Leipziger Straße 101/102 / Friedrichstraße 59/60 in der Friedrichstadt. Es wurde 1888–1890 nach Entwurf des Berliner Architekten Carl Schäfer für die 1859 gegründete, in New York ansässige The Equitable Life Assurance Society of the United States errichtet. Außerdem sollte das Gebäude als Warenhaus dienen, Wohnungen enthielt es nicht. Aus den erhaltenen Entwürfen geht hervor, dass das Gebäude eine Länge von 45 m, eine Breite von 27 m und eine Höhe bis zur Dachtraufe von 22 m hatte.

Das Haus überstand die Bombardierungen während des Zweiten Weltkriegs mit relativ geringen Schäden. Eine Aufnahme aus der Fotosammlung von Harry Croner, die im Stadtmuseum Berlin aufbewahrt wird, zeigt den Equitable-Palast im Jahr 1951. Abgerissen wurde das Haus erst in der Nachkriegszeit.

Architektur

Die Fassaden des Gebäudes bestanden vom Sockel bis zur Traufe aus geschliffenen Granitquadern, auch die Gliederungen waren überwiegend aus poliertem Granit gefertigt. Die Modelle für den ornamentalen Schmuck wurden vom Berliner Bildhauer Otto Lessing angefertigt, die Bronzeguss-Elemente wurden von der Aktiengesellschaft Gladenbeck ausgeführt. Im Oktober 1890 waren die Schmuckteile an der Fassade noch unvollständig, beispielsweise fehlten die Ornamente an einzelnen Teilen des oberen Eckaufbaus; dazu gehörten die Fläche über dem Hauptbogen, das große Schild des Kuppelunterbaus und die seitlichen Obelisken. Die Saaldecken ruhten auf polierten Syenitpfeilern.

Für den Dachstuhl wurde eine Eisenkonstruktion eingesetzt. Durch die Verwendung von Stein und Eisen sollte eine absolute Feuerfestigkeit des Gebäudes erreicht werden. Das Erdgeschoss war für Verkaufsräume vorgesehen. In den ersten drei Obergeschossen befanden sich Geschäftsräume, von denen einige bis zu 600 m² groß waren und gemietet werden konnten. Im zweiten Obergeschoss lagen die Büros der Niederlassung der Equitable-Versicherungsgesellschaft, dazu gehörte auch ein Sitzungssaal für den Verwaltungsrat. Die Einrichtung dieses Saals im Stil des Rokoko folgte einem Entwurf von Schäfer und wurde von der Mainzer Möbelfabrik Bembé ausgeführt. Daneben gab es im zweiten Obergeschoss weitere Geschäftsräume zur Anmietung. Im vierten Obergeschoss befanden sich Büroräume, die ebenfalls angemietet werden konnten. Fensterrahmen, Türfüllungen und Wandschränke waren in Eichenholz ausgeführt. Die Foyers, Flure und Treppenhäuser waren mit Marmor verkleidet. Auch für alle Treppen wurde Marmor verwendet.

Es gab vier Personen- und zwei Waren-Aufzüge, die von der Crane Elevator Company (Chicago) gebaut wurden. Jeder Aufzug hatte eine sechsfache Drahtseil-Sicherung. Die Beförderung vom Erdgeschoss bis ins vierte Obergeschoss dauerte 18 Sekunden. Pro Minute war mindestens ein Fahrstuhl abfahrbereit.

In jedem Saal befanden sich große Waschtische in Bronzeguss und Marmor. Außerdem standen zur Erhöhung des Brandschutzes in allen Sälen zusätzliche Wasserleitungen und Wasserschläuche zur Verfügung. Sämtliche Räume des Hauses wurden durch eine Zentralheizungsanlage beheizt. Die Energie für die elektrische Beleuchtung des Gebäudes wurde durch einen eigenen Generator im Haus selbst erzeugt. Die Dampfmaschinen zum Antrieb der Generatoren stammten von der Maschinenfabrik Buckau R. Wolf. Für die Belüftung der Räume standen mehrere Ventilatoren zur Verfügung. Die Rolljalousien der Verkaufsläden im Erdgeschoss wurden zentral von der Portierloge aus über ein pneumatisches und hydraulisches System geöffnet und geschlossen.

Geschäfte, Büros, Veranstaltungen und Cafés im Equitable-Palast

Bereits ab August 1889 wurden erste Geschäftsräume zur Miete angeboten und konnten ab 1. Oktober 1889, also noch vor der endgültigen Fertigstellung des Gebäudes, bezogen werden.

Zu den ersten Mietern gehörten eine Tabakwarenfiliale von Loeser & Wolff und Josef Rodenstock mit einem Geschäft für optische Geräte, dieses Geschäft bestand noch 1943. Die AG für Monierbauten vorm. G. A. Wayss & Co. richtete Anfang 1892 ein Zweigbüro im Equitable-Palast ein.

Nachdem die Ausstellung mit 55 Werken Edvard Munchs im November 1892 in Berlin einen Skandal ausgelöst hatte, kam diese Ausstellung nach Stationen in Düsseldorf und Köln ein zweites Mal nach Berlin. Dazu wurden von der Galerie Eduard Schulte Räume im Equitable-Palast angemietet. Die erneute Ausstellung war um 15 Zeichnungen und Munchs neu geschaffenes Porträt August Strindbergs erweitert worden. Sie wurde am 26. Dezember 1892 eröffnet, am 23. und 24. Dezember mit einer Vorbesichtigung für die Presse, und bis Januar 1893 gezeigt.

Alfred Apfel ließ sich im Mai 1910 als Rechtsanwalt in Berlin nieder; er eröffnete sein Büro im Equitable-Palast.

1895 eröffnete der Billardmeister Hugo Kerkau im 1. Obergeschoss des Equitable-Palasts eine Billardakademie mit 20 Billardtischen. Das dazugehörige Restaurant Café Kerkau gehörte Gottfried Kerkau, dem Vater Hugo Kerkaus. Die Berliner Schachgesellschaft 1827 Eckbauer hatte von 1902 bis 1909 im Café Kerkau ihr Spiellokal.

1909 wurde das Café Kerkau von Robert Zielka, Paul Götting und Berthold Sachs übernommen. Die Räume der Billardakademie wurden zu einem Billardcafé umgestaltet. Bereits nach einem Jahr wurden weitere Räume im gleichen Geschoss angemietet. 1912 wurde Robert Zielka alleiniger Inhaber des Cafés. Das Café erreichte unter dem Namen Café Zielka von den 1910er bis Anfang der 1920er Jahre einen weltweiten Ruhm.

Das Café Zielka wurde bald so beliebt, dass Zielka noch Räume im zweiten Obergeschoss anmieten konnte, um Platz für weitere Billardtische zu haben. Diese Räume ließ er als große Säle ausbauen. Mit der Ausstattung von 50 Billardtischen gestaltete er das Café zum größten Billardcafé der Welt. Auch den Hauptsaal im ersten Obergeschoss ließ er vergrößern und zu einem Konzertsaal ausbauen. Er engagierte Konzertorchester und bot in wechselnden Unterhaltungsprogrammen Kleinkunst-, Kabarett- und Varietéveranstaltungen an. In einer Veranstaltung unter dem Motto Heitere Spiele trat auch der Schauspieler Leopold von Ledebur als Gast auf.

Nach überstandener Inflationszeit musste Zielka im November 1924 Konkurs anmelden. Den vorläufigen Weiterbetrieb übernahm eine neugegründete Kaffeehaus-GmbH. Der Name Café Zielka wurde zunächst beibehalten. Ab 1926 wurde es unter dem Namen Café Equitable-Palast oder auch Café E. P. geführt. Es folgten mehrere Eigentümerwechsel, im Sommer 1928 war das Café für kurze Zeit geschlossen.

Im April 1929 zog das Café Moka Efti in die Räume ein. Eigentümer war zunächst die Deutsche Orient-Kaffee AG in Berlin. Im Oktober 1929 erfolgte der Handelsregister-Eintrag der Moka Efti-Dorag Betriebs-Aktiengesellschaft, die auch das Café Moka Efti im Equitable-Palast übernahm. Das Café Moka-Efti hatte als einer der ersten Berliner Gastronomiebetriebe eine öffentlich zugängliche Rolltreppe als Verbindung vom ersten ins zweite Obergeschoss. Der Journalist Siegfried Kracauer erwähnte Anfang 1932 die Rolltreppe und die „orientalisierende“ Inneneinrichtung in einem satirischen Text über die Gastronomie-Szene in der Reichshauptstadt:

„Eine Rolltreppe, zu deren Funktionen es vermutlich gehört, den leichten Aufstieg in die höheren Schichten zu versinnbildlichen, befördert immer neue Scharen unmittelbar nach dem Orient, den Säulen und Haremsgitter markieren.“

Auch für Schachspieler spielten die Cafés Kerkau, Zielka, E.P. und Moka Efti eine wichtige Rolle, insbesondere ab Ende 1924 entwickelte sich das Café zu einem wichtigen Schachlokal. Bis 1928 fanden regelmäßig Schachturniere statt, später wurden im Café Moka Efti ebenfalls Schachturniere durchgeführt.

Am 1. Juni 1934 wurde die Moka Efti-Dorag Betriebs-AG aus dem Handelsregister gelöscht. Das Berliner Adressbuch für 1943 führte unter der Adresse des Equitable-Palastes unter anderem ein Tanzkaffee der Reformkaffeehausbetriebe GmbH auf.

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Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Blätter für Architektur und Kunsthandwerk, 3. Jahrgang 1890, Nr. 10 (vom 1. Oktober 1890), S. 1 (Digitalisat bei der ZLB), Tafel 91 und Tafel 92 (Abbildungen).
  2. ↑ Schäfer lehrte bis 1894 an der Technischen Hochschule (Berlin-)Charlottenburg und betrieb daneben von 1887 bis 1894 ein Architekturbüro in Gemeinschaft mit Hugo Hartung; warum Hartung jedoch in den zeitgenössischen Quellen zum Equitable-Palast nicht genannt wird, ist unklar.
  3. 1 2 3 Der Equitable-Palast. In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung vom 21. Juni 1891, Morgenausgabe, S. 17. (Digitalisat auf deutsche-digitale-bibliothek.de)
  4. ↑ Schäfer & Hartung: Equitable-Versicherungshaus,
    Grundriss Erdgeschoss, Inventar-Nr. 15270,
    Grundriss 3. Obergeschoss, Inventar-Nr. 15271,
    Detailplan der Fassade, Inventar-Nr. 15272,
    Eck- und Seitenansicht, Inventar-Nr. 15274
    beim Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin; abgerufen am 7. Juli 2024.
  5. ↑ Harry Croner: Friedrichstraße 59/60, 1951 in der Sammlung des Stadtmuseums Berlin, Inventar-Nr. CronerNeg 115. Abgerufen am 8. Juli 2024.
  6. ↑ Berlin – Fotos aus der Nachkriegszeit. Stadtbild Deutschland; abgerufen am 8. Juli 2024.
  7. ↑ Berliner Börsen-Zeitung vom 8. Dezember 1888, Morgenausgabe, S. 8. (Digitalisat bei ZEFYS)
  8. ↑ Wilhelm Cremer: Der innere Ausbau. Band 2, Wasmuth, Berlin 1892/1894, Tafel 166. (Digitalisat bei der Universitätsbibliothek der TU Berlin)
  9. ↑ Dampfmaschinen im Prachtbau der „Equitable“ in Berlin. Prospekt der Buckau-Werke Magdeburg (Digitalisat der Stiftung Deutsches Historisches Museum Berlin, abgerufen am 7. Juli 2024)
  10. ↑ Berliner Börsen-Zeitung vom 7. August 1889, Morgenausgabe, S. 12. (Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, abgerufen am 17. Juli 2024)
  11. ↑ Leipzigerstraße 101, 102. In: Berliner Adreßbuch, 1891, Teil 2, S. 284.
  12. 1 2 Leipziger Straße 101, 102. In: Berliner Adreßbuch, 1943, Teil 4, S. 497.
  13. ↑ Berliner Börsen-Zeitung vom 15. Februar 1892, Abendausgabe, S. 15. (Digitalisat bei ZEFYS)
  14. ↑ Berliner Tageblatt, Nr. 650 vom 22. Dezember 1892, Morgenausgabe, S. 3. (Digitalisat bei ZEFYS)
  15. ↑ Berliner Tageblatt, Nr. 624 vom 8. Dezember 1892, Morgenausgabe, S. 5. (Digitalisat bei ZEFYS)
  16. ↑ Iris Müller-Westermann: Edvard Munch. Die Selbstbildnisse. Schirmer/Mosel, München 2005, ISBN 3-8296-0198-0, S. 56, Anmerkung 5.
  17. ↑ Berliner Tageszeitung und Handelsblatt vom 1. Mai 1910, Sonntagsausgabe, S. 11. (Digitalisat bei ZEFYS).
  18. ↑ Norddeutsche allgemeine Zeitung vom 15. Dezember 1895, Morgenausgabe, S. 6. (Digitalisat bei ZEFYS)
  19. ↑ Vorwärts vom 24. Oktober 1900, S. 6. (fes.de)
  20. 1 2 3 Pulsierendes Schachleben: Berliner Schachcafés 1920–1933. In: de.chessbase.com. 10. März 2020, abgerufen am 5. Juli 2024.
  21. ↑ Berliner Tageblatt und Handelszeitung vom 22. Mai 1909, Abendausgabe, S. 5. (Digitalisat bei ZEFYS)
  22. 1 2 Vorwärts vom 31. Juli 1919, S. 7. (fes.de)
  23. ↑ Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung vom 13. November 1912, Abendausgabe, S. 11. (Digitalisat bei ZEFYS)
  24. ↑ Hallische Nachrichten, General-Anzeiger für Halle und die Provinz Sachsen vom 29. Dezember 1926. (Digitalisat auf deutsche-digitale-bibliothek.de)
  25. ↑ Alan McGowan: La vida animada en los cafés de ajedrez de Berlín entre los años 1920–1933. auf chessbase.com, abgerufen am 8. Juli 2024.
  26. ↑ Berliner Tageblatt und Handelszeitung vom 8. Januar 1922, Morgenausgabe, S. 24. (Digitalisat bei ZEFYS)
  27. ↑ Deutsche Allgemeine Zeitung vom 15. November 1924, Morgenblatt. (Digitalisat bei ZEFYS)
  28. ↑ Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung vom 20. April 1926, Morgenausgabe, S. 16. (Digitalisat bei ZEFYS)
  29. ↑ Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung vom 19. August 1928, Morgenausgabe, S. 26. (Digitalisat bei ZEFYS)
  30. ↑ Berliner Börsen-Zeitung vom 23. Oktober 1929, Abendausgabe, S. 8. (Digitalisat bei ZEFYS)
  31. ↑ Café Moka-Efti beim Werkbundarchiv – Museum der Dinge, abgerufen am 8. Juli 2024.
  32. ↑ Frankfurter Zeitung, Abendblatt, Nr. 132/133 vom 19. Februar 1932, S. 1 f.
  33. ↑ Berliner Börsen-Zeitung vom 23. Oktober 1929, Abendausgabe. (Digitalisat auf deutsche-digitale-bibliothek.de)
  34. ↑ Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Nr. 131 vom 8. Juni 1934, S. 21. (Digitalisat bei der Universitätsbibliothek Mannheim)

Koordinaten: 52° 30′ 37,8″ N, 13° 23′ 24,6″ O