Erika Freeman

Beim Fest der Freude 2022 in Wien

Erika Padan Freeman (geboren als Erika Polesiuk am 1. Juli 1927 in Wien) ist eine US-amerikanisch-österreichische Psychoanalytikerin.

Leben

Emigration und Berufsleben

Erika Freeman wurde 1927, als Tochter des Arztes Arthur Polesiuk und der Hebräischlehrerin Rachel Polesiuk (geb. Grau, 1895–1945) in Wien geboren und von ihren Eltern im Alter von 12 Jahren zu Verwandten nach New York geschickt, um sie als Jüdin vor dem Naziregime zu retten. Dort studierte sie an der Columbia University und wurde zu einer hoch angesehenen Psychoanalytikerin. Sie beriet viele Politiker wie etwa die ehemalige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir und wurde zur mentalen Stütze diverser Hollywoodlegenden wie etwa Marilyn Monroe, Marlon Brando oder Woody Allen.

Letztlich wurde Erika Freeman selbst ein Star: Sie war Dauergast in den US-Talkshows der 1970er Jahre und wurde fast zu jedem Ereignis als Psychoanalytikerin befragt. Im hohen Alter näherte sie sich auch ihrer alten Heimat Österreich wieder an und setzt sich als Zeitzeugin unermüdlich gegen das Vergessen ein.

Ihre Mutter überlebte die Judenverfolgung in Wien als „U-Boot“, starb aber am 12. März 1945 gemeinsam mit ihrer zweiten Tochter bei der Bombardierung des Philipphofs in den letzten Kriegswochen. Ihr Vater war Sozialdemokrat und konnte aus dem KZ Theresienstadt in die USA fliehen, wo Erika den Totgeglaubten einige Jahre später durch Zufall traf.

Sie studierte Psychologie an der Columbia University, wo der aus Wien geflohene Psychoanalytiker und Freudschüler Theodor Reik einer ihrer Lehrer war. Mit Reik veröffentlichte sie einen Band mit Gesprächsprotokollen über die Psychoanalyse. Sie wurde mit einer Dissertation über die Stellung der Familie im Kibbutz promoviert. Ihre Tante, die Zionistin Ruth Klüger-Aliav, half ihr bei ihrem beruflichen Start in New York. Polesiuk hebräisierte ihren Namen zu Padan und heiratete 1954 den Maler, Grafiker, Bildhauer und Kalligrafen Paul K. Freeman (1929–1980).

Engagement in Österreich

Erika Freeman beim Ukraine-Benefizkonzert 2022 in Wien

Für das österreichische Erinnerungsprojekt A Letter To The Stars fuhr Erika Freeman seit 2007 immer wieder nach Österreich und setzte sich als Zeitzeugin gegen das Vergessen ein.

Am 2. Januar 2020 sprach Erika Freeman mit Markus Kupferblum im Falter-Radio-Podcast über Wunder und Liebe, ihre Arbeit als Psychoanalytikerin in New York und Hollywood und ihre zahlreichen Weggefährten.

Zu ihrem 95. Geburtstag nahm sie im Jahr 2022 die österreichische Staatsbürgerschaft an. Seither ist Freeman US-amerikanisch-österreichische Doppelstaatsbürgerin. Im November 2022 schenkte sie mehrere persönliche Erinnerungsstücke an das Haus der Geschichte Österreich und durfte die üblicherweise versperrte Altane betreten, auf der Adolf Hitler 1938 den „Anschluss“ verkündet hatte. Im Februar 2024 wurde sie zur Ehrenbürgerin der Stadt Wien ernannt.

Erika Freeman lebt mittlerweile wieder in Wien, konkret im Hotel Imperial.

Schriften

Auszeichnungen

Literatur

Commons: Erika Freeman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Toni Faber schreibt in seiner Kolumne in der österreichischen Tageszeitung „Kurier“ am 16. März 2025 (Printausgabe S. 27, Pressreader): "Im Leben braucht es auch 'ein bisschen Masl', resümiert die knapp Hundertjährige. Sie hat selbst erlebt: Was sich zunächst wie eine Katastrophe anfühlt, kann sich doch als Glück erweisen: Mit zwölf wurde sie von ihrer jüdischen Familie getrennt, in der Hoffnung, sie würde bei Verwandten in den USA überleben. Das tat sie - ihre Mutter und Schwester hingegen fielen einem der letzten Bombenangriffe zum Opfer, zusammen mit rund 300 BewohnerInnen des Philippshofs [sic!] am Albertinaplatz. Auch nach rund 80 Jahren fühlt Erika Freeman den Schmerz der Zwölfjährigen, die sich weggeschickt fühlte und deshalb ihrer Mutter aus dem Zug heraus nicht zugewunken hat. (...) An ihrem 95. Geburtstag erhielt sie zum zweiten Mal die österreichische Staatsbürgerschaft, im Vorjahr wurde sie zur Ehrenbürgerin von Wien ernannt. Seit fünf Jahren wohnt sie im Hotel Imperial - als späte Rache an Hitler und seinem dortigen Aufenthalt 1938."
  2. ↑ „Wunder geschehen – man weiß nur nicht wann“ – #445. In: falter.at. 2. Januar 2021, abgerufen am 17. August 2021.
  3. ↑ NS-Vertriebe Erika Freeman betrat „Hitler-Balkon“. In: Salzburger Nachrichten. Salzburger Nachrichten Verlagsgesellschaft m.b.H. & Co KG, 7. November 2022, abgerufen am 7. November 2022.
  4. ↑ NS-Vertriebene Erika Freeman auf dem Balkon der Hofburg: „Rache an Hitler“. In: derstandard.at. 8. November 2022, abgerufen am 8. November 2022.
  5. ↑ Presseaussendung zur Ehrenbürgerschaft für Erika Freeman
  6. ↑ Erika Freeman zur Ehrenbürgerin der Stadt Wien ernannt. In: Salzburger Nachrichten/APA. 12. Februar 2024, abgerufen am 16. Februar 2024.
Personendaten
NAME Freeman, Erika
ALTERNATIVNAMEN Padan, Erika; Padan Freeman, Erika (vollständiger Name); Polesiuk, Erika (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG austroamerikanische Psychoanalytikerin
GEBURTSDATUM 1. Juli 1927
GEBURTSORT Wien