Erika Kustatscher

Erika Kustatscher (* 1963 in Brixen) ist eine italienische Archivarin und Historikerin aus Südtirol.

Kustatscher besuchte das Humanistische Gymnasium des Vinzentinums in Brixen und studierte anschließend an der Universität Innsbruck Geschichte, Germanistik und Klassische Philologie. 1987 promovierte sie mit einer Dissertation über die Herren von Taufers. Von 1988 bis 1990 war sie am Südtiroler Landesarchiv tätig und absolvierte parallel dazu am Staatsarchiv Bozen eine Ausbildung in Paläografie, Diplomatik und Archivkunde. 1990 nahm sie ihre Tätigkeit als Gymnasiallehrerin auf.

Ihre wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Sozialgeschichte, Kirchengeschichte und Quellenedition mit Bezug zur Tiroler Landesgeschichte. Kustatscher wurde 1994 für ihre Leistungen mit dem Förderpreis Walther von der Vogelweide des Südtiroler Kulturinstituts, 1996 mit dem Förderungspreis des Tiroler Landespreises für Wissenschaft sowie 2002 mit dem Theodor-Körner-Förderungspreis ausgezeichnet und war 2011 Lehrbeauftragte an der Universität Innsbruck am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie.

Im Rahmen der Erstellung gemeinsamer Schulbücher für den Geschichtsunterricht aller drei Südtiroler Sprachgruppen wurde Kustatscher zusammen mit Carlo Romeo mit der Erarbeitung des ersten Bands der Reihe Übergänge und Perspektiven, der 2010 erschien und die Zeit bis zum Spätmittelalter behandelt, beauftragt. Ebenfalls beteiligt war sie am zweiten Band, der die Südtiroler Geschichte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs umfasst.

2014 erlangte Kustatscher in Innsbruck ihre Habilitation. Seit 2017 leitet sie das Diözesanarchiv Brixen im Auftrag der Kurie Bozen-Brixen; sie übernahm damit die Nachfolge von Eduard Scheiber. Im Kontext ihres Leitungsauftrags wurde 2025 von der mit der Erstellung eines Gutachtens zum sexuellen Missbrauch im kirchlichen Bereich betrauten Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl empfohlen, Kustatscher möge die „Defizite der Archivierung innerhalb der Diözese“ beheben. Auch gehört sie dem Verwaltungsrat der Südtiroler katholischen Kommission für kirchliche Kunst und Kulturgüter an.

Publikationen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Dissertation von Erika Kustatscher (Universität Innsbruck, 1987)
  2. 1 2 Dr. Erika Kustatscher; Carlo Romeo. Universität Innsbruck – Institut für Geschichtswissenschaften und Ethnologie, abgerufen am 30. Mai 2012.
  3. ↑ Zweites gemeinsames Geschichtsbuch vorgestellt. Südtirol Online, archiviert vom Original am 24. September 2011; abgerufen am 30. Mai 2012.
  4. ↑ Uni Innsbruck feiert Habilitationen. Universität Innsbruck, 13. Mai 2014, abgerufen am 9. April 2017.
  5. ↑ Meldung der Tageszeitung Dolomiten vom 30. März 2017, S. 18: „Diözese: Neue Gesichter an der Spitze der Ämter“.
  6. ↑ Westpfahl Spilker Wastl Rechtsanwälte Partnerschaft mbB: Sexueller Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker im Bereich der Diözese Bozen-Brixen von 1964 bis 2023. Gutachten vom 20. Januar 2025 (PDF), S. 282–283 (Abschnitt „Archivierung“)
  7. ↑ Folium dioecesanum Bauzanense–Brixinense, Annus LIX, Martius-Aprilis 2023, Nr. 2. Kurie Bozen-Brixen, 1. April 2023, S. 91, abgerufen am 23. Juni 2023.
  8. ↑ Vgl. hierzu die Besprechung von Hans Heiss in: Geschichte und Region/Storia e regione 2, 1993, H. 2, S. 234–239 (PDF).
  9. ↑ Vgl. hierzu die Besprechung von Margret Friedrich in: Geschichte und Region/Storia e regione 7, 1998, S. 211–216 (PDF)
  10. ↑ Vgl. hierzu Miloslav Szabó: Rezension auf H-Soz-u-Kult, 19. Oktober 2018.
Personendaten
NAME Kustatscher, Erika
KURZBESCHREIBUNG italienische Historikerin (Südtirol)
GEBURTSDATUM 1963
GEBURTSORT Brixen