| Erms | ||
|
| ||
| Daten | ||
| Gewässerkennzahl | DE: 238176 | |
| Lage | Schwäbische Alb
| |
| Flusssystem | Rhein | |
| Abfluss über | Neckar → Rhein → Nordsee | |
| Quellgebiet | bei Bad Urach-Seeburg (Mühltal und Fischburgtal) 48° 26′ 31″ N, 9° 28′ 10″ O | |
| Quellhöhe | 617 m ü. NHN | |
| Quellschüttung | MNQ MQ MHQ |
67 l/s 335 l/s 1 m³/s |
| Mündung | in Neckartenzlingen von rechts in den NeckarKoordinaten: 48° 35′ 35″ N, 9° 14′ 11″ O 48° 35′ 35″ N, 9° 14′ 11″ O | |
| Mündungshöhe | 285,4 m ü. NHN | |
| Höhenunterschied | 331,6 m | |
| Sohlgefälle | 10 ‰ | |
| Länge | 32,4 km einschließlich des Trailfinger Bachs ab der Kläranlage von Münsingen-Trailfingen, ca. 2,0 km aufwärts des Ermsursprungs | |
| Einzugsgebiet | 179,178 km² | |
| Abfluss am Pegel Riederich AEo: 160 km² Lage: 5,1 km oberhalb der Mündung |
NNQ (29. Juli 1923) MNQ 1923–2009 MQ 1923–2009 Mq 1923–2009 MHQ 1923–2009 HHQ (30. September 1938) |
70 l/s 944 l/s 3,04 m³/s 19 l/(s km²) 22 m³/s 73,2 m³/s |
| Abfluss an der Mündung AEo: 178,9 km² |
MQ Mq |
3,253 m³/s 18,2 l/(s km²) |
| Linke Nebenflüsse | Brühlbach u. a. | |
| Rechte Nebenflüsse | Elsach u. a. | |
![]() (Daten aus Wikidata und OSM) | ||
Die Erms (lat. Armissia) ist ein 32,7 Kilometer langer, überwiegend nordwestlich ausgerichteter, rechter Nebenfluss des Neckars in Baden-Württemberg. Sie entspringt im Norden der mittleren Schwäbischen Alb, durchfließt das nach ihr benannte Ermstal und mündet im Albvorland. Der Fluss und seine Nebengewässer haben ein mächtiges Stirnseitental in die Front des Albtraufs eingeschnitten.
Der Name der Erms geht zurück auf das römische Armis(s)a, welches selbst wiederum möglicherweise vorrömische Ausgangspunkte hat. Der Name könnte sich von der uridg. Verbalwurzel *h²er- für 'sich (zusammen)fügen' ableiten. Demnach wäre das Benennungsmotiv die zahlreichen Zuflüsse der Erms gewesen.

Die als „Ermsursprung“ bezeichnete Quelle befindet sich knapp einen Kilometer südöstlich des zu Bad Urach gehörenden Dorfes Seeburg im Mühltal. Die durchschnittliche Schüttung der Karstquelle beträgt zwischen 335 l/s und 380 l/s (das entspricht 20,1 m³ bzw. 22,8 m³ pro Minute). Die Quellschüttung schwankt je nach Witterung zwischen 67 l/s und 1000 l/s.
In Seeburg mündet der Fischbach, der auf weiten Strecken die Nord- und Westgrenze des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen war. Das vom Ermsursprung kommende Mühltal, das Fischburgtal und das eine Straßenverbindung aus Münsingen bildende, von Süden einmündende Seetal bilden hier eine dreigliedrige Talspinne.

Zwischen Seeburg und Bad Urach durchfließt die Erms das obere Ermstal, welches dort auf weiten Strecken die Markungsgrenze der Hochflächendörfer Wittlingen und Sirchingen bildet. Der bis zu 150 m in den Albkörper erodierte Talabschnitt ist geprägt von den hier eng gegenüberliegenden, steilen Hängen, die durchgängig bewaldet und von blanken Weißjurafelsen mit besonderen Pflanzengesellschaften gekrönt sind. Die Erms hat auf der gesamten Strecke bis nach Bad Urach hinein auf dem Talboden mächtige Kalktuffstufen (ausgefällter Kalk) gebildet, die an jedem der 7 Stufenenden bis ins 19. Jahrhundert Seen aufstauten. Die Kalktuffstufen blieben. Es verschwanden nur die meisten Seen nach und nach.
Im Bereich der Altstadt von Urach liegt das Zentrum einer weiteren Talspinne. Hier mündet von Osten das mehrfach verzweigte Talsystem der Elsach, deren Quellen in der Falkensteiner Höhle und im Elsachbröller liegen. Von Südwesten, vom Maisental her, wo der Uracher Wasserfall und der Gütersteiner Wasserfall liegen, mündet der Brühlbach. Unterhalb von Urach weitet sich das durch die Erms erodierte Stufenrandtal. Talabwärts mehren sich die Spuren der frühen Nutzung der Wasserkraft der Erms während der Industrialisierung. In Dettingen existiert nach wie vor eine Papierfabrik.
In Neuhausen mündet der Glemsbach. Hier wie in Metzingen begleiten Weinberge den Flussverlauf. Die Erms verlässt das Tal des Juragebirges und geht über in das Albvorland. Unterhalb von Riederich mündet der zuvor lange Stetterbach genannte Riederichbach. Nachdem der Fluss Bempflingen passiert hat, mündet er in Neckartenzlingen in den Neckar, dessen Wasser über den Rhein die Nordsee erreicht.
Das Ermstal gehört zu den größten Talsystemen, die sich von Nordwesten her in die Schichtstufe der Schwäbischen Alb eingeschnitten haben und sie zergliedern. Die nahen großen Gewässer des Flusssystems des Rheins liegen wesentlich tiefer als die zur Donau laufenden auf der Südostseite der Alb, so dass die rheinischen Gewässer durch rückschreitende Erosion die Europäische Hauptwasserscheide allmählich auf Kosten des Donaugebietes zurückverlegen. Durch den hier besonders nahe am Albtrauf verlaufenden Neckar und den großen Höhenunterschied dazwischen besaß die Erms genügend Erosionskraft, um eines der markantesten Täler des Albtraufs zu formen. Das Tal ist reich an Karstphänomenen. Das durch Kalksinterablagerungen gestufte Längsprofil war einst durch mehrere natürliche Stauseen augenfälliger als heute und begünstigte wegen der damit leicht nutzbaren Wasserkraft die gewerbliche Entwicklung am Fluss.
Die Erms entwässert ein etwa 179 km² großes Gebiet im Wesentlichen auf der mittleren Schwäbischen Alb und in deren Vorland. Naturräumlich gesehen gehört sein oberer Teil zur Mittleren Kuppenalb, der untere fast ganz zum Vorland der mittleren Schwäbischen Alb, wo sie nacheinander die Neuffen-Vorberge und das Erms-Steinach-Albvorland durchläuft. Zuletzt rechnet ein mündungsnaher Zwickel noch zum Unterraum Nürtinger-Esslinger Neckartal der Fildern.
Der höchste Punkt im Gebiet erreicht im Bereich der Kuppe des Römersteins auf der Albhochfläche etwa 870 m ü. NHN.
Zuflüsse von der Quelle zur Mündung. Mit Länge und teilweise Einzugsgebiet. Andere Quellen sind vermerkt. Nachweise für Zuflüsse mit bestehenden Artikeln in diesen.
Auswahl, in der Regel ohne Seitenkanäle.
Ermsursprung im Mühltal weniger als einen Kilometer vor Seeburg.
Mündung der Erms von rechts auf 285,4 m ü. NHN in den Neckar in Neckartenzlingen.
Historische Hochwasser mit Überschwemmungen im Ermstal sind aus den Jahren 1661, 1687, 1691, 1741, 1779, 1789, 1816 und 1849 bekannt.
Im Folgenden einige Beschreibungen der Schäden und Auswirkungen dieser Ereignisse:
1741 in Metzingen
1787 in Urach
1789 in Metzingen, Dettingen und Urach
1819 in Metzingen und Riederich
1824 und 1830 in Metzingen
1876 in Seeburg
Pegelhöchststände:
Weiterhin gilt als 100-jährlicher Hochwasserabfluss 67,4 m³/s (HQ100), wobei der mittlere Abfluss 3,29 m³/s (MQ) beträgt.
Während der Römerzeit bestand am strategisch günstigen Ort des Talaustritts, am Platz des heutigen Metzingen, eine wichtigere römische Siedlung, die Vicus Armissium hieß. In der alemannischen Zeit wurde das Ermstal Swiggerstal genannt, später wurde der bis ins 15. Jahrhundert als Landschaftsbezeichnung verwendete Name auf ein größeres Gebiet (Gau?) übertragen. Die Orte kamen im Mittelalter zu Württemberg und teilen seitdem dessen Schicksal. Im 16. Jahrhundert wurden daher alle an der Erms gelegenen Gemeinden reformiert.
Innerhalb Württembergs gehörten die Siedlungen zum Oberamt Urach, nur Neckartenzlingen war Teil des Oberamts Nürtingen. Die Uracher Orte gingen 1938 mit der Auflösung des Kreises Urach überwiegend auf den Landkreis Reutlingen über. Bempflingen kam mit Neckartenzlingen zum Landkreis Nürtingen, 1973 zum Landkreis Esslingen; die Dörfer oberhalb Urachs, wie Seeburg, Wittlingen und Sirchingen, kamen 1938 zum Landkreis Münsingen, 1973 ebenfalls zum Landkreis Reutlingen.