Ernst Friedheim

Ernst Marcus Friedheim (geboren am 6. Oktober 1864 in Grevesmühlen; gestorben am 4. Mai 1919 in Altona) war ein deutscher Architekt, der hauptsächlich in Hamburg wirkte. Zu seinen bekanntesten Bauten zählen die Bornplatzsynagoge (gemeinsam mit Semmy Engel) und die benachbarte Talmud-Tora-Schule im Hamburger Grindelviertel.

Leben

Ernst Friedheim wuchs in Grevesmühlen in Mecklenburg auf, wo seine Vorfahren 1813 als Schutzjuden den Namen Friedheim gewählt hatten. Die jüdische Gemeinde in Grevesmühlen nahm in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark ab. Die Familie von Ernst Friedheim zog nach Schwerin, wo er das Fridericianum besuchte. Im Herbst 1883 bestand Friedheim die Abitur-Prüfung. Friedheim studierte Architektur und wurde nach dem anschließenden Vorbereitungsdienst und dem bestandenen 2. Staatsexamen 1892 zum (königlich preußischen) Regierungsbaumeister (Assessor im Baufach) ernannt. 1893 zog Friedheim nach Hamburg, wo er 1897 der Deutsch-Israelitischen Gemeinde beitrat.

Friedheim beteiligte sich in Hamburg am Architekturwettbewerb für den Bau der Bornplatzsynagoge. Der Bau wurde schließlich in Kombination der beiden Wettbewerbsentwürfe von Semmy Engel und Friedheim ausgeführt und 1906 eingeweiht. 1908 erwarb Ernst Friedheim das Hamburger Bürgerrecht. Von 1909 bis 1911 entstand neben der Synagoge die Talmud-Tora-Schule nach Entwürfen von Friedheim. 1910 wurde die Synagoge in Emden nach Plänen Friedheims erweitert. Daneben existieren in Hamburg eine Reihe von Wohnhäusern und Stiftsbauten nach Plänen von Friedheim.

Ernst Friedheim heiratete 1899 Hedwig Lesser (1876–1964), eine Kaufmannstochter aus Stettin. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor: Paula (1899–1934), Ilse (1900–1990) und Käte (1904–1952). Vor dem 1905 von Friedheim entworfenen Haus Leinpfad 20 in Hamburg-Winterhude wurde 2021 ein Stolperstein verlegt, um Paula Jacobsons (geborene Friedheim) zu gedenken, die als Jüdin verfolgt wurde und sich 1934 das Leben nahm. Paula Jacobson war mit dem Hamburger Kaufmann Ernst John Martin Jacobson verheiratet, der mit den beiden Töchtern Ursula und Ellen und seiner zweiten Ehefrau Bertha 1938 in die Niederlande flüchtete. Ellen Jacobson und Bertha Jacobson-Lehmann wurden 1944 im KZ Stutthof ermordet. Den beiden jüngeren Töchtern von Ernst Friedheim gelang die Emigration nach Großbritannien.

Bauten (Auswahl)

Bornplatzsynagoge, 1906

Literatur

Commons: Ernst Friedheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Ernst Friedheim im Abschnitt Frick – Frings des Baugeschichtlichen Personenregisters zur Datenbank „archthek“ (bearbeitet von Ulrich Bücholdt), zuletzt abgerufen am 24. Mai 2025
  2. ↑ Zentralblatt der Bauverwaltung, 39. Jahrgang 1919, Nr. 45 (vom 31. Mai 1919), S. 245. (urn:nbn:de:kobv:109-1-14251542)
  3. ↑ Jürgen Gramenz, Sylvia Ulmer: Zur jüdischen Geschichte von Grevesmühlen. 2017.
  4. ↑ Programm des Großherzoglichen Gymnasium Fridericianum zu Schwerin, Ostern 1878/79
  5. ↑ Programm des Großherzoglichen Gymnasium Fridericianum zu Schwerin, Schwerin 1884, S. 15.
  6. ↑ Centralblatt der Bauverwaltung, 12. Jahrgang 1892, Nr. 44 (vom 29. Oktober 1892), S. 466. (Notiz zur Ernennung)
  7. 1 2 3 Jürgen Sielemann: Die Architekten der Bornplatzsynagoge und ihre Familien. Ernst Friedheims Familie. In: Liskor / Erinnern, Ausgabe Juni 2020, S. 3–15.
  8. ↑ Talmud-Tora-Schule in Hamburg-Rotherbaum. In: Hamburg und seine Bauten. Boysen & Maasch, Hamburg 1914, Band 1, S. #.
  9. ↑ Obituary: Dr Ilse Friedheim. The BMJ. British Medical Journal, Vol. 302, 19. Januar 1991, S. 173.
  10. ↑ Käte Friedheim war Kostümbildnerin, siehe Nachtragsband 1: A – F, Deutsches Theater-Lexikon.
  11. ↑ Stolperstein Paula Jacobson (geborene Friedheim)
  12. ↑ Alissa Lange: Das jüdische Altenhaus am Grindel. Hamburg University Presse, Hamburg 2008, ISBN 978-3-937816-56-2, S. 99–104. (urn:nbn:de:gbv:18-3-253)
Personendaten
NAME Friedheim, Ernst
ALTERNATIVNAMEN Friedheim, Ernst Marcus (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Architekt
GEBURTSDATUM 6. Oktober 1864
GEBURTSORT Grevesmühlen
STERBEDATUM 4. Mai 1919
STERBEORT Altona