Ernst Ravenstein

Ernst Georg Ravenstein (Ende 19. Jahrhundert)
Ethnografische Karte des Balkans von Ernst Ravenstein (1880)

Ernst Georg Ravenstein, auch Ernest George Ravenstein (* 30. Dezember 1834 in Frankfurt am Main; † 13. März 1913 in Hofheim am Taunus) war ein deutscher Kartograf und Demograph. Er entwickelte Ende des 19. Jahrhunderts als erster ein Modell für die „etappenweise Migration“.

Sein Vortrag vor der Royal Statistical Society über die „Gesetze der Wanderung“ gilt als der Beginn der Migrationsforschung und wurde in zwei Folgen in einem Journal abgedruckt. Seine Typologien geben einen systematischen Aufschluss über den Verlauf und die Ströme von Wanderungen in der Hochzeit der britischen Industrialisierung und Verstädterung. In den Gesetzen der Wanderung fasste Ravenstein thesenhaft zusammen, wie der Bedarf an Arbeitskräften in einem Teil des Landes von anderen Teilen mit Überfluss an Bevölkerung gedeckt wird.

Ravenstein besuchte das Städelsche Institut in Frankfurt und ging 1852 zu August Petermann nach London. Von 1855 bis 1875 war er im topographisch-statistischen Amt des britischen Kriegsministeriums beschäftigt.

Er untersuchte die Wanderungen nach:

und klassifizierte Personengruppen nach:

Seine Untersuchungsergebnisse waren:

Zudem prognostizierte er, dass um 2072 die höchste Bevölkerungsanzahl auf der Erde erreicht wird.

Sportpolitik

Im Jahr 1861 gründete Ravenstein in London die German Gymnastics Society, einen Sportverein. Dieser förderte das Turnen und veranstaltete jährliche Sportwettkämpfe in dem eigens dafür errichteten German Gymnasium und im Crystal Palace. 1866 hatte die Gesellschaft 1.100 Mitglieder aus über 30 Nationen, darunter 650 Briten, hauptsächlich Handwerker. Zusammen mit William Penny Brookes und John Hulley war er 1865 Gründungsmitglied der National Olympian Association, die nach dem Vorbild der Olympischen Spiele von Much Wenlock eine jährliche Reihe von Sportveranstaltungen in ganz Großbritannien veranstaltete. 1867 veröffentlichte er ein Handbuch zum Turnen.

Werke

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Grigg, D. B. (1977): E. G. Ravenstein and the "laws of migration", in: Journal of Historical Geography 3, S. 41.
  2. ↑ Parag Khanna: Move. Das Zeitalter der Migration. Verlag Rowohlt, Berlin 2021, Anm. 3, Kapitel 1, S. 419.
  3. ↑ Catherine Beale: Born out of Wenlock, William Penny Brookes and the British origins of the modern Olympics. DB Publishing, 2011, ISBN 978-1-85983-967-6, S. 58 (englisch).
  4. ↑ Born out of Wenlock, William Penny Brookes and the British origins of the modern Olympics, pp.59–60.
Personendaten
NAME Ravenstein, Ernst
ALTERNATIVNAMEN Ravenstein, Ernst Georg (vollständiger Name); Ravenstein, Ernest George
KURZBESCHREIBUNG deutscher Kartograf und Demograph
GEBURTSDATUM 30. Dezember 1834
GEBURTSORT Frankfurt am Main
STERBEDATUM 13. März 1913
STERBEORT Hofheim am Taunus