Ernst Grysanowski

Ernst Georg Friedrich Grysanowski (* 1824 in Königsberg; † 31. Mai 1888 in Segromigno bei Lucca) war ein deutscher Philosoph, Chirurg, Geburtshelfer und Bekämpfer von Tierversuchen.

Leben

Ernst Grysanowski besuchte bis 1841 in seiner Heimatstadt das Friedrichskolleg und sodann die Universität Königsberg, wo er im Alter von 21 Jahren den Doktor der Philosophie erlangte. 1855 wurde er als Chirurg und Geburtshelfer zum Doktor der Medizin promoviert. Um 1877 zog er sich aus seiner ärztlichen Tätigkeit zurück und widmete sich ausschließlich der Bewegung gegen Tierversuche (damals: Vivisektion), nachdem er zuvor jahrelang Material zu diesem Thema gesammelt hatte. Den entscheidenden Anstoß gab ihm eine Freundin, die Schriftstellerin Marie Espérance von Schwartz, als sie ihm die Skizzen ihrer Novelle Gemma, oder Tugend und Laster vorlegte, die von der Brutalität der Vivisektion handelt. Den beiden schloss sich wenig später Ernst von Weber an, dessen drittes Buch Die Folterkammern der Wissenschaft (1879) wie ein Lauffeuer Verbreitung in gebildeten Kreisen fand und die Skepsis der Öffentlichkeit nährte. Bald darauf wurde in Dresden mit dem Internationalen Verein zur Bekämpfung der wissenschaftlichen Tierfolter die erste deutsche antivivisektionistische Gesellschaft gegründet, für deren Zentralorgan, die Monatsschrift Thier- und Menschenfreund, ab etwa 1900 Magnus Schwantje zahlreiche Beiträge schrieb.

Geprägt waren Grysanowskis Bemühungen von einem Kantischen Ideal. Die mündigen Menschen, frei und vernünftig, so argumentierte Grysanowski, seien die stärkste Gruppe in der Gesellschaft und als einzige fähig, sich ethische Beschränkungen aufzuerlegen. Eine Gesellschaft wie unsere, die infolge der Aufklärung eine zivilisierte Entwicklung durchmache und moralische Gefühle entwickelt habe, darunter Menschen- und Tierliebe, sah er als die schönste Frucht des Jahrhunderts an.

Einige seiner Texte publizierte Ernst Grysanowski unter den Pseudonymen Dr. med. Jatros oder Dr. med. E. G. Hammer. Bis zu seinem Tod im Jahr 1888 erschienen von ihm etwa 20 tierversuchskritische Schriften.

Schriften

darin:

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Libell 2001, S. 166 u. 170, Fig. 5 (Repro Todesanzeige 1888)
  2. ↑ Marie Espérance von Schwartz alias Elpis Melena: Dr. E. G. F. Grisanowski. Mitteilungen aus seinem Leben und seinen Briefen, Hannover 1890, S. 4.
  3. ↑ Monica Libell: Der Begriff der Zivilisation in der deutschen antivivisektionistischen Diskussion. In: Tiere beschreiben, Harald Fischer Verlag GmbH, Erlangen 2003, S. 46.
  4. ↑ Ernst von Weber: Die Folterkammern der Wissenschaft. Ein Sammlung von Thatsachen für das Laienpublikum, Verlag von Hugo Voigt, Berlin und Leipzig 1879.
  5. ↑ Monica Libell: Der Begriff der Zivilisation in der deutschen antivivisektionistischen Diskussion. In: Tiere beschreiben, Harald Fischer Verlag GmbH, Erlangen 2003, S. 47.
Personendaten
NAME Grysanowski, Ernst
ALTERNATIVNAMEN Grysanowski, Ernst Georg Friedrich (vollständiger Name); Grisanowski, Ernst
KURZBESCHREIBUNG deutscher Philosoph, Chirurg, Geburtshelfer und Bekämpfer von Tierversuchen
GEBURTSDATUM 1824
GEBURTSORT Königsberg
STERBEDATUM 31. Mai 1888
STERBEORT Segromigno bei Lucca