Erol Pekcan

Erol Pekcan (* 11. Juni 1933 in Istanbul; † 11. Januar 1994 in Ankara) war ein türkischer Jazz- und Unterhaltungsmusiker (Schlagzeug) und Orchesterleiter.

Leben und Wirken

Pekcan, der mit sieben Jahren zu Hause auf einem Polsterhocker zu trommeln begann, absolvierte das Haydarpaşa-Gymnasium. Durch das Hören des Senders Voice of America entwickelte er schon in jungen Jahren ein Interesse am Jazz. Seine professionelle Laufbahn begann 1953, als er erstmals gemeinsam mit einer österreichischen Gruppe auftrat.

Im Jahr 1954 bildete Pekcan ein Duo mit Erdoğan Çaplı und gestaltete mit ihm zusammen Jazz-Sendungen für Radio Ankara. 1957 gründete er zusammen mit Melih Gürel (Klavier, Horn) und Selçuk Sun (Bass) sein Erol Pekcan Jazz Trio, das eine der ersten Jazzbands in der Türkei war. Das Trio trat in Ankara in verschiedenen Lokalen und Kinos auf. Pekcan erweiterte es später mit dem Trompeter Angelo Rota und dem Pianisten Atilla Gara zu einem Quintett. Erol setzte seine Karriere über einen langen Zeitraum bei Radio Ankara fort. 1958 wirkte er als Schlagzeuger im Quintett von Selçuk Sun mit, dem neben dem Bassisten und ihm Melih Gürel (Posaune), Willy Faschinger (Klavier) und der Schauspieler Müfit Kiper an der Trompete angehörten.

Nach einem Konzert in der Türkisch-Amerikanischen Gesellschaft am 1. Februar 1958 begann er, Jazzsendungen bei Radio Istanbul zu gestalten. 1960 leitete er eine Neuauflage des Erol Pekcan Trio, aus dem später das Erol Pekcan Caz Orkestrası wurde, das 1967 mit der Sängerin Füsun Önal auftrat. Tarık Öcal, der 1970/1971 mit dem Erol Pekcan Caz Orkestrası zusammenarbeitete, veröffentlichte gemeinsam mit der Formation die Singles „Evlerinin Önü Zeytin Ağacı“ (1970) sowie „Kabağı da Boynuma Takarım / Nihavent Longa“ (1971). Auch Fatih Erkoç, der 1972 in Ankara seinen Militärdienst leistete, spielte über einen längeren Zeitraum hinweg mit dem Orchester von Pekcan, wobei der Schwerpunkt auf Jazzmusik lag. Sie traten in zahlreichen Radio- und Fernsehsendungen auf und gaben zudem private Konzerte.

Die 1978 veröffentlichte LP Jazz Semai war inspiriert durch Werke von Krzysztof Komeda und Pedro Iturralde und entstand kollaborativ mit Tuna Ötenel (Klavier, Saxophon, Gesang) sowie Kudret Öztoprak (Bassgitarre, Perkussion); sie gilt als das erste Jazz-Album der Türkei. Mit Ausnahme des Stücks „Ali’yi Gördüm Ali'yi“ – einer traditionellen Weise, die der Bektaschi-Mystiker und Dichter Kul Himmet im 16. Jahrhundert geschaffen hatte – bestand das Album, das 2022 europaweit wiederveröffentlicht wurde, aus Kompositionen Ötenels.

Während des Istanbul Parliament Jazz Festival 1993 erlitt er einen Herzinfarkt. Am 11. Januar 1994 verstarb er in Ankara. 1999 wurde er mit einer Reihe von Veranstaltungen gewürdigt.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Erol Pekcan. In: biyografiler.com/. Abgerufen am 5. November 2026 (türkisch).
  2. 1 2 Erol Pekcan Orkestrası. In: orkestralargruplartarihi.com. Abgerufen am 5. November 2026 (türkisch).
  3. ↑ Turkey’s First Jazz Album Is Out On Digital for the First Time, 44 Years After Its Original Release. In: jazzdergisi.com. 15. November 2022, abgerufen am 5. November 2026 (englisch).
  4. 1 2 Erol Pekcan anılıyor. In: Hürriyet. 8. Januar 1999 (com.tr).
  5. ↑ Francesco Martinelli: Erol Pekcan/Tuna Ötenel/Kudret Öztoprak – ‘Jazz Semai’. In: London Jazz News. 17. November 2022, abgerufen am 5. November 2026 (englisch).