Die erste Fundamentalform oder metrische Grundform ist in der Mathematik eine Funktion aus der Theorie der Flächen im dreidimensionaleneuklidischen Raum, einem Teilgebiet der klassischen Differentialgeometrie. Die erste Fundamentalform ermöglicht unter anderem die Behandlung folgender Aufgaben:
Berechnung der Länge einer Kurve auf der gegebenen Fläche
Berechnung des Winkels, unter dem sich zwei Kurven auf der gegebenen Fläche schneiden
Berechnung des Flächeninhalts eines Flächenstücks der gegebenen Fläche
Diejenigen Eigenschaften einer Fläche, die sich mit Hilfe der ersten Fundamentalform untersuchen lassen, fasst man unter der Bezeichnung innere Geometrie zusammen.
Definition und Eigenschaften
Eine Fläche sei durch eine auf einer offenen Teilmenge definierte Abbildung
gegeben, also durch und
parametrisiert. Für den durch die Parameterwerte und
bestimmten Punkt der Fläche sind die Koeffizienten der ersten Fundamentalform folgendermaßen definiert:
Zur Vereinfachung lässt man häufig die Argumente weg und schreibt nur ,
und für die Koeffizienten.
Die erste Fundamentalform ist dann die quadratische Form
,
Gelegentlich wird auch die Schreibweise mit Differentialen verwendet:
Eine weitere (modernere) Schreibweise ist:
Setzt man und , so gilt
für .
Die Zahlen sind die Koeffizienten des kovarianten
metrischen Tensors (d.h. der Gram’schen Matrix der Basis {} aller vorgenannten Richtungsvektoren).
Dieser hat also die Matrixdarstellung
.
Oft bezeichnet man auch diesen Tensor, also die durch diese Matrix dargestellte Bilinearform, als erste Fundamentalform
Für die Koeffizienten der ersten Fundamentalform gilt:
.
Dabei ist die Diskriminante (also die Determinante der Darstellungsmatrix) der ersten Fundamentalform.
Gilt darüber hinaus , so folgt daraus auch und und die erste Fundamentalform ist positiv definit.
Dies ist genau dann der Fall, wenn und linear unabhängig sind.
Eine Fläche mit positiv definiter erster Fundamentalform heißt differentialgeometrisch regulär oder differentialgeometrisch regulär parametrisiert.
Geschichte
Im Jahr 1860 stellte die Académie des sciences die Preisaufgabe, Methoden zu finden, mit denen man aus einer gegebenen Fläche weitere darauf abwickelbare Flächen erzeugen kann. Den zweiten Preis erhielt Delfino Codazzi für die Aufstellung der Bedingungen, die zwei vorgegebene quadratische Formen erfüllen müssen, um erste und zweite Fundamentalform einer Fläche zu sein. Gaspare Mainardi wies danach darauf hin, dass er diese Gleichungen bereits 1857 in einer italienischen Zeitschrift veröffentlicht hatte. Heute werden diese Mainardi-Codazzi-Gleichungen genannt. Später wurde bekannt, dass diese bereits 1825 in einem unvollendeten Manuskript aus Gauß’ Nachlass publiziert wurden. Außerdem wurden diese Gleichungen auch schon 1853 von Karl Peterson in seiner Dissertation in Dorpat veröffentlicht.
Länge einer Flächenkurve
Eine Kurve auf der gegebenen Fläche lässt sich ausdrücken durch zwei reelle Funktionen
und : Jedem möglichen Wert des Parameters
wird der auf der Fläche gelegene Punkt
zugeordnet. Sind alle beteiligten
Funktionen stetig differenzierbar, so gilt für die Länge des durch
festgelegten Kurvenstücks:
Mit Hilfe des Wegelements ausgedrückt:
Inhalt eines Flächenstücks
Der Inhalt eines durch einen Parameterbereich gegebenen Flächenstücks lässt sich berechnen durch
Für die Koeffizienten der ersten Fundamentalform ergibt sich:
Die erste Fundamentalform ist demnach
.
Spezialfall Graph einer Funktion
Ist die betrachtete Fläche der Graph einer Funktion über dem Parameterbereich , also für alle , so gilt:
und damit
und
.
Hierbei bezeichnen und die partiellen Ableitungen von nach bzw. .
Einzelnachweise
↑Christoph J. Scriba, Peter Schreiber: 5000 Jahre Geometrie: Geschichte, Kulturen, Menschen (Vom Zählstein zum Computer). Springer, Berlin / Heidelberg / New York, ISBN 3-540-67924-3, S.416.