Erwin Rehn

Erwin Rehn (* 23. Februar 1927 in Heide; † 23. Mai 2000 in Lehe bei Lunden) war ein deutscher Autor und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Leben

Informationstafel in Albersdorf

Erwin Rehn ist in Heide (Dithmarschen, Schleswig-Holstein) geboren und aufgewachsen. Nachdem er mit seinen Lehrern in Konflikt geraten war, wechselte er im Frühjahr 1941 von der Adolf-Hitler-Schule in Heide an die Mittelschule nach Albersdorf. Zur gleichen Zeit kam er in Kontakt mit niederländischen und dänischen Zwangsarbeitern, die er als Kurier bei der Verbreitung von Nachrichten über den Kriegsverlauf und Boykottaufrufen unterstützte. Nach zweimaliger Verwarnung wurde er 1943 im Alter von 16 Jahren wegen Konspiration mit Ausländern, der Erstellung und Verbreitung von Flugblättern aus den Reihen der Hitlerjugend unehrenhaft entlassen und durch die Gestapo verhaftet. Er war im Jugendkonzentrationslager Moringen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs inhaftiert, wo er unter kräftezehrender Schwerstarbeit und Lagerstrafen wie Strafsport und Essensentzug litt.

In den Nachkriegsjahren bemühte sich Rehn zunächst erfolglos um Anerkennung und Entschädigung als Verfolgter des Naziregimes: Sein Entschädigungsantrag wurde 1955 durch das Landesentschädigungsamt Schleswig-Holstein mit der Begründung abgelehnt, die Festnahme und Inhaftierung beruhe „auf einem Verhalten, das nicht nur nach nationalsozialistischer Auffassung eine strafbare Handlung, nämlich ein landesverräterisches Delikt, darstellt.“ 1970 emigrierte Rehn mit Frau und Kind nach Israel, 1973 nach Kreta. Wegen eines Leberschadens aufgrund langzeitig eingenommener Tuberkuloseheilmittel als Spätfolgen der Haft stellte die Familie in Stuttgart in einem langwierigen Verfahren einen „Verschlimmerungsantrag“. 1984 verließ Rehn erneut Deutschland und siedelte nach Straßburg über.

Seine Tochter Marie-Elisabeth Rehn schilderte in Heider Gottsleider (1992) das Leben ihres Vaters. Darin stellt sie fest, dass die zweijährige Haft die alles beherrschende, zentrale Erfahrung im Lebens des Vaters war.

Gedenken

Stolperstein für Erwin Rehn

Am 18. August 2011 verlegte Gunter Demnig einen Stolperstein zum Gedenken an Erwin Rehn am Kapellenplatz in Albersdorf (Holstein). Am 5. November 2025 verlegte er einen weiteren Stolperstein zum Gedenken an Erwin Rehn in Heide in der Husumer Straße 9.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Marie-Elisabeth Rehn: Heider gottsleider: Kleinstadtleben unter dem Hakenkreuz: eine Biographie. 1. Auflage. Pro Business, Berlin 2005, ISBN 3-939000-31-0, S. 143–144.
  2. ↑ gedenkstaette-moringen.de: „Ich bin die Tochter von ´Lagerzögling´ 933“ (Memento des Originals vom 3. September 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Rede der Tochter Marie-Elisabeth Rehn an der Gedenkstätte Moringen
  3. ↑ Manfred Krause: Jugendwohlfahrt im Nationalsozialismus. In: Betrifft Justiz. Nr. 103. Betrifft Justiz e.V., Mühltal 2010, S. 358.
  4. 1 2 Rundbrief der Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen. (PDF; 3,1 MB) In: gedenkstaette-moringen.de. 2000, S. 21, abgerufen am 17. Juni 2025.
  5. ↑ Eintrag zu Erwin Rehn im Dithmarschen-Wiki (Memento vom 3. Dezember 2015 im Internet Archive)
  6. ↑ Dithmarscher Landeszeitung: Albersdorf: Aktion Stolperstein am Kapellenplatz. (Memento vom 2. Mai 2014 im Internet Archive)
  7. ↑ Dithmarscher Landeszeitung: Achter Stolperstein in Heide erinnert an Widerstandskämpfer Erwin Rehn
Personendaten
NAME Rehn, Erwin
KURZBESCHREIBUNG deutscher Autor und Widerstandskämpfer
GEBURTSDATUM 23. Februar 1927
GEBURTSORT Heide
STERBEDATUM 23. Mai 2000
STERBEORT Lehe bei Lunden