Erwin Rupert Weinmann (* 6. Juli 1909 in Frommenhausen Kreis Tübingen; † 11. Mai 1945 in Rokezan (Tschechoslowakei), galt ursprünglich als verschwunden und wurde dann 1949 für tot erklärt) war ein deutscher Arzt, SS-Oberführer und Oberst der Polizei; im Reichssicherheitshauptamt Chef der Gruppe IV D (Besetzte Gebiete) innerhalb der Gestapo (Amt IV); von Januar 1942 bis Juli 1943 als Anführer des Sonderkommandos 4a (Sk4a) für den Massenmord an Juden in der Ukraine verantwortlich.
Weinmann wurde als Sohn des Lehrers Gustav Weinmann und der Albertine, geb. Ströbele, geboren. Der Vater fiel 1917 im Ersten Weltkrieg in Flandern, so dass Erwin und sein Bruder Ernst (1939 bis 1945 Oberbürgermeister von Tübingen) ohne Vater aufwuchsen.
Weinmann besuchte bis zum Abitur an Ostern 1927 das Gymnasium in Rottweil, bereits dort begann er sich nationalsozialistisch zu betätigen. Im Sommersemester 1927 nahm er ein Medizinstudium an der Universität Tübingen auf, an der zu diesem Zeitpunkt der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB) bereits tonangebend war. Die wenigen nicht völkisch-fremdenfeindlichen Professoren Tübingens wurden, in teilweise militanten Kampagnen, persönlich angegriffen. Zum 1. Dezember 1931 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 774.436), des NSDStB und der SA bei. Zudem war er Mitglied der Landsmannschaft Ghibellinia zu Tübingen.
Im Juli 1932 erhielt der NSDStB die Hälfte der 24 Sitze im Tübinger Allgemeinen Studentenausschuss (AStA). Weinmann war im Sommersemester 1932 Fraktionsführer des NSDStB im AStA. Im Juni 1932 trat er der SS (SS-Nummer 280.196) bei.
Weinmann arbeitete nach dem Ende seines Studiums, das er mit dem Staatsexamen und einer Dissertation über Ein Fall von Lipodystrophia progressiva abschloss, bis zum Herbst 1936 als Arzt am Universitätskrankenhaus in Tübingen. Von Gustav Adolf Scheel angeworben, fand er zusammen mit einer Reihe weiterer Tübinger NS-Studentenaktivisten (Eugen Steimle, Martin Sandberger, Erich Ehrlinger, Ernst Weinmann, Alfred Rapp und die einige Jahre älteren Walter Stahlecker, Rudolf Bilfinger) über den SD-Oberabschnitt Südwest in Stuttgart den Weg in das Reichssicherheitshauptamt (RSHA). Weinmann gehörte dem SD seit 1936 an, wurde 1937 Stabsführer des SD in Berlin. Von 1939 bis 1940 war er Hauptabschnittsleiter I bei der Inspektion der Sicherheitspolizei und des SD in Berlin. In dieser Zeit übernahm dieser Arbeitsbereich die Verantwortung für die Auswahl und Bereitstellung des Schutzpersonals an den deutschen Botschaften/Gesandtschaften im Ausland. Das betraf vor allem Kräfte der Schutzpolizei für den Objektschutz, Kriminalisten für die Gewährleistung des inneren Schutzes der Gebäude vor Sabotage- und Spionageangriffen sowie SD-Personal für die Absicherung der Chiffrier- und Funkstellen im Missionsobjekt. Ab 1. Februar 1940 rückte er in die Führung des SD-Leitabschnitts Berlin auf und wechselte am 1. Februar 1941 als Gruppenleiter ins Reichssicherheitshauptman. Hier gehörte er zum Amt VI und war verantwortlich im Referat D für die besetzten Gebiete.
Nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 löste Weinmann im Januar 1942 Paul Blobel als Chef des Sonderkommandos 4a der Einsatzgruppe C bei seinen Mordaktionen in der Ukraine ab. Im Sommer 1942 wurde er Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD (BdS) in Prag und wurde 1944 zum Oberst befördert. Von dort soll er angeblich ab Mai 1945 für den Posten des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes in Norwegen vorgesehen worden sein. Zu diesem Wechsel ist es vermutlich nicht gekommen, da er am 11. Mai 1945 im tschechischen Ort Rokezan verstarb.
In den 1960er Jahren wurde durch die Berliner Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, da er des Mordes an Zivilpersonen und einer eigenhändigen Erschießung verdächtig war. Die dabei erfolgten Überprüfungen und Vernehmungen von Tatbeteiligten ergaben, dass er im Mai 1945 mit, amtlicher Bestätigung seiner Identität, auf tschechischem Territorium verstorben war.
Am 9. Juni 1949 wurde Weinmann vom Amtsgericht Reutlingen für tot erklärt.
Nicht verstummen wollten aber die Vermutungen, dass Weinmann nach Kriegsende über die „Rattenlinien“ in den Nahen Osten entkommen konnte. Zuletzt fragte das Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz im Jahre 1968 bei der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg an, ob der in Alexandria (Ägypten) lebende SS-Standartenführer Weinmann mit dem früheren BdS Prag identisch sei.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Weinmann, Erwin |
| ALTERNATIVNAMEN | Weinmann, Erwin Rupert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Chef des Sonderkommandos 4a, Referatsleiter Amt IV D im RSHA, Massenmörder |
| GEBURTSDATUM | 6. Juli 1909 |
| GEBURTSORT | Frommenhausen |
| STERBEDATUM | 11. Mai 1945 |
| STERBEORT | Rokezan |