Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für das ESS-Verfahren in der Kryptographie siehe ESSIV
Der Essiv (von lateinisch esse = „sein“) ist ein Kasus in finno-ugrischen Sprachen, welcher einen Zustand ausdrückt.
Im Deutschen entspricht dem Essiv oft das Wort „als“ in Wendungen wie z.B. „als Lehrer“.
Finnisch
Im Finnischen hat der Essiv die Endung -na bzw. -nä, z.B. lapsena = „als Kind“. Die Endung lautet im Plural-ina/-inä/-eina,-einä. Die Endung richtet sich nach der Vokalharmonie. Bei Wörtern mit Stufenwechsel wird die „starke“ Stufe verwendet. Beispiele:
kiss/-ana, kiss/-oina
koir/-ana, koir/-ina
lehm/-änä, lehm/-inä
Der Essiv wird auch sehr häufig temporal verwendet, unter anderem bei Wochentagen, z.B.: Tulen perjantaina. = „Ich komme am Freitag.“
Estnisch
Im Estnischen lautet die Endung -na bzw. im Plural -tena oder -dena, z.B. müüjana = „als Verkäufer“.
Samisch
Im Samischen hat der Essiv die Endung -n, wobei nicht zwischen Singular und Plural unterschieden wird. In Wörtern mit Stufenwechsel hat der Essiv die gleiche Stufe wie der Nominativ Singular.
Beispiel: Son lea isidin dálus. = „Er ist Bauer auf dem Hof.“ (wörtl.: „als Bauer“)
Ungarisch
Das Ungarische kennt zwei Formen des Essiv. Beide Formen sind in der Umgangssprache eher selten und normalerweise nur in geschriebener Form (Literatur) zu finden.
Essiv-Modal
Der Essiv-Modal wird mit dem Suffix -ul oder -ül gebildet. Er ist wörtlich wie ein vergleichendes „wie“ oder „als“ zu verstehen. Beispiele:
barátjául fogad = „als Freund annehmen, akzeptieren“ (dh., muss kein Freund sein)
fivérül szeret = „wie einen Bruder lieben“ (auch wenn er es nicht ist)
kutyául érzi magát = „fühlt sich wie ein Hund“ (obwohl er offensichtlich kein Hund ist)
hajóul = „als Schiff“
például = „als Beispiel“
Essiv-Formal
Der Essiv-Formal wird mit dem Suffix -ként gebildet. Es bedeutet im Deutschen so viel wie „als“. Beispiele:
tanárként dolgozik = „als Lehrer arbeiten“ (d.h., er ist in diesem Moment Lehrer)
orvosságként bevette = „als Medizin eingenommen“ (dh. so viel wie, es ist Medizin)
elsőként = „als Erster“
Einzelnachweise
↑Tamás Forgács: Ungarische Grammatik. 2. verbesserte Auflage. Edition Praesens, Wien 2004, ISBN 3-7069-0253-2, S. 170f.
↑Borbála Keszler (Hrsg.): Magyar Grammatika. Nemzetközi Tankönyvkiadó, Budapest 2000, ISBN 963-19-0010-X, S. 183ff.
↑Ferenc Kiefer (Hrsg.): Strukturális Magyar Nyelvtan. Band 3: Morfológia. Akadémiai Kiadó, Budapest 2000, ISBN 963-05-7737-2.
Quellen
Hans-Hermann Bartens: Lehrbuch der samischen (lappischen) Sprache. Helmut Buske, Hamburg 1989, ISBN 3-87118-885-9, S. 118–121, 131–133, 511.
Irja Grönholm: Estnisch Wort für Wort (= Kauderwelsch. Bd. 55). 3. Auflage. Reise Know-How Verlag Rump, Bielefeld 2002, ISBN 3-89416-245-7, S. 51.
Hillevi Low: Finnisch. Wort für Wort (= Kauderwelsch. Bd. 15). 7. Auflage. Reise Know-How Verlag Rump, Bielefeld 2002, ISBN 3-89416-014-4, S. 33.
Richard Semrau: Langenscheidts Praktisches Lehrbuch Finnisch. 6. Auflage. Langenscheidt, Berlin u. a. 1995, ISBN 3-468-26140-3, S. 117.