
Esther Dischereit (geboren am 23. April 1952 in Heppenheim, Bergstraße) ist Lyrikerin, Essayistin, Erzählerin sowie Theater- und Hörstückautorin. Sie wird als wichtige Stimme der zweiten Generation nach dem Holocaust rezipiert. Von 2012 bis 2017 lehrte Esther Dischereit als Professorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien.
Esther Dischereit wurde 1952 in Hessen geboren. Ihre Mutter Hella und die Schwester Hannelore Zacharias überlebten den Holocaust, weil sie unter anderem von dem Eisenbahner Fritz Kittel versteckt wurden. Dischereit arbeitete in der Metallindustrie und als Setzerin, seit 1985 ist sie publizistisch als Schriftstellerin und Journalistin tätig. 1988 begann eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Musikern, u. a. mit Ray Kaczynski, Friedemann Graef, Rüdiger Carl, Buschi Niebergall, Bülent Ateş, Rajesh Mehta und Tonbüro Berlin et al. 1991 gründete Esther Dischereit zusammen mit Ray Kaczynski das Label wordmusic, mit dem sie ihre rhythmischen Sprachstücke mit musikalischen Elementen zusammenführte.
Esther Dischereit erhielt seit 1988 eine Vielzahl deutscher und internationaler Stipendien, so war sie 1995 zum Beispiel Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam.
Ab 1996 hielt sie Gastlesungen an der University of Massachusetts, Amherst, Washington University in St. Louis, Cornell University, Ithaca, MIT, Boston, University of California, Berkeley, Princeton University, University of Connecticut u. a. in USA und Kanada.
Weitere Vortrags- und Lesereisen machte Dischereit ab 1993 auf Einladung verschiedener Goethe-Institute und Universitäten in die USA, nach Medellín/Kolumbien und in europäische Länder.
Bis 1994 war sie Gewerkschaftsreferentin der ÖTV und von 2001 bis 2006 Kuratorin für den Deutschen Gewerkschaftsbund Berlin: contemporary art/new media beim DGB (Kulturbeauftragte im DGB-Bezirk Berlin Brandenburg), der ihr wegen angeblicher Sparmaßnahmen (Kultur- und Antirassismusarbeit solle wegfallen) kündigte, wogegen sie in einem Prozess einschließlich Berufungsverfahren erfolgreich vorging. In Verbindung mit der Kündigung ihrer Arbeitsstelle kam es 2006 auch zu öffentlichen Protesten.
Internationale Einladungen als Autorin seit 2007: 5th world poetry festival, Caracas, Venezuela, 2008; Ein Kleid aus Warschau, Drehbuch zus. mit Michal Otlowski Warschau/Berlin 2007, nominiert für Prix Genève – Europe, 2007 First international conference of Jewish writers kisufim, Jerusalem, Israel, 2007 Poetry. Wider das Verstummen, 3. Outspoken, Münster 2007 Guest of honor der conference Women in German, USA, 2006 Luncheon speaker GSA-conference, USA; 2006 Writer in residence, Deutsches Haus, New York, USA; 2004 Gastaufenthalt University of Wales, Swansea, UK, 2004 Symposion on Dischereits work, Swansea, UK; 2004 Festival de Poesia, Medellin, Columbia.
Weitere interdisziplinäre Zusammenarbeiten gab es mit der Tänzerin und Choreografin Holly Handman-Lopez (Joyce Theater, Dance Theater Workshop, Miller Theater, Brooklyn Academy of Music in New York) für das Stück Vor den Hohen Feiertagen gab es ein Flüstern und Rascheln im Haus. Ihr Buch Blumen für Otello (2014) präsentierte Esther Dischereit zusammen mit Ipek Ipekcioglu auf zweisprachigen Lesungen.
Seit 1989 lebt Dischereit in Berlin und seit 2012 auch in Wien.
Esther Dischereit war von 2012 bis 2013 Beobachterin des NSU-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags.
Zwischen 2012 und 2017 war Esther Dischereit Professorin für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien.
Ihr Roman Ein Haufen Dollarscheine steht auf der Shortlist des Preis der Leipziger Buchmesse 2025.

Im Jahr 2003 wurde das Hörstück „Ein Huhn für Mr Boe“ für 51. Hörspielpreis der Kriegsblinden nominiert und das Hörstück „Rote Schuhe“ erhielt den Titel Hörspiel des Monats, das Hörstück Kaffee im Haus von Zara Naor wurde in der Woche des Hörspiels in Berlin gespielt. Im Mai 1993 wurde Esther Dischereits Hörspiel Rote Schuhe als Hörspiel des Monats ausgezeichnet.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Dischereit, Esther |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 23. April 1952 |
| GEBURTSORT | Heppenheim (Bergstraße) |