Esther Dischereit

Esther Dischereit, 2022

Esther Dischereit (geboren am 23. April 1952 in Heppenheim, Bergstraße) ist Lyrikerin, Essayistin, Erzählerin sowie Theater- und Hörstückautorin. Sie wird als wichtige Stimme der zweiten Generation nach dem Holocaust rezipiert. Von 2012 bis 2017 lehrte Esther Dischereit als Professorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Leben

Esther Dischereit wurde 1952 in Hessen geboren. Ihre Mutter Hella und die Schwester Hannelore Zacharias überlebten den Holocaust, weil sie unter anderem von dem Eisenbahner Fritz Kittel versteckt wurden. Dischereit arbeitete in der Metallindustrie und als Setzerin, seit 1985 ist sie publizistisch als Schriftstellerin und Journalistin tätig. 1988 begann eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Musikern, u. a. mit Ray Kaczynski, Friedemann Graef, Rüdiger Carl, Buschi Niebergall, Bülent Ateş, Rajesh Mehta und Tonbüro Berlin et al. 1991 gründete Esther Dischereit zusammen mit Ray Kaczynski das Label wordmusic, mit dem sie ihre rhythmischen Sprachstücke mit musikalischen Elementen zusammenführte.

Esther Dischereit erhielt seit 1988 eine Vielzahl deutscher und internationaler Stipendien, so war sie 1995 zum Beispiel Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam.

Ab 1996 hielt sie Gastlesungen an der University of Massachusetts, Amherst, Washington University in St. Louis, Cornell University, Ithaca, MIT, Boston, University of California, Berkeley, Princeton University, University of Connecticut u. a. in USA und Kanada.

Weitere Vortrags- und Lesereisen machte Dischereit ab 1993 auf Einladung verschiedener Goethe-Institute und Universitäten in die USA, nach Medellín/Kolumbien und in europäische Länder.

Bis 1994 war sie Gewerkschaftsreferentin der ÖTV und von 2001 bis 2006 Kuratorin für den Deutschen Gewerkschaftsbund Berlin: contemporary art/new media beim DGB (Kulturbeauftragte im DGB-Bezirk Berlin Brandenburg), der ihr wegen angeblicher Sparmaßnahmen (Kultur- und Antirassismusarbeit solle wegfallen) kündigte, wogegen sie in einem Prozess einschließlich Berufungsverfahren erfolgreich vorging. In Verbindung mit der Kündigung ihrer Arbeitsstelle kam es 2006 auch zu öffentlichen Protesten.

Internationale Einladungen als Autorin seit 2007: 5th world poetry festival, Caracas, Venezuela, 2008; Ein Kleid aus Warschau, Drehbuch zus. mit Michal Otlowski Warschau/Berlin 2007, nominiert für Prix Genève – Europe, 2007 First international conference of Jewish writers kisufim, Jerusalem, Israel, 2007 Poetry. Wider das Verstummen, 3. Outspoken, Münster 2007 Guest of honor der conference Women in German, USA, 2006 Luncheon speaker GSA-conference, USA; 2006 Writer in residence, Deutsches Haus, New York, USA; 2004 Gastaufenthalt University of Wales, Swansea, UK, 2004 Symposion on Dischereits work, Swansea, UK; 2004 Festival de Poesia, Medellin, Columbia.

Weitere interdisziplinäre Zusammenarbeiten gab es mit der Tänzerin und Choreografin Holly Handman-Lopez (Joyce Theater, Dance Theater Workshop, Miller Theater, Brooklyn Academy of Music in New York) für das Stück Vor den Hohen Feiertagen gab es ein Flüstern und Rascheln im Haus. Ihr Buch Blumen für Otello (2014) präsentierte Esther Dischereit zusammen mit Ipek Ipekcioglu auf zweisprachigen Lesungen.

Seit 1989 lebt Dischereit in Berlin und seit 2012 auch in Wien.

Esther Dischereit war von 2012 bis 2013 Beobachterin des NSU-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags.

Zwischen 2012 und 2017 war Esther Dischereit Professorin für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Ihr Roman Ein Haufen Dollarscheine steht auf der Shortlist des Preis der Leipziger Buchmesse 2025.

Ehrungen

Esther Dischereit auf dem Blauen Sofa während der Leipziger Buchmesse 2014

Im Jahr 2003 wurde das Hörstück „Ein Huhn für Mr Boe“ für 51. Hörspielpreis der Kriegsblinden nominiert und das Hörstück „Rote Schuhe“ erhielt den Titel Hörspiel des Monats, das Hörstück Kaffee im Haus von Zara Naor wurde in der Woche des Hörspiels in Berlin gespielt. Im Mai 1993 wurde Esther Dischereits Hörspiel Rote Schuhe als Hörspiel des Monats ausgezeichnet.

Projekte

Werke Prosa

Gedichtbände

Essays

Publikationen als Herausgeberin und Betreuerin

Aufsätze

Hörstücke

Stipendien

Literatur

Audio

Commons: Esther Dischereit – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Neue Ausstellung – Wer war Fritz Kittel – Ein Reichsbahner entscheidet sich
  2. ↑ TU Berlin – Medieninformation Nr. 261: Joëmis Tisch - Eine jüdische Geschichte von Esther Dischereit, 27. November 1997
  3. ↑ literaturbuero-ruhr.de: Jüdische Identität – Ester Dischereit (Memento vom 3. Januar 2005 im Internet Archive)
  4. ↑ Verlagsporträt bei Suhrkamp (abgerufen am 11. Januar 2009)
  5. ↑ haGalil.com: Offener Brief an den DGB: Esther Dischereit nicht kündigen!, 17. Juni 2006.
  6. ↑ Verlagsauftritt Secession (Memento vom 10. Juni 2015 im Internet Archive) 10. Juni 2015
  7. ↑ Der Tagesspiegel: Autobahnmauthausen, 2. Mai 2008.
  8. ↑ Literaturpreise des Deutschen Literaturfonds verliehen: Großer Preis für Esther Dischereit, boersenblatt.net, erschienen und abgerufen am 23. Juli 2026
  9. ↑ Esther Dischereit 2014 auf dem Blauen Sofa der Buchmesse in Leipzig mit ihrem Buch „Blumen für Otello“. In: zdf.de. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 8. Juni 2015; abgerufen im April 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. ↑ Der Standard:, 21. August 2009
  11. ↑ „Vor den Hohen Feiertagen gab es ein Flüstern und Rascheln im Haus“. Website der Publikation und der Installation auf dem Eichengrünplatz in Dülmen. In: eichengruen-platz.de. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 1. August 2015; abgerufen am 8. Juni 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  12. ↑ Programm Brick, Wien März 2016, Der Blick des Anderen, Drinnen | Draussen | Heymat, 21. Juni 2016
  13. ↑ Den Demütigungen der Kindheit nachspüren, Rezension DRK Von Sigrid Brinkmann, 8. Juni 2015
  14. ↑ Buchpräsentation Großgesichtiges Kind in Wien. Mitschnitt der Angewandten durch Riccardo Ajossa, 22. Juni 2016
  15. ↑ Rezension von Elisabeth Wagner: Die Geste der Trauer ist stolz und stark in der taz am 8. Juli 2014, 8. Juni 2015
  16. ↑ zintzen.org: Esther Dischereit – Akustisches Denkmal (Memento vom 25. Oktober 2011 im Internet Archive)
  17. ↑ Eiszeit: Ein lesenswerter Gedichtband von Esther Dischereit – Rezension auf haGalil.com, 31. Dezember 2003
  18. ↑ SWR2 Partikel vom Großgesichtigen Kind. Autorenproduktion mit Marcus Meyer. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im September 2026. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) 8. Juni 2015
  19. ↑ Szenen zu Blumen für Otello Deutschlandradio Kultur, Nachhören bis zum 19. Oktober 2016 22. Juni 2016
  20. ↑ Ein Huhn für Mr Boe. In: ndr.de. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen im Dezember 2023. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)