Ethel Pye

Ethel Pye als „Lechery“, Doctor Faustus-Aufführung der Marlowe Society am King’s College London

Margaret Ethel Pye (* April 1881 in Marylebone, London; † 1955 in Cuckfield, West Sussex) war eine englisch-britische Malerin und Bildhauerin. Sie arbeitete in Bronze und Holz. In den 1910er Jahren schuf sie außerdem Schmuck. Sie war Teil einer Gruppe literarischer und künstlerischer Freunde, die von Virginia Woolf als „Neo‑Pagans“ bezeichnet wurde.

Leben

Pye entstammte einer angesehenen Familie und war eines von sieben Kindern (vier Brüder und zwei Schwestern) von Margaret Thompson Kidston und William Arthur Pye, einem Weinhändler und Kunstsammler. Die Familie lebte in Marylebone, London, wo Pye aufwuchs, bevor die Familie nach Hampstead und anschließend nach Limpsfield, Surrey, in ein Haus namens Priest Hill zog. Zu ihren Nachbarn zählten mehrere liberal‑progressive Familien, darunter Sydney und Margaret Olivier sowie Edward und Constance Garnett; die Kinder waren miteinander befreundet. Die Eltern empfingen zahlreiche literarische und künstlerische Persönlichkeiten ihrer Zeit, darunter Laurence Binyon und T. Sturge Moore. Die älteste Schwester war die Krankenschwester Edith Mary Pye, eine weitere Schwester die Buchbinderin Anna Sybella Pye und zu ihren Brüdern zählte der Ingenieur David Randall Pye.

Pye studierte an der Slade School of Fine Art in London und stellte anschließend 1910 an der Royal Scottish Academy sowie später regelmäßig bei der Society of Women Artists aus, wo 1950 zur Associate gewählt wurde. Ethel und Sybil Pye besuchten Kurse von Sturge Moore. Später erzählte Pye der Ehefrau Sturge Moores, Marie Appia, ihre Skulpturen hätten „nicht existiert“, bevor Sturge Moore sie gesehen habe. Pye schuf außerdem Kostüme und Masken nach Sturge Moores Entwürfen für die Aufführungen seiner Versdramen.

1901 gründete Sturge Moore gemeinsam mit Ethel und Sybil Pye, William Butler Yeats, Laurence Binyon und Charles Ricketts in London den Literary Theatre Club nach dem, Vorbild des Irish Literary Theatre. Die Teilnehmenden waren überwiegend junge Frauen wie Isabel Fry, Eleanor Calhoun, Gwendolyn Bishop und Mona Wilson. Sturge Moores erstes (von insgesamt 31) zur Aufführung gebrachtes Stück, eine urheberrechtliche Lesung von Aphrodite against Artemis, war die erste vom Club inszenierte Produktion und wurde am 30. Juli 1901 im Dalston Theatre aufgeführt. Yeats bezeichnete das Stück als „kraftvoll mit einer schönen, gezügelten Leidenschaft.“

Zusammen mit Rupert Brooke, mit dem Pye viele Jahre korrespondierte, gehörte sie zu einer Gruppe, die von Virginia Woolf als die „Neo‑Pagans“ bezeichnet wurde; mehrere Mitglieder dieser Gruppe erwähnen Pye in ihren Schriften.

In diesem sozialen Umfeld der Neo-Pagans, der Fabian Society und der Marlowe Dramatic Society in Cambridge nahm sie im August 1910 an einer Campingexpedition in der Nähe von Buckler’s Hard am Beaulieu River teil; zu den weiteren Teilnehmern zählten Brooke, die Olivier-Kinder Noël und Brynhild, ihre Geschwister Sybil und David, Francis William Hubback und seine zukünftige Frau Eva Spielmann, Jacques Raverat, Katherine Laird Cox, Helton Godwin Baynes, Harold Hobson und Arthur E. Popham. Pye schrieb an Noël Olivier: „Ich habe auf Juni, Juli und August geblickt und mich gefragt, ob ich wohl imstande sein werde, etwas wirklich Epochemachendes festzuhalten wie […] dieses Jahr.“ Sie schuf ein Gemälde dieses Ereignisses. Im selben Jahr fand ein berüchtigtes „Frühstück“ in Brookes Haus The Orchard statt, das in verschiedenen Tagebüchern der Teilnehmenden erwähnt wird. Virginia Woolf bemerkt in einem Tagebucheintrag der 1920er Jahre zu der Zeit, dass Pye mit Bezug auf diese Zeit den Wunsch äußerte eine Maske von ihr anzufertigen.

Während des Ersten Weltkriegs besuchte sie 1917 das Friends War Victim Relief Hospital ihrer Schwester in Châlons‑sur‑Marne und schuf später dazu eine Bronze, Marne 1914–1919, die sich heute in der Bibliothek der Society of Friends in London befindet.

Ab etwa 1928 halfen Ethel und Sybil Pye, Freda Skinners Ausbildung am Royal College of Art zu finanzieren.

Als Pyes Vater 1933 starb, zogen Ethel und Sybil Pye nach Newick in East Sussex, um in der Nähe eines ihrer Brüder zu sein. Keine der beiden heiratete, und beide lebten und arbeiteten ihr ganzes Leben lang zusammen.

Ihr Neffe, der Bildhauer William Pye, gab an, seit seinem zehnten Lebensjahr von seiner Tante Ethel inspiriert worden zu sein; und nach dem Tod von David Pye, Williams Vater, im Jahr 1960, als William 21 Jahre alt war, hatte sie entscheidenden Einfluss auf ihn. Ihr Neffe, auch David Pye mit Namen, Sohn des Bruders Edmund Burns Pye (1878–1959), wurde Professor für Möbeldesign am Royal College of Art (RCA) und übergab später Zeichnungen von Pye dem British Museum.

Pye starb vermutlich 1955 im Cuckfield Hospital, das sich in der Nähe des gemeinsamen Hauses der Schwestern, Hill Cottage in Newick, befand.

Pyes Werk ist nur unzureichend dokumentiert, doch ist bekannt, dass sie in den Ausstellungen der International Society of Sculptors, Painters and Gravers (1909 und 1913), der Ausstellung des Women’s International Art Club (1932) und der Kensington Art Gallery (1949) beteiligt war. Zeichnungen von ihr befinden sich im Bestand des British Museum.

Commons: Ethel Pye – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Rupert Brooke. King's College, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 19. Dezember 2024; abgerufen am 14. April 2026.
  2. ↑ Taufeintrag am 24. April 1881 in der All Saints Church in St. John’s Wood in: London, England, Church of England Births and Baptisms, 1813–1924 und Eintrag für „Margaret E. Pye“ in: 1881 England Census.
  3. ↑ Registereintrag 1955 für „Margaret Ethel Pye“ in: England & Wales, Civil Registration Death Index, 1916–2007. Die Literatur ist sich über ihr Todesdatum uneinig. Das British Museum gibt „1960?“ an, und die Datenbank Mapping Sculpture nennt „1960 (vermutlich)“. Ein Nachlassvermerk für ihre Schwester Sybil nach deren Tod im Jahr 1958 zeigt, dass sie ihr gesamtes Vermögen ihrem Neffen David Pye vermachte, nicht jedoch ihrer Schwester. Das passt zu einem Todesdatum vor 1958 im Cuckfield Hospital, das sich in der Nähe des gemeinsamen Hauses der Schwestern, Hill Cottage in Newick, befand. Ihr Neffe William Pye gibt das Todesdatum ebenfalls mit 1955 an.
  4. 1 2 3 Ethel Pye. In: Mapping the Practice and Profession of Sculpture in Britain and Ireland 1851–1951. University of Glasgow History of Art and HATII, 2011, abgerufen am 14. April 2026.
  5. 1 2 Sybil Oldfield: Pye, Edith Mary (1876–1965). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/37871 (englisch).
  6. 1 2 3 Sara Gray: British Women Artists. A Biographical Dictionary of 1000 Women Artists in the British Decorative Arts. Bennion Kearny, Oakamoor 2019, ISBN 978-1-911121-63-3.
  7. ↑ Marianne Tidcombe: Women Bookbinders in Britain before the First World War. In: David Pankow (Hrsg.): Proceedings: A Collection of Papers from the June 2000 Conference Celebrating the Installation and Opening of the Bernard C. Middleton Collection of Books on the History and Practice of Bookbinding. Melbert B. Cary, jr. Graphics Arts Collection, Wallace Library, Rochester Institute of Technology, Henrietta, NY 2002, ISBN 0-9713459-2-9, Kap. 2, S. 6, 53–70, 153–155, 208–214.
  8. 1 2 3 Ethel Pye. British Museum, abgerufen am 14. April 2026.
  9. ↑ Sylvia Legge: Affectionate Cousins: T. Sturge Moore and Marie Appia. Oxford University Press, Oxford 1980, ISBN 0-19-211761-0, S. 259.
  10. ↑ John Hatcher: Laurence Binyon: Poet, Scholar of East and West. Clarendon Press, Oxford 1995, ISBN 0-19-812296-9, S. 119.
  11. ↑ Ronald Schuchard: W. B. Yeats and the London Theatre Societies, 1901–1904. In: The Review of English Studies, New Series. Band 29, Nr. 116, November 1978, S. 419, JSTOR:514832.
  12. ↑ Ronald Schuchard: The Last Minstrels : Yeats and the Revival of the Bardic Arts. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-152806-4, S. 41–48 (google.de).
  13. ↑ Pippa Harris (Hrsg.): Song of Love: The Letters of Rupert Brooke and Noel Olivier, 1909–1915. Crown Publishing, New York City 1991, ISBN 0-517-59090-5.
  14. ↑ Sarah Watling: Noble Savages: The Olivier Sisters. Random House, New York City 2019, ISBN 978-1-4735-4933-3, S. 71.
  15. ↑ Mike Read: Forever England: The Life of Rupert Brooke. Biteback Publishing, Hull 2015, ISBN 978-1-84954-866-3, S. 100.
  16. ↑ Michael Hastings: The Handsomest Young Man in England: Rupert Brooke. Joseph, London 1967, ISBN 91-20-08102-2, S. 54.
  17. ↑ Klaus Reichert (Hrsg.): Virginia Woolf, Tagebücher, Band 3. 1925–1930. Fischer, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-10-092559-9 (Eintrag vom 8. Februar 1926).
  18. ↑ Library resources for researching World War I: visual resources. In: Quaker Strongrooms, Blog. Library of the Society of Friends, 28. November 2014, abgerufen am 15. April 2026.
  19. ↑ Sheila Mitchell: Obituary: Freda Skinner. The Independent, 30. Juli 1993, abgerufen am 15. April 2026.
  20. ↑ Jonathan Foyle: The British fountain-maker with a taste for acrobatics. Financial Times, 11. November 2016, abgerufen am 15. April 2026.
  21. ↑ Ethel Pye: recollections and images from her nephew. In: Discovering Women Sculptors – Spring series four. Public Statues and Sculpture Association, 9. März 2023, abgerufen am 15. April 2026.
Personendaten
NAME Pye, Ethel
ALTERNATIVNAMEN Pye, Margaret Ethel (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG englisch-britische Malerin und Bildhauerin
GEBURTSDATUM April 1881
GEBURTSORT Marylebone, London, England, Vereinigtes Königreich
STERBEDATUM 1955
STERBEORT Cuckfield, West Sussex, England, Vereinigtes Königreich