Eugen Link (* 15. Juli 1883 in Laupheim; † 16. Mai 1973 ebenda) war ein deutscher Offizier, Privatier, Schriftleiter und Autor. 1926 gründete er die in Freiburg im Breisgau erscheinende Zeitschrift Magnum Opus. Monats-Zeitschrift für Psychosynthese, deren Schriftleiter und wichtigster Autor er war. In der Literatur über Hermann Hesse wird Link außerdem als Ulmer Gastgeber und langjähriger Korrespondenzpartner des Schriftstellers behandelt.
Eugen Link wurde 1883 in Laupheim als Sohn einer evangelischen Beamtenfamilie geboren. Nach dem Besuch der Elementarschule und drei Jahren an der Lateinschule in Laupheim wechselte er an das Realgymnasium in Ulm, wo er nach sechs Jahren die Universitätsreife erwarb. Kurz nach seinem 18. Geburtstag trat Link als Fahnenjunker in das in Ulm stationierte 3. Württembergische Feldartillerie-Regiment Nr. 49 ein. Im Ersten Weltkrieg diente er als Offizier und nahm unter anderem im Winter 1917/18 an Gebirgskämpfen in den Venezianischen Alpen teil. Nach gesundheitlichen Beeinträchtigungen schied er Anfang 1920 im Alter von 36 Jahren mit Pensionsbewilligung als Charaktermajor aus der Armee aus.
Am 7. Februar 1916 heiratete Link die Ulmerin Lydie Bertha Wieland (1890–1986), Tochter des Unternehmers und Politikers Philipp Jacob Wieland (1863–1949). Das Ehepaar hatte drei Kinder. Die Heirat ermöglichte Link nach seinem Ausscheiden aus dem Militär ein finanziell unabhängiges Leben als Privatier. Die Familie lebte in der Villa der Familie Wieland in der Neutorstraße 7 in Ulm. Das im sogenannten pompejanischen Stil errichtete Gebäude befand sich an der Stelle des heutigen Theaters Ulm.
Im Januar 1926 erschien die erste Ausgabe der von Link gegründeten Zeitschrift Magnum Opus. Monats-Zeitschrift für Psychosynthese. Sie war zugleich Organ der „Magnum Opus-Liga, Vereinigung zur Wahrung der Rechte der Seele“ in Freiburg im Breisgau. Link war Schriftleiter und der wichtigste Autor des Periodikums. Das zeitgenössische Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel verzeichnete den ersten Jahrgang als „Zeitschrift f. Psychosynthese“, nannte Eugen Link als Schriftleiter und wies zwölf Hefte mit insgesamt 384 Seiten nach.
Magnum Opus erschien 1926 und 1927 in insgesamt 24 Monatsausgaben. Link veröffentlichte darin mehr als 30 Beiträge; daneben waren zwölf weitere Autoren an den beiden Jahrgängen beteiligt. Die Zeitschrift behandelte weltanschauliche, religiöse und esoterische Themen. Links Vorstellung einer „Psychosynthese“ zielte auf eine Verbindung körperlicher, seelischer und geistiger Aspekte des Menschen und betonte Selbsterkenntnis und die „Arbeit an sich selbst“. Ende 1927 wurde das Erscheinen eingestellt. Im letzten Heft wurde dies mit einer zu geringen Zahl von Interessenten und der fehlenden wirtschaftlichen Grundlage für eine Fortführung begründet.
Eugen Link gehörte zum Ulmer Freundes- und Bekanntenkreis Hermann Hesses. Jan Haag und Bernd Michael Köhler behandeln ihn als einen der Ulmer Gastgeber Hesses und widmen seiner Biografie und der Beziehung zwischen beiden einen eigenen Abschnitt.
Die Chronologie des Kennenlernens ist nicht völlig eindeutig. Volker Michels datiert eine Begegnung zwischen Link und Hesse auf den 2. Dezember 1924. In Hesses autobiografischem Reisebericht Die Nürnberger Reise beschreibt Hesse dagegen eine Begegnung mit einem nicht namentlich genannten „Ulmer“ während eines Aufenthalts in Baden bei Zürich. Haag und Köhler identifizieren diesen „Ulmer“ als Eugen Link und weisen auf die unterschiedliche zeitliche Darstellung hin. Am 3. November 1925 hielt Hesse eine Lesung in Ulm. Anschließend fand eine private Zusammenkunft im Haus von Eugen und Lydie Link in der Neutorstraße 7 statt. Bei weiteren Aufenthalten war Hesse ebenfalls Gast der Familie Link.
Zwischen Link und Hesse entwickelte sich ein langjähriger Briefwechsel. Das Verhältnis war jedoch nicht spannungsfrei. Bereits in den 1920er Jahren reagierte Hesse kritisch auf Links Versuche, ihn zu einer stärker positiven beziehungsweise weltanschaulich bestimmten Haltung zu bewegen. Hesse bestand gegenüber Link darauf, auch negative Lebensstimmungen und pessimistische Gedanken äußern zu dürfen. Im November 1950 kam es zu einem deutlicheren schriftlichen Konflikt. Link fühlte sich mit seinem inzwischen weiterentwickelten spirituellen Gedankengebäude von Hesse nicht ausreichend gewürdigt und beklagte, dass seine Versuche, Hesse dafür zu gewinnen, erfolglos geblieben waren.
Trotz dieses Konflikts blieb Link Hesse verbunden. Etwa zweieinhalb Jahre nach Hesses Tod 1962 besuchten Eugen und Lydie Link dessen Witwe Ninon Hesse in Montagnola. Sie bat darum, ihr noch vorhandene Briefe Hesses an die Familie Link zu überlassen. Link verwies auf Verluste der Korrespondenz während des Zweiten Weltkriegs und auf das frühere Missverständnis mit Hesse, betonte zugleich jedoch seine fortbestehende Verehrung für den Schriftsteller.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Link erneut zum Militärdienst herangezogen. Von März 1940 bis Juli 1943 gehörte er der Wehrmacht an und wurde zum Oberstleutnant befördert.
Beim schweren Luftangriff auf Ulm am 17. Dezember 1944 wurde die Villa in der Neutorstraße zerstört. Dabei gingen auch persönliche Unterlagen der Familie Link und Teile der Korrespondenz mit Hermann Hesse verloren. Eugen und Lydie Link kehrten anschließend zunächst in Links Elternhaus in Laupheim zurück. Das Gebäude, heute Gartenstraße 10, wurde früher unter der Adresse Radstraße 34 geführt. Im Ulmer Adressbuch von 1961 ist Link als Oberstleutnant a. D. in der Gideon-Bacher-Straße 19 verzeichnet. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er wiederum mit seiner Frau in Laupheim. Dort starb er am 16. Mai 1973.
Eugen und Lydie Link wurden auf dem Alten Friedhof in Laupheim in einem Familiengrab beigesetzt. Die Grabstelle wurde 2012 aufgelöst; der historische Obelisk des Grabmals blieb erhalten. Am 25. September 2026 wurde am erhaltenen Grabmal eine Bronzegusstafel für Eugen und Lydie Link eingeweiht. Sie erinnert an das Ehepaar und seine Verbindung zu Hermann Hesse und ist zugleich eine Station des Hermann-Hesse-Besinnungswegs.
Im Hermann-Hesse-Archiv des Schweizerischen Literaturarchivs in Bern ist unter der Signatur Ms-L-83-Link-Eugen ein Brief Eugen Links an Hermann Hesse aus dem Jahr 1950 mit einer Antwortkopie Hesses überliefert. Im Nachlass des Kulturphilosophen Leopold Ziegler befinden sich vier Briefe Eugen Links aus den Jahren 1942 bis 1947. Sie sind im Kalliope-Verbund unter der Signatur K 3053a nachgewiesen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Link, Eugen |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Offizier, Schriftleiter und Autor |
| GEBURTSDATUM | 15. Juli 1883 |
| GEBURTSORT | Laupheim |
| STERBEDATUM | 16. Mai 1973 |
| STERBEORT | Laupheim |