Euler-Produkt

Das Euler-Produkt ist ein Begriff aus dem mathematischen Teilgebiet der Analysis und insbesondere der Zahlentheorie. Es ist eine Darstellung einer Dirichlet-Reihe mittels eines unendlichen Produktes indiziert über die Menge der Primzahlen. Benannt ist das Euler-Produkt nach Leonhard Euler, der das unendliche Produkt bezüglich der Dirichlet-Reihe der Riemannschen Zeta-Funktion untersuchte.

Definition

Sei f eine multiplikative zahlentheoretische Funktion und F(s):=∑n=1∞f(n)ns die entsprechende Dirichlet-Reihe von f. Falls diese Reihe für eine komplexe Zahl s absolut konvergiert, dann gilt

F(s)=∏p prim∑k=0∞f(pk)pks.

Im Falle einer vollständig multiplikativen Funktion f vereinfacht sich dieses Produkt zu

F(s)=∏p prim11−f(p)p−s.

Diese unendlichen Produkte über alle Primzahlen heißen Euler-Produkte. Der Wert dieser Produkte ist definiert als Grenzwert limN→∞PN der Folge endlicher Produkte PN, die entsteht, indem man das Produkt nur auf Primzahlen unterhalb einer Schranke N erstreckt.

Beweis

Es gibt mehrere Beweise für die Gültigkeit des Euler-Produktes.

Zunächst ist klar, dass mit absoluter Konvergenz der Reihe F(s) auch jeder Faktor ∑k=0∞f(pk)pks absolut konvergiert. Es folgt, dass für jedes N das Partialprodukt

FN(s)=∏p≤Np Primzahl∑k=0∞f(pk)pks

existiert. Damit sieht man sogleich mit der Cauchy-Produktformel und der aufsteigenden Folge der Primzahlen 2=p1<p2<⋯<pj≤N<pj+1:

FN(s)=∑k1=0∞⋯∑kj=0∞f(p1k1)⋯f(pjkj)(p1k1⋯pjkj)s=∑k1=0∞⋯∑kj=0∞f(p1k1⋯pjkj)(p1k1⋯pjkj)s.

Im zweiten Schritt wurde die Multiplikativität von f benutzt. Damit folgt

FN(s)=∑n≤Nf(n)ns+∑n>N'f(n)ns,

wobei der Strich an der zweiten Summe anzeigt, dass nur über alle n>N summiert wird, deren Primteiler sämtlich ≤N sind. Damit folgt: für jedes ε>0 existiert ein N>0 mit

|F(s)−FN(s)|≤∑n=N+1∞|f(n)ns|<ε.

Somit konvergiert die Folge der Partialprodukte FN(s) für jedes s im Bereich der absoluten Konvergenz gegen F(s) (sogar gleichmäßig auf kompakten Teilmengen) und der Satz ist gezeigt.

Das Euler-Produkt der Riemannschen Zeta-Funktion

Formulierung

Im Fall f(n)=1 für alle n∈ℕ ist f offenbar vollständig multiplikativ. Es gilt demnach für alle Re⁡(s)>1

ζ(s)=∑n=1∞1ns=∏p prim11−1ps.

Die Funktion ζ(s) ist dabei auch bekannt als Riemannsche Zeta-Funktion.

Herleitung von Euler

Die Idee dieses Herleitungsweges wurde bereits von Euler verwendet. Man nehme eine Teilmenge M⊂ℕ und eine Primzahl p, so dass 1∈M und pM⊂M. Ist also m∈M, so folgt ebenfalls pm∈M. Dann gilt ganz allgemein für Re⁡(s)>1

(1−1ps)∑m∈M1ms=∑m∈M1ms−∑m∈M1(pm)s=∑m∈M∖pM1ms.

Bezeichnen wir jetzt pn als die Folge der Primzahlen in aufsteigender Folge, und Mk als die Menge der Zahlen, die nicht durch p1,…,pk teilbar sind (z. B. M1={1,3,5,7,…}). Setze zudem M0:=ℕ. Dann hat jedes Mk die obere Eigenschaft mit der nächsten Primzahl pk+1 und es gilt Mk+1=Mk∖pk+1Mk. Also:

(1−1pk+1s)∑m∈Mk1ms=∑m∈Mk+11ms

und damit induktiv

(1−12s)(1−13s)⋯(1−1pks)ζ(s)=∑m∈Mk+11ms.

Bildet man auf beiden Seiten den Limes, ergibt sich

limk→∞(1−12s)(1−13s)⋯(1−1pks)ζ(s)=limk→∞∑m∈Mk+11ms=1,

da die 1 die einzige natürliche Zahl ist, die durch keine Primzahl teilbar ist.

Einzelnachweise

  1. ↑ Euler-Produkt. In: Guido Walz (Hrsg.): Lexikon der Mathematik. 1. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Mannheim/Heidelberg 2000, ISBN 3-8274-0439-8.
  2. ↑ Rainer Schulze-Pillot: Einführung in Algebra und Zahlentheorie. 2. korrigierte und erweiterte Auflage. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-79569-8, S. 53.