Eurachem

Eurachem ist ein europäisches Netzwerk von Organisationen, das sich mit der Qualität und internationalen Vergleichbarkeit analytisch-chemischer Messungen befasst. Es wurde 1989 gegründet. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Metrologische Rückführbarkeit, Messunsicherheit, Methodenvalidierung, Qualitätssicherung und Eignungsprüfungen analytischer Laboratorien.

Eurachem veröffentlicht Leitfäden zur Qualität analytischer Messungen und arbeitet mit nationalen und internationalen Organisationen aus Metrologie, Akkreditierung und analytischer Chemie zusammen.

Geschichte

Die Initiative zur Gründung entstand Ende der 1980er Jahre vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung international vergleichbarer chemischer Messungen. Der britische Government Chemist Alex Williams schlug 1987 die Einrichtung eines europäischen Forums für Qualitätssicherung in der analytischen Chemie vor.

Ein erstes Treffen fand im Oktober 1988 beim britischen Laboratory of the Government Chemist statt. Weitere Beratungen folgten unter anderem in Delft und Geel. Am 18. Juli 1989 wurde die Organisation bei einem Treffen in Straßburg unter dem Namen Eurachem gegründet.

Zentrales Ziel war von Beginn an der Aufbau einer europäischen Infrastruktur zur Sicherung der Rückführbarkeit und Vergleichbarkeit chemisch-analytischer Messergebnisse. Bis Ende 1990 hatten Vertreter von 16 Staaten das Memorandum of Understanding der Organisation unterzeichnet.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Eurachem zu einem europäischen Netzwerk nationaler Organisationen. Die Mitgliedsländer werden in der Generalversammlung vertreten; die technische Arbeit erfolgt in Arbeitsgruppen.

Tätigkeit

Eurachem befasst sich insbesondere mit Fragen der Qualität analytischer Messungen. Zu den Arbeitsgebieten gehören:

Ein wesentlicher Teil der Tätigkeit besteht in der Entwicklung frei verfügbarer Leitfäden. Diese werden teilweise gemeinsam mit Organisationen wie CITAC (Cooperation on International Traceability in Analytical Chemistry), EUROLAB und weiteren Fachorganisationen erarbeitet.

Zu den verbreiteten Veröffentlichungen gehört der erstmals 1995 erschienene Leitfaden Quantifying Uncertainty in Analytical Measurement. Er überträgt die allgemeinen Grundsätze zur Ermittlung von Messunsicherheiten auf chemisch-analytische Messungen und wurde in mehreren Auflagen und Übersetzungen veröffentlicht.

Weitere Leitfäden behandeln unter anderem Methodenvalidierung, Messunsicherheit bei der Probenahme, Referenzmaterialien, qualitative Analysen und die Anwendung von Messunsicherheiten bei Konformitätsentscheidungen. Eurachem-Leitfäden werden auch in der wissenschaftlichen Fachliteratur zur analytischen Qualitätssicherung rezipiert.

Organisation

Eurachem ist als Netzwerk nationaler Strukturen organisiert. Die Mitgliedsländer entsenden Vertreter in die Generalversammlung, die das zentrale Entscheidungsgremium bildet. Daneben bestehen ein Executive Committee und fachbezogene Arbeitsgruppen.

Die nationalen Eurachem-Strukturen umfassen unter anderem wissenschaftliche Fachgesellschaften, metrologische Institute, Labororganisationen und andere Einrichtungen der analytischen Qualitätssicherung.

Eurachem unterhält fachliche Beziehungen unter anderem zur European Cooperation for Accreditation, zur EURAMET, zur European Chemical Society, zum Joint Research Centre der Europäischen Kommission, zur International Laboratory Accreditation Cooperation, zur International Union of Pure and Applied Chemistry sowie zu CITAC und EUROLAB.

Bedeutung

Eurachem trug seit den 1990er Jahren zur Verbreitung metrologischer Konzepte in der analytischen Chemie bei. Dazu gehörten insbesondere die Anwendung der Konzepte von Rückführbarkeit und Messunsicherheit auf chemische Analysen sowie deren Einbindung in die Qualitätssicherung von Laboratorien.

Zum 25-jährigen Bestehen der Organisation erschienen 2014 in der Fachzeitschrift Accreditation and Quality Assurance mehrere Beiträge, die die Entstehung und den Einfluss von Eurachem auf die Entwicklung der Metrologie in der Chemie untersuchten.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Vicki J. Barwick: Eurachem—A Focus for Analytical Chemistry in Europe. In: Proceedings. Band 55, Nr. 1, 2020, S. 19, doi:10.3390/proceedings2020055019.
  2. 1 2 3 Bertil Magnusson; Stephen L. R. Ellison; Marina Patriarca: Impact of Eurachem: 25 years of activity. In: Accreditation and Quality Assurance. Band 19, Nr. 2, 2014, doi:10.1007/s00769-014-1041-z.
  3. 1 2 3 4 5 Alex Williams; Paul De Bièvre: Eurachem’s 25th anniversary: two members’ perspective. In: Accreditation and Quality Assurance. Band 19, Nr. 2, 2014, S. 55–57, doi:10.1007/s00769-014-1040-0.
  4. ↑ Eurachem Guides. Eurachem, abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  5. ↑ Quantifying Uncertainty in Analytical Measurement. Eurachem, abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  6. ↑ Alex Williams: Principles of the EURACHEM/CITAC guide “Use of uncertainty information in compliance assessment”. In: Accreditation and Quality Assurance. Band 13, 2008, S. 633–638, doi:10.1007/s00769-008-0425-3.
  7. ↑ Eurachem Structure. Eurachem, abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).

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