Künstlerkolonie

Eine Künstlerkolonie ist eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von Künstlern, die vorwiegend von Malern praktiziert wird.

Geschichte

Ihren Ursprung hat diese Lebensform und Arbeitsweise in Deutschland und in der Schweiz. Sie war häufig verbunden mit dem architektonischen Gedanken der Gartenstadt­bewegung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden Künstlergruppen in ländlichen Orten wie Worpswede oder Ahrenshoop, die durch ihre besondere Beschaulichkeit, ihre Ursprünglichkeit und besseren Umweltbedingungen zum Malen in der „freien Natur“ und zum Leben auf dem Lande, Maler aus den Städten anlockten. Für die „Stadtflucht“ der Maler wurden verschiedene Gründe angeführt. Neben dem Interesse für Licht, außergewöhnlichen Motiven wie Flora und Fauna oder markanten Landschaftsbesonderheiten wie Heide oder Berge, waren auch romantische Sehnsüchte nach „unverdorbener“, bäuerlicher Idylle und einfachem, naturnahem Leben in „Freiheit“ ein Motiv. „Der eigenartige Doppelcharakter der Künstlerkolonien besteht darin, dass sie einerseits eindeutig auf der Landkarte lokalisierbar sind. Doch andererseits sind sie genauso starke Projektionsflächen: Sie rühren an eine Sehnsucht nach einem anderen Leben.“ Beliebte Gegenden um ländliche Bevölkerung in Tracht, die als Symbol der Beständigkeit in Zeiten der Industrialisierung gesehen wurde, zu malen, waren die Nordfriesischen Inseln, die Schwalm, der Schwarzwald und Betzingen.

Das Leben auf dem Lande war allgemein billiger. Das gemeinsame Auftreten in einer Kolonie förderte den Kontakt zu Dorfbewohnern und kam auch dem künstlerischen Austausch zugute. Obwohl viele Künstler den Kontakt zu Einheimischen bewusst suchten, blieben sie häufig unter sich. Das Zugehörigkeitsgefühl der Künstler untereinander war unterschiedlich stark ausgeprägt. Ihre Werke verkauften sie überwiegend in den Städten; es gelang ihnen aber auch, nach und nach ein Publikum auf dem Lande für sich zu gewinnen.

Neben Malern gründeten weitere Künstlergemeinschaften wie Schauspieler und Musiker ihre Lebensgemeinschaften. Ebenso wie die Kunst ist auch das Selbstverständnis einer Künstlerkolonie abhängig von Moden und unterliegt dem Wandel. Stadtteile wie Berlin-Wilmersdorf, Berlin-Friedrichshagen (Friedrichshagener Kreis, Neue Gemeinschaft) oder München-Schwabing wurden für Künstler attraktiv.

Gegenwart

Zur Wiederbelebung von stillgelegten Gewerbegebieten (Leerstandsnutzung) bieten in den letzten Jahren vor allem große, aber zunehmend auch kleine Kommunen, verbilligten Wohnraum und Ateliers für freie Künstler und Projekte an. So etwa erfolgte ein Einzug von Künstlern am alten Hafen von Münster-Hansaviertel, in einer ehemaligen Zellulosefabrik in Hattersheim-Okriftel oder in einem Gebäude der Papierfabrik in Bad Alexandersbad im Fichtelgebirge.

Euroart

Die European Federation of Artists’ Colonies (Euroart, deutsch: Europäischer Verband von Künstlerkolonien) wurde 1994 in Brüssel gegründet und hat heute (2026) 126 Mitglieder aus 13 Ländern.

Bekannte Künstlerkolonien


Siehe auch

Literatur (Auswahl)

– chronologisch –

Einzelnachweise

  1. ↑ Andreas Schwab: Eine Reise zu den Künstlerkolonien von Barbizon bis Monte Verità. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77524-6, S. 293.
  2. ↑ Martina Schröder: Eine «Malerheimath» – die württembergische Künstlerkolonie Betzingen. Schwäbische Heimat, April 2007. https://doi.org/10.53458/sh.v58i4.3726
  3. ↑ Vortrag: Kreativwirtschaft im Leerstand. In: coopolis.de, 19. Mai 2015.
  4. ↑ Künstlerkolonie Fichtelgebirge e. V. Plattform für Kultur- und Kreativschaffende. – Offizielle Internetpräsenz.
    Sabine Gollner: Künstlerkolonie Fichtelgebirge e. V. (Memento vom 20. August 2015 im Webarchiv archive.today). In: oberfranken.de, 17. Mai 2013.
  5. ↑ Euroart. Abgerufen am 26. Oktober 2026.
  6. ↑ Neue Sonderausstellung: Rückzug ins Paradies. Die Künstlerkolonien Worpswede, Ahrenshoop und Schwaan. (Memento vom 5. April 2002 im Internet Archive). In: Vineta-Museum Barth, 2001.
  7. ↑ Ankündigung: Künstlerkolonien in Europa – ‘Im Zeichen der Ebene und des Himmels‘. Internationale Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg. In: AsKI Kulturberichte, 2001, Nr. 3, mit Illustrationen.