Eurogame

Eurogame ist eine Art von kompetitiven und strategischen Gesellschaftsspielen. Die Spiele zeichnen sich in der Regel durch den Fokus auf eine Spielmechanik, wenig bis keine Zufallselemente, notwendiges Ressourcenmanagement, das fehlende vorzeitige Ausscheiden von Spielern und ein festes Spielende aus. Der Begriff ist nicht offiziell definiert und so gibt es leicht unterschiedliche Beschreibungen der Charakteristika eines Eurogames. Der Begriff steht nicht für die Herkunft eines Spieles. Eurogames werden auch von Spieleautoren außerhalb Europas entwickelt.

Der Begriff Eurogames ist ursprünglich aus der Bezeichnung German Games oder German-style Games entstanden. Damit wurden bereits in den 70er und 80er Jahren eine bestimmte Art von Brettspielen bezeichnet, welche gerade populär wurden und damals alle aus Deutschland kamen. Als diese Art von Spiel in Amerika erfolgreich wurde, etablierte sich der Begriff Eurogame.

Der Begriff ist ein Anglizismus und Teil des Soziolekts der Brettspiel-Gemeinschaft. Er entwickelte sich aus dem Bedürfnis der Brettspielgemeinschaft, Spiele nach ihren Hauptmerkmalen und dem Spielgefühl schnell einordnen zu können. Neben dem Begriff Eurogame gibt es viele weitere Begriffe um die Art eines Gesellschaftsspiels zu beschreiben (z. B. Ameri-Style).

Charakteristika

Die folgenden Charakteristika werden einem Eurogame von der Gemeinschaft der Brettspieler zugesprochen.

Historie

Der Begriff Eurogames ist ursprünglich aus der Bezeichnung German Games oder German-style Games entstanden.

Damit wurden bereits in den 80er Jahren eine bestimmte Art Brettspiel bezeichnet, welche gerade populär wurden und damals alle aus Westdeutschland kamen. Die ersten Eurogames, die so noch nicht genannt wurden, war eine Reihe von Spielen unter dem Namen 3M Bookshelf Series des Verlags 3M Games. Die Serie wurde von 1962 bis 1974 veröffentlicht.

Die Deutschen waren noch geprägt von der Ereignissen des Zweiten Weltkriegs, und dies spiegelte sich auch in Brettspielen jener Zeit wieder. So gab es in Westdeutschland kaum Gesellschaftsspiele mit Krieg als Thema. Die Spieleautoren fokussierten sich auf Spiele mit den Themen Bauen, Produzieren und Wirtschaftskreisläufe.

Das Spiel Die Siedler von Catan, das 1995 auf den Markt kam und mit seinem Erfolg die Erwartungen bei Weitem übertraf, ebnete den Weg dieser Art von Spielen in die Vereinigten Staaten. Es war zwar nicht das erste Eurogame und auch nicht das erste, das außerhalb Deutschlands populär wurde, aber es wurde erfolgreicher als alle seine Vorgänger. Allein in Deutschland wurden Millionen von Exemplaren verkauft. Der Erfolg des Spiels weckte neues Interesse, Investitionen und Aufmerksamkeit für dieses Genre von Brettspielen, bei denen Planung und Verhandlung statt direktem Konflikt im Vordergrund stehen.

Als sich der Markt ausweitete, begannen einige Spieleautoren, komplexere Spiele zu entwickeln, die oft als Kenner- oder Expertenspiele bezeichnet werden. Titel wie Agricola (2007) von Uwe Rosenberg und Terra Mystica (2012) von Helge Ostertag und Jens Drögemüller boten ein detaillierteres Ressourcenmanagement, längere Spielzeiten und eine größere Entscheidungstiefe. Diese Spiele boten oft mehrere Wege zum Sieg und sorgten so für einen hohen Wiederspielwert und eine Vielzahl von Strategien für Liebhaber. Die Einwohner Deutschlands kauften 2009 weltweit pro Kopf am meisten Brettspiele.

Heute sind Eurogames nach wie vor ein wichtiges Segment der Brettspielindustrie. Ein Großteil der Spiele in den Top 100 der größten Boardgame-Community-Website BoardGameGeek sind Eurogames.

Interessant ist, dass die konzeptionellen Ideen und Charakteristika von Eurogames bereits im game-based learning in der Hochschuldidaktik Verwendung fanden.

Abgrenzung

Autorenspiele entwickelten sich in einem ähnlichen Zeitraum, als Eurogames populär wurden, und dies ebenfalls in Westdeutschland. 1988 verlangten deutsche Spieleautoren auf der Spielwarenmesse in Nürnberg dieselbe Anerkennung ihrer Autorenschaft wie Buchautoren. Mit der Bierdeckel-Proklamation 1988 schlossen sich verschiedene Autoren zusammen und wollten nur noch Spiele an einen Spieleverlag verkaufen, wenn der Name des Spieleautors vorne auf der Schachtel des Spiels genannt wird. Die Nennung des Autors auf der Schachtel ist aber keine Charakteristik eines Eurogames. Bei Neuerscheinungen wird häufig der Spieleautor auf der Schachtel genannt, unabhängig von der Art des Spiels. Trotzdem ist bei Eurogames der Autor des Spiels wichtiger. Während die Autoren von Ameri-Style-Games im Allgemeinen nicht so wichtig für die Käufer sind, haben einige Eurogame-Spieleautoren eine große Anhängerschaft.

Viele Eurogames bieten ein eigenes Regelwerk mit einer Einzelspielervariante an, bei der der Spieler gegen das Brett spielt. Dieses Regelwerk wird i. d. R. schon mit dem Spiel ausgeliefert und häufig Automata-Variante genannt.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Hunter & Friends - Brettspiele: Eurogame - Brettspiel Begriffe erklärt #01. (Video) In: youtube.com. 4. Januar 2016, abgerufen am 27. April 2025.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 No Rolls Barred: The Eurogame REVOLUTION. (Video) Board Games Explained. In: youtube.com. 23. Februar 2021, abgerufen am 26. April 2025 (englisch).
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Peer Wandiger: Was sind Eurogames - Brettspiele? In: abenteuer-brettspiele.de. 25. April 2019, abgerufen am 26. April 2025.
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Eurogames vs. Ameristyle – Zwei Brettspielgenres im Fokus. In: pegasus.de. Pegasus Spiele GmbH, 17. Februar 2023, abgerufen am 28. April 2025.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Jason: Euro Games - The Ultimate Guide to Euro Board Games in 2025. In: boardscardsdice.com. 22. Juli 2023, abgerufen am 2. Mai 2025 (amerikanisches Englisch).
  6. ↑ Jason: Euro Games - The Ultimate Guide to Euro Board Games in 2025. In: boardscardsdice.com. 22. Juli 2023, abgerufen am 2. Mai 2025 (amerikanisches Englisch).
  7. 1 2 3 4 5 Eurogame. In: boardgamegeek.com. Abgerufen am 28. April 2025 (amerikanisches Englisch).
  8. 1 2 3 Spielbegriffe kurz erklärt - Heute Eurogame. In: spielstart.blogspot.com. 7. Mai 2020, abgerufen am 28. April 2025.
  9. 1 2 3 4 Imogen: What are Euro Games and Why Are They So Popular? A Beginner's Guide. In: dhgate.com. 30. November 2023, abgerufen am 27. April 2025 (ed).
  10. ↑ 3M Bookshelf Series. In: boardgamegeek.com. Abgerufen am 2. Mai 2025 (amerikanisches Englisch).
  11. ↑ Tim Harford: Why we still love board games. In: FT Magazine. 17. Juli 2010, archiviert vom Original am 3. Mai 2015; abgerufen am 28. April 2025 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  12. 1 2 Andrew Curry: Monopoly Killer: Perfect German Board Game Redefines Genre. In: wired.com. Wired Magazine, 23. März 2009, archiviert vom Original am 10. Mai 2015; abgerufen am 28. April 2025 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  13. ↑ Sascha Albert Bräuninger, Damian Alexander Motz, Matthias Lüpke, Hermann Seifert: Eurogame escape room of physics in veterinary education: a pilot study. In: BMC Veterinary Research. Band 22, Nr. 1, 20. Dezember 2025, ISSN 1746-6148, S. 48, doi:10.1186/s12917-025-05186-w, PMID 41421988, PMC 12849234 (freier Volltext) – (springer.com [abgerufen am 6. September 2026]).
  14. ↑ Aydin, Karen, 1975-, Ghosh-Schellhorn, Martina, 1955-, Schlange-Schöningen, Heinrich, 1960-, Ziegler, Mario, 1974-: Games of Empires : kulturhistorische Konnotationen von Brettspielen in transnationalen und imperialen Kontexten. Berlin; Münster, ISBN 978-3-643-13880-4, S. 365 ff.
  15. ↑ Spieleautorenzunft: Historischer Rückblick - mit Abbildung des Bierdeckels