Eva-Maria Seng

Eva-Maria Seng (2024)

Eva-Maria Seng (* 27. September 1961 in Ulm) ist eine deutsche Kunsthistorikerin und Empirische Kulturwissenschaftlerin. Sie beschäftigt sich mit dem materiellen und immateriellen Kulturerbe und hat das gleichnamige Fach zuallererst begründet. Seit Juni 2024 ist sie Rektorin der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

Leben

Nach ihrem Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Empirischen Kulturwissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen und der Ludwig-Maximilians-Universität München wurden Seng im Jahr 1992 mit einer Arbeit über den evangelischen Kirchenbau im 19. Jahrhundert mit Auszeichnung promoviert. Daran anschließend baute sie als wissenschaftliche Assistentin und Oberassistentin das Institut für Kunstgeschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg auf, dessen Geschäftsführung sie innehatte. Sie habilitierte sich im Jahr 2000 ebenda mit einer Schrift über neue Ansätze im Städtebau des 16. und 17. Jahrhunderts. Auf eine Lehrstuhlvertretung an der Universität Zürich folgte im Jahr 2006 die Berufung auf den Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe an der Universität Paderborn. Dort konzeptionierte und etablierte sie den Masterstudiengang Kulturerbe ebenso wie das Kompetenzzentrum für Kulturerbe: materiell – immateriell – digital als wissenschaftliche Dienstleistungsinstanz. Im Auftrag des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen richtete sie die Landesstelle Immaterielles Kulturerbe NRW ein. Regelmäßig nahm Seng Gastprofessuren wahr, z. B. 2010 am Chaire Alfred Grosser der Sciences Po in Paris, Frankreich, oder 2017 an der Tsinghua-Universität in Peking, China. Seng ist im Dezember 2023 zur Rektorin der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart gewählt worden und seit dem 1. Juni 2024 im Amt.

Wirken

Zu Sengs Arbeits- und Forschungsschwerpunkten zählen Architektur und Städtebau, Landschaftsgestaltung, lebendige Traditionen, Dokumentenerbe, Digital Humanities, Museum und Ausstellungswesen. Mit ihrer Dissertation legte sie den Grundstein für die Erforschung der Sakralarchitektur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die zuvor durch die Kunstwissenschaft vernachlässigt worden war. Dies liegt insbesondere daran, dass dieses Werk entgegen der üblichen monographisch-biografischen Herangehensweise Analysen zu Politik, Kirchenpolitik, Liturgiegeschichte, Architekturtypen und nicht zuletzt zur Kunstgeschichte vereint. Einen innovativen methodischen Ansatz führte Seng ein, indem sie in ihrer Habilitation die Zusammenhänge von landesherrlicher Ordnungspolitik, kartografischen Sammlungen und frühneuzeitlichem Städtebau gewinnbringend betrachtete. Zahlreiche ihrer Projekte widmen sich diesen und weiteren Themenfeldern wie z. B. „Kulturerbe – Sakralbauten“ (Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie NRW) inklusive der Teilprojekte „Kirchenbau zwischen Säkularisierung und Resakralisierung 1700 bis 1800/1820“ sowie „Kloster und Schloss Corvey als Orte abendländischer Bildungs- und Mediengeschichte“ mit der Wander- und virtuellen Ausstellung „1000 Jahre Wissen – die Rekonstruktion der Bibliothek der Reichsabtei Corvey“ (LWL-Kulturstiftung), „Studiolo communis“ (DFG) und „Wesersandstein als globales Kulturgut“ (BMBF). In einem aktuellen Projekt mit dem Titel „L:IKE – Lernwerkstatt Immaterielles Kulturerbe für schulische Bildung in NRW“ (Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW) wird unter Sengs Leitung erforscht, wie kulturelle Ausdrucksformen im Schulunterricht gezielt reflektiert, diskutiert und vermittelt werden können. Als Expertin für das kulturelle Erbe engagiert sie sich in zahlreichen Kommissionen, Gremien und Jurys. Seng ist z. B. Vertreterin der Kultusministerkonferenz der Länder in der Reflection Group „EU and Cultural Heritage“ und im Europarat, Kuratoriumsmitglied der Kulturstiftung der Länder und Mitglied im Internationalen Rat für Denkmalpflege ICOMOS. Seit November 2024 ist sie Kuratoriumsmitglied der Akademie Schloss Solitude. Seng gehört dem Doktoranden-Auswahlausschuss der Studienstiftung des Deutschen Volkes an und betreut als federführende Vertrauensdozentin Gruppen von Stipendiaten. Gemeinsam mit Frank Göttmann gibt sie die Reihe „Reflexe der materiellen und immateriellen Kultur“ bei De Gruyter heraus.

Schriften (Auswahl)

Auszeichnungen

Commons: Eva-Maria Seng – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Maria Harnack, Marco Silvestri, Paul Duschner: Vorwort. In: Dies. (Hrsg.): Im-Materiell. Kulturerbe-Studien für Eva-Maria Seng zum 60. Geburtstag. De Gruyter, Berlin/Boston 2022, ISBN 978-3-11-070396-2, S. 9.
  2. ↑ Adrienne Braun: Neue Chefin für Kunstakademie. In: Stuttgarter Zeitung, 21. Dezember 2023, abgerufen am 8. Mai 2024.
  3. ↑ Maria Harnack, Marco Silvestri, Paul Duschner: Vorwort. In: Dies. (Hrsg.): Im-Materiell. Kulturerbe-Studien für Eva-Maria Seng zum 60. Geburtstag. De Gruyter, Berlin/Boston 2022, ISBN 978-3-11-070396-2, S. 11–12.
Personendaten
NAME Seng, Eva-Maria
KURZBESCHREIBUNG deutsche Kunsthistorikerin und Empirische Kulturwissenschaftlerin
GEBURTSDATUM 27. September 1961
GEBURTSORT Ulm