Eva Andrei

Eva Yocheved Andrei (* im 20. Jahrhundert in Bukarest) ist eine US-amerikanische Festkörperphysikerin und Hochschullehrerin an der Rutgers University. Sie ist bekannt für ihre Forschung über die Physik von niedrig-dimensionalen Elektronensystemen und 2D-Materialien.

Herkunft, Ausbildung und Laufbahn

Eva Andrei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Kind jüdischer Flüchtlinge aus Czernowitz in Bukarest geboren. Noch als Schulkind zog sie mit der Familie nach Israel, wo sie nach dem Schulabschluss ein academic deferral erhielt, das ihr erlaubte, ihr Studium zu beginnen, ohne zuvor Wehrdienst zu leisten. Sie studierte 3 Jahre Physik an der Universität Tel Aviv und ging dann in die USA, wo sie 1982 an der Rutgers University promoviert wurde. Im Anschluss arbeitete sie als Postdoktorandin an den Bell Labs in Murray Hill und am CEA in Paris-Saclay.

Im Jahr 1987 wurde Andrei als assistant professor an die Rutgers University berufen, wo sie (Stand 2026) Distinguished Professor und Board of Governors Professor im Department of Physics and Astronomy ist.

Andrei ist mit dem Theoretischen Physiker Natan Andrei verheiratet, den sie beim Studium in Israel kennenlernte und mit dem sie eine Tochter hat.

Wissenschaftliches Werk

Schon in ihrer Bachelor-Arbeit in Tel Aviv beschäftigte sie sich mit dem für spätere Experimente wichtigen hexagonalem Bornitrid und entdeckte ein darin durch Elektronenbestrahlung erzeugtes paramagetisches Defektzentrum.

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit in der Gruppe von William I. Glaberson untersuchte sie supraflüssiges Helium in rotierenden Systemen und wurde im Zusammenhang damit auf die Erzeugung von Wigner-Kristallen auf supraflüssigem Helium aufmerksam.

Als Postdoc an den Bell Labs an und im Anschluss als visiting scientist in der Gruppe von Francis Williams am CEA in Paris-Saclay verfolgte sie das Ziel, den Quantenphasenübergang des „Schmelzens“ von Wignerkristallen bei zunehmender Elektronendichte nachzuweisen. In Paris gelangen ihr die ersten thermodynamischen Messungen an einem Wignerkristall und, in Galliumarsenid-Heterostrukturen in starken Magnetfeldern, der Nachweis der Existenz eines Magnetfeld-induzierten Phasenübergangs von flüssig zu fest in einem zweidimensionalen Elektronensystem.

Zurück an der Rutgers University leistete sie bedeutenden Beiträge zur Erforschung von Graphen. So entwickelte sie eine Methode zur Landauniveau-Spektroskopie, mit der die erste direkte Beobachtung quantisierter Landauniveaus in Graphen gelang (2007). Sie wies in dem Material außerdem den ungestörten („ballistischen“) Transport von Ladungsträgern nach und den lange gesuchten gebrochenzahligen Quanten-Hall-Effekt (2009), ein Resultat, das Science zu den zehn wichtigsten Entdeckungen des Jahres 2009 zählte.

Seit 2009 erforscht sie auch mehrlagiges Graphen und andere geschichtete 2D-Materialien. So gelang ihrer Gruppe die Beobachtung einer van-Hove-Singularität in verdrehtem Doppelschicht-Graphen (twisted bilayer graphene, TBG).

Durch die Untersuchung von Moiré-Mustern in verdrehten Graphenlagen beobachtete Andrei eine Ordnung der Elektronen, die den Einsatz von Graphen in Supercomputern erleichtern könnte. Ihre Forschung zeigte zudem ein hervorragendes thermoelektrische Kühlverhalten von Graphen-auf-hBN hat, wovon man sich Anwendungen bei der Kühlung von Supercomputern erhofft. Sie hat einen neuen Weg zur Erzeugung von flachen Bändern (flat bands) in Graphen aufgezeigt, der (statt des Drehwinkels im TBG) eine durch Dehnung beim Abkühlen auf einem atomar-flachen Substrat (z. B. Niob(IV)-selenid oder h-BN) hervorgerufene Verformung des Graphens nutzt, um ein Übergitter zu erzeugen.

Die gegenwärtigen Forschungsarbeiten der Andrei-Gruppe beschäftigen sich mit zwei-dimensionalen Elektronensystemen, insbesondere in ein- oder mehrlagigem Graphen und Monolagen aus Übergangsmetall-Dichalkogeniden und anderen 2D-Materialien, topologischen Isolatoren und Supraleitern.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Preise und Ehrungen

Einzelnachweise

  1. 1 2 Andrei, Eva Y. In: Rutgers University. Abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  2. 1 2 Amanda Kapetanakis: Oral-History:Eva Andrei. In: IEEE History Center. 27. Dezember 2016, abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 4 Eva Y. Andrei. In: www.nasonline.org. Abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  4. ↑ Investigation of fourth sound propagation in He II in the presence of superflow. Abgerufen am 13. Oktober 2026.
  5. 1 2 3 2026 Kavli Prize in Nanoscience. In: kavliprize.org. 2026, abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  6. 1 2 3 Eva Andrei: Autobiography. kavliprize.org, 2026, abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ E. Y. Andrei, A. Katzir, J. T. Suss: Point defects in hexagonal boron nitride. III. EPR in electron-irradiated BN. In: Phys. Rev. B. Band 13, 1976, S. 2831, doi:10.1103/PhysRevB.13.2831 (englisch).
  8. 1 2 3 4 Eva Y. Andrei. American Academy of Arts and Sciences, Oktober 2026, abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  9. ↑ EY Andrei, G Deville, DC Glattli, FIB Williams, E Paris, B Etienne: Observation of a Magnetically Induced Wigner Solid. In: Physical Review Letters. 60. Jahrgang, Nr. 26, 1988, S. 2765–2768, doi:10.1103/PhysRevLett.60.2765, PMID 10038446, bibcode:1988PhRvL..60.2765A (englisch).
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  11. ↑ X Du, I Skachko, F Duerr, A Luican, EY Andrei: Fractional quantum Hall effect and insulating phase of Dirac electrons in graphene. In: Nature. 462. Jahrgang, Nr. 7270, 2009, S. 192–195, doi:10.1038/nature08522, PMID 19829294, arxiv:0910.2532, bibcode:2009Natur.462..192D (englisch).
  12. ↑ The Runners-Up. In: Science. Band 326, Nr. 5960, S. 1600–1607, doi:10.1126/science.326.5960.1600 (englisch).
  13. ↑ Guohong Li, A. Luican, J. M. B. Lopes dos Santos, A. H. Castro Neto, A. Reina, J. Kong, E. Y. Andrei: Observation of Van Hove singularities in twisted graphene layers. In: Nature Physics. 6. Jahrgang, Nr. 2, 2010, ISSN 1745-2481, S. 109–113, doi:10.1038/nphys1463, arxiv:0912.2102, bibcode:2010NatPh...6..109L (englisch, nature.com).
  14. ↑ Yuhang Jiang, Xinyuan Lai, Kenji Watanabe, Takashi Taniguchi, Kristjan Haule, Jinhai Mao, Eva Y. Andrei: Charge order and broken rotational symmetry in magic-angle twisted bilayer graphene. In: Nature. 573. Jahrgang, Nr. 7772, 2019, ISSN 0028-0836, S. 91–95, doi:10.1038/s41586-019-1460-4, PMID 31365921, arxiv:1904.10153, bibcode:2019Natur.573...91J (englisch, nature.com).
  15. ↑ Brooks Hays: Graphene discovery could make room-temperature superconductors possible. In: UPI. 1. August 2019, abgerufen am 2. November 2021 (englisch).
  16. ↑ Junxi Duan, Xiaoming Wang, Xinyuan Lai, Guohong Li, Kenji Watanabe, Takashi Taniguchi, Mona Zebarjadi, Eva Y. Andrei: High thermoelectricpower factor in graphene/hBN devices. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 113. Jahrgang, Nr. 50, 13. Dezember 2016, ISSN 0027-8424, S. 14272–14276, doi:10.1073/pnas.1615913113, PMID 27911824, PMC 5167211 (freier Volltext), arxiv:1607.00583, bibcode:2016PNAS..11314272D (englisch).
  17. ↑ Graphene tested as tiny 'coolers' for computer chips. In: Futurity. 28. März 2017, abgerufen am 2. November 2021 (amerikanisches Englisch).
  18. ↑ Jinhai Mao, Slaviša P. Milovanović, Miša Anđelković, Xinyuan Lai, Yang Cao, Kenji Watanabe, Takashi Taniguchi, Lucian Covaci, Francois M. Peeters, Andre K. Geim, Yuhang Jiang, Eva Y. Andrei: Evidence of flat bands and correlated states in buckled graphene superlattices. In: Nature. 584. Jahrgang, Nr. 7820, 13. August 2020, ISSN 0028-0836, S. 215–220, doi:10.1038/s41586-020-2567-c3, PMID 32788735, arxiv:2006.01660, bibcode:2020Natur.584..215M (englisch, nature.com).
  19. ↑ Isabelle Dumé: Flat bands appear in buckled graphene superlattices. In: Physics World. 7. September 2020, abgerufen am 2. November 2021 (britisches Englisch).
  20. ↑ Research. In: physics.rutgers.edu. Abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  21. ↑ Für ihre Arbeit E. Y. Andrei, G. Deville, D. C. Glattli, and F. I. B. Williams, E. Paris, B. Etienne: Observation of a Magnetically Induced Wigner Solid. In: Phys. Rev. Lett. Band 60, 1988, S. 2765, doi:10.1103/PhysRevLett.60.2765 (englisch).
  22. ↑ APS Fellowship. In: aps.org. Abgerufen am 13. Oktober 2026 (For outstanding contributions to the experimental study of vortex matter and two-dimensional electron systems, including Wigner lattices.).
  23. ↑ Professor Eva Andrei will receive the Trustees Award for Excellence in Research. In: rutgers.edu. 2010, abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  24. ↑ AAAS Members Elected as Fellows. In: aaas.org. 28. Januar 2011, abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  25. ↑ Mildred-Dresselhaus-Prize Recipients. In: aps.org. Abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Andrei, Eva
ALTERNATIVNAMEN Andrei, Eva Yocheved
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Physikerin und Hochschullehrerin
GEBURTSDATUM nach 1945
GEBURTSORT Bukarest, Rumänien