Eva Rubinstein wurde als erstes von vier Kindern des Pianisten Artur Rubinstein und der Tänzerin Aniela, geborene Młynarska, geboren. Zu ihren Geschwistern gehören Paul, Alina und John.
Während einer Konzerttournee durch Südamerika wurde Rubinstein 1933 in Buenos Aires geboren und verbrachte ihre ersten Jahre in Paris, bevor die Familie 1939 vor dem Nationalsozialismus und dem Krieg in die Vereinigten Staaten fliehen musste. Zuerst wohnte die Familie in New York, später in Beverly Hills. Seit 1946 ist Rubinstein Bürgerin der Vereinigten Staaten. Die Mutter war eine gesellige vielsprachige Frau, die große Hollywoodstars wie Charlie Chaplin, Grace Kelly oder Cary Grant in ihr Haus einlud.
Rubinstein erhielt bereits als Fünfjährige eine Ausbildung im klassischen Tanz. Sie schloss ihre Schulbildung an der Westlake High School in Los Angeles ab. Anschließend studierte sie am Scripps College sowie im Fachbereich Theater der University of California. Sie war als Schauspielerin und Tänzerin tätig und verkörperte unter anderem die Rolle der Margot Frank in der Broadway-Inszenierung von The Diary of Anne Frank. In New York trat sie zudem in den Produktionen The Girl in the Pink Tights und The Dybbuk auf. Darüber hinaus gehörte sie der Festivaltruppe des American National Theatre and Academy an, mit der sie in einer Inszenierung des Musicals Oklahoma! auf Europatournee ging.
Am 12. Dezember 1956 heiratete Rubinstein den Kaplan der Phillips Academy William Sloane Coffin und hatte mit ihm drei Kinder. Am 15. Dezember 1958 wurde in New Haven, wo ihr Mann zwischenzeitlich als Kaplan der Yale University arbeitete, der Sohn Alexander Sloane im Grace-New Haven Hospital geboren. Dieser starb 1983 an einem Verkehrsunfall. Am 25. März 1960 kam – auch im Grace-New Haven Hospital – der zweite Sohn David Andrew zur Welt. Erst 1958 besuchte Rubinstein Polen, als ihr Vater wieder in seinem Heimatland auftrat. Łódź, der Geburtsort ihres Vaters, war dabei Rubinsteins Lieblingsort.
Ab den späten 1960er Jahren begab sich Rubinstein hinter die Kamera und betrieb die Fotografie ab etwa 1968 professionell. Zu diesem Zeitpunkt war Rubinstein bereits von ihrem Ehemann geschieden. Sie arbeitete anfangs als Fotojournalistin für die Zeitschrift Vogue. Zur Fotografie inspiriert wurde Rubinstein 1967 durch Sean Kernan. Für kurze Zeit studierte sie Fotografie bei Lisette Model, Jim Hughes, Ken Heyman, Diane Arbus und Robert Frank. Rubinstein hat 1972 an der School of Visual Arts in New York und von 1974–75 am Manhattanville College in Purchase (New York) unterrichtet.
Besonders in den 1980er Jahren verbrachte Rubinstein mehrere längere Aufenthalte in Łódź und hielt die Stadt in zahlreichen fotografischen Aufnahmen fest. Sie unterrichtete Fotografie an der Staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater Łódź, die ihr 2023 den Doktor Honoris Causa verlieh.
Werk
Rubinstein schuf ein umfangreiches fotografisches Werk. Dabei nutzte sie das Trockengelatine-Verfahren. Ihre Fotografien umfassen Akte, Porträts und Interieurs. Ein zentrales Anliegen war es, beim Fotografieren – insbesondere von Menschen – eine Beziehung der Nähe und des Respekts zu entwickeln. In einem Interview von 1987 erklärte sie, „sich mit jemandem zu identifizieren“ bedeute nicht nur, etwas von sich selbst im anderen zu erkennen, sondern ihm auch auf halbem Wege entgegenzukommen, um ein gegenseitiges Sich-Öffnen zu ermöglichen. Das entstandene Bild sei so das Resultat dieses Treffens.
Eva Rubinstein beschreibt Fotografie als ein einzigartiges Medium, das es ermöglicht, tiefere Wahrheiten des Lebens zu erfassen:
“Photography, more lucid than handwriting, and more permanent than dreams, can raise, and sometimes speak to, the most profound and fundamental questions of our lives. I have no doubt that photography, because of its ability to “take” information in hundredths of a second, and then to remain as a witness, is a unique instrument allowing us to see beyond the surface of our lives.”
„Fotografie, klarer als Handschrift und beständiger als Träume, kann die tiefsten und grundlegendsten Fragen unseres Lebens aufwerfen und manchmal beantworten. Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Fotografie, aufgrund ihrer Fähigkeit, Informationen in Hundertstelsekunden „aufzunehmen“ und dann als Zeugin zu verbleiben, ein einzigartiges Instrument ist, das es uns ermöglicht, über die Oberfläche unseres Lebens hinauszusehen.“
2021: Tender Attention. Urszula Czartoryska and Photography, Muzeum Sztuki w Łodzi, Łódź
2023: Traurig – Heiter – 2 Wolken, Galerie Clara Maria Sels, Düsseldorf
2023: Intimités, In camera Galerie, Paris
2024: In Focus: Photography from the Collection, Delaware Art Museum, Wilmington
2024: je suis, Galerie Clara Maria Sels, Düsseldorf
2025: Love, In camera Galerie, Paris
Einzelausstellungen (Auswahl)
Rubinstein präsentierte ihre Arbeiten in mehr als 100 Einzelausstellungen weltweit. Zu den frühen Stationen zählt die Galerie „Trockenpresse“ in Berlin, eine der ersten deutschen Institutionen ausschließlich für künstlerische Fotografie, die zwischen 1975 und 1979 bestand und sie als ausstellende Künstlerin aufführte.
Eva Rubinstein war Teil jener Generation weiblicher Fotografinnen, die in einem lange Zeit männlich dominierten Berufsfeld Anerkennung erlangten. Sie trug dazu bei, die Sichtbarkeit und Wertschätzung von Frauen in der Fotografie zu erhöhen. Ihre Arbeiten unterscheiden sich in Technik, Themenwahl und Konzepten häufig von denen ihrer männlicher Kollegen und spiegeln zugleich persönliche, intime Perspektiven wider, die für ihr Werk charakteristisch sind.
In der Rezeption ihres Werkes wird hervorgehoben, dass Rubinstein die Fotografie als Mittel verstand, ihre Umgebung und das, was sie „die dritte Dimension“ nennt, zu erforschen. Damit beschreibt sie eine Verschmelzung der äußeren Realität, wie wir sie wahrnehmen, mit ihren eigenen tiefsten Empfindungen und Reaktionen auf diese Realität. Diese Verbindung erzeuge eine Art „innerer Landschaft“ unterhalb der Oberfläche des Bildes, die die Betrachtenden einlädt, sie zu erkunden und zu interpretieren.
In seiner Einführung zu Rubinsteins Portfolio in der Sammlung des Museum of Contemporary Photography beschreibt André Kertész das Werk als von „poetischer Intensität“ und „emotionaler Dichte“. Er hebt hervor, dass Rubinstein eine „besondere Nähe und Achtung“ gegenüber ihren Sujets bewahre, sowohl bei Aktaufnahmen und Porträts als auch in Interieurszenen. Die Fotografien seien durch eine „stille Privatheit“ gekennzeichnet und vermittelten eine „spürbare Stimmung innerer Tiefe“. Zur Lichtgestaltung bemerkt Kertész, das Licht spiele „subtil über nackte Körper“ oder falle „durch halbtransparente Gardinen in dunkle Eingänge“ und erzeuge so eine „Atmosphäre des intensiven, aber doch intimen Innehaltens“.
Publikationen
Eva Rubinstein. Morgan & Morgan Inc, 1974.
I Grandi fotografi: Eva Rubinstein – Gruppo editoriale Fabbri. Fabbri, Mailand 1983.
Lodz -Brief Encounters. 1998.
Eva Rubinstein, Photographs 1967–1990. Kropka Śliwczyńscy Publishing House, 2003, ISBN 83-906818-2-X.
Eva Rubinstein Photograph 1967–1990, Collector's Edition. Zhejiang Photography Publishing House, 2017, ISBN 978-7-5514-1898-0.