Eva Strittmatter, 1930 in Neuruppin (Brandenburg) geboren, übersprang aufgrund ausgezeichneter schulischer Leistungen zwei Klassen und wechselte gegen den Willen ihres Vaters auf die Oberschule (Fontane-Schule Neuruppin). Bereits in ihrer Schulzeit begann sie Prosa-Gedichte zu schreiben. Das früheste überlieferte Gedicht ohne Titel entstand im September 1944. Auch in dieser „frühen Phase der Poesie“ war die Natur Motiv und Metapher. Zeitlebens schöpfte sie aus der „Kindheitsstadt“ und der märkischen Landschaft. In ihrem autobiografischen Text Mai in Piešt’any (1986) erinnert sich die Dichterin an Neuruppins „Topographie, an Geruch, Geräusch, Geschmack in Hitze und Kälte, Milde und Strenge“. 1947 legte sie das Abitur ab und begann an der Humboldt-Universität zu Berlin das Studium der Germanistik, Romanistik und Pädagogik. 1950 heiratete sie und brachte 1951 einen Sohn, Ilja, zur Welt. Die Ehe wurde jedoch bald wieder geschieden. Noch vor der Scheidung lernte sie Erwin Strittmatter kennen, den sie 1956 heiratete und mit dem sie drei weitere Söhne hatte, darunter der Autor und Schauspieler Erwin Berner.
Seit 1951, nach dem Abschluss ihres Studiums, arbeitete Eva Strittmatter freiberuflich beim Deutschen Schriftstellerverband der DDR als Lektorin. Ab 1952 veröffentlichte sie literaturkritische Arbeiten in der Literaturzeitschriftndl. Von 1953 bis 1954 war sie Lektorin beim Kinderbuchverlag Berlin. Zudem wurde sie 1953 Mitglied des ndl-Redaktionsbeirates. Seit 1954 war sie freie Schriftstellerin. Sie veröffentlichte eher unpolitische Werke, darunter vor allem Gedichte, aber auch Prosa für Kinder und Erwachsene.
Zu ihren und ihres Mannes Bekannten zählten unter anderem die DDR-Schriftsteller Hermann Kant, Christa Wolf und Gerhard Holtz-Baumert, aber auch international bekannte Schriftsteller wie Lew Kopelew und Halldór Laxness. Von 1960 bis 1972 unternahm sie in ihrer Eigenschaft als Mitglied der Auslandskommission des Schriftstellerverbandes der DDR zahlreiche Reisen in die Sowjetunion und nach Jugoslawien.
In den Jahren 1993/1994 starben innerhalb von nur neun Monaten ihre Mutter, ihr Mann Erwin und ihr Sohn Matti. Sie lebte im brandenburgischenSchulzenhof, wohin sie 1957 mit ihrem Mann gezogen war.
Eva Strittmatter wurde auf dem Friedhof Schulzenhof neben ihrem Mann beigesetzt. Die Grabstätte des Sohnes Matthes gen. Matti (1958–1994) befindet sich ebenfalls auf dem Friedhof Schulzenhof, gegenüber von Eva und Erwin Strittmatter.
In der Rezeption ihrer Lyrik herrschte lange Zeit die Meinung vor, der Ursprung für Eva Strittmatters literarische Laufbahn liege in Schulzenhof. Neueste Erkenntnisse belegen jedoch, dass sie bereits in ihrer Neuruppiner Schulzeit begann, Gedichte zu schreiben.
1996: Allein. Ein Gespräch. Eva Strittmatter, Klaus Trende. Der Fabrik Verlag, Cottbus 1996, ISBN 3-932304-00-4
2001: Aber das 'große' kann stehen bleiben – Eva Strittmatter zu Leben und Schreiben an der Seite ihres Mannes, Hörfunk-Dokumentation von Bert Koß, Redaktion und Regie: Matthias Thalheim (MDR 2001)
2002: als Hörbuch unter dem Titel: Eva Strittmatter – Gedichte und Selbstauskünfte, 2 CDs, Der Audio Verlag 2002, ISBN 978-3-89813-186-5
2009: Neuauflage des Hörbuchs unter dem Titel In einer anderen Dämmerung: Gedichte und Selbstauskünfte 2 CDs, Eulenspiegel-Verlag 2009, ISBN 978-3-359-01116-3
Briefe
2019: Eva Strittmatter, Erwin Strittmatter: Du bist mein zweites Ich. Der Briefwechsel. Hrsg. von Erwin Berner und Ingrid Kirschey-Feix. Aufbau Taschenbuch, Berlin 2019, ISBN 978-3-351-03765-9
2026: Helene Lolf Hünecke: "Wir warten nicht auf Essen, wir warten auf Post" Briefe an Eva Strittmatter. Mit einer Vorbemerkung von Christoph Kapp. In: Sinn und Form 4/2026, S. 437–451.
Herausgeberschaft
1995: Erwin Strittmatter: Vor der Verwandlung. Aufzeichnungen
2002: Erwin Strittmatter: Geschichten ohne Heimat
2002: Erwin Strittmatter. Eine Biographie in Bildern
Am 30. Mai 2005 wurde mit der Einweihung des Neubaus das Gymnasium Gransee nach Erwin und Eva Strittmatter in Strittmatter-Gymnasium umbenannt.
Literatur
Beatrix M. Brockman: Nur fliegend fängt man Worte ein. Eva Strittmatters Poetik. Peter Lang, Oxford 2013. ISBN 978-3-0343-0948-6.
Beatrix M. Brockman: Eva Strittmatter und Erwin Strittmatter. Eine Ehe um Worte. In: Anuari de Filologia. Literatures Contemporànies 2 (2013), S. 1–20.
Kerstin Decker: Die Septemberfrau. In: Eva Strittmatter: Auf einmal war es schon das Leben. Gedichte, Essays, Briefe. Auswahl von Almut Gieseke. Berlin 2011, S. 163–168.
Sonja Hilzinger: Poesie als Lebenshaltung. Eva Strittmatter. In: Frauen in der Literaturwissenschaft. Rundbrief, 24. Dezember 1989, S. 5–7. [Ein Exemplar befindet sich im Literaturarchiv der Akademie der Künste, Eva-Strittmatter-Archiv (Sammlung) 20.]
↑Gabriele Radecke, Robert Rauh:Eva Strittmatter in Neuruppin.In:berliner-zeitung.de.5.Februar 2025,abgerufen am 5.Februar 2025.
↑Eva Strittmatter: Mai in Piešt’any. Berlin: Aufbau-Verlag 1986, S. 20f.
↑Gabriele Radecke, Robert Rauh:Eva Strittmatter in Neuruppin.In:berliner-zeitung.de.5.Februar 2025,abgerufen am 5.Februar 2025.
↑Dagmar Jank: Bibliotheken von Frauen: ein Lexikon. Harrassowitz, Wiesbaden 2019 (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen; 64), ISBN 978-3-447-11200-0, S. 211.
↑Eberhard Neubert: Der Dichter und seine Welt. 30 Gobelins zum Werk von Eva und Erwin Strittmatter von Christa und Günter Hoffmann. In: Bildende Kunst, Berlin, 1/1979, S. 13–16.