Als Ex-Ex-Gay werden vor allem in den Vereinigten Staaten Lesben und Schwule bezeichnet, die sich wieder öffentlich zur Homosexualität bekennen, nachdem sie ihre Teilnahme an der Ex-Gay-Bewegung und an deren äußerst umstrittenem Versuch, die sexuelle Orientierung zur Heterosexualität hin zu verändern, beendet haben. Einige bezeichnen sich selbst als „ex-gay survivors“ (dt.: Ex-Gay-Überlebende, was den passiven und defätistischen Begriff „Ex-Gay-Opfer“ bzw. engl. „victim“ vermeidet).
Evangelikale Vereinigungen wie Wuestenstrom und Offensive Junger Christen bieten etwas an, das sie selbst als Therapie zur Änderung der sexuellen Orientierung bezeichnen. Diese „Therapien“ genießen außerhalb der christlich-fundamentalistischen Szene keinerlei Anerkennung und werden von allen relevanten medizinischen und psychologischen Fachverbänden abgelehnt. Evangelikale Aktivisten weisen jedoch darauf hin, es müsse jedem Menschen frei stehen, seine Sexualität therapeutisch in Frage stellen zu dürfen. Gleichwohl beschloss die 64. Generalversammlung des Weltärztebundes im Oktober 2013 im brasilianischen Fortaleza, dass Homosexualität keine Krankheit sei und deshalb keinerlei Heilung bedürfe. Die Delegierten des Weltärztebundes lehnen auch die Reparativ- beziehungsweise Konversionstherapien strikt ab.
Therapien zur Bekämpfung der eigenen Homosexualität führten oft zu schweren Depressionen und Selbstwertproblemen und könnten manchmal auch nach langer Verzweiflung im Suizid enden. Aussteiger aus der Ex-Gay-Bewegung gehen oft noch einen Schritt weiter und sprechen von Gehirnwäsche-Methoden und Umpolungstherapien. Sie haben sich zu verschiedenen Initiativen zusammengeschlossen, deren Gesamtheit als Gegenbewegung verstanden wird. Sie versuchen vor allem die teilweise überzogenen Behauptungen und Erwartungshaltungen über die Wirksamkeit von Reorientierungstherapien ins rechte Licht zu rücken, immer wieder falsch behauptete Fakten die mit schlechten oder schlecht zitierten Behauptungen untermauert werden, zu demaskieren und christlichen Schwulen und Lesben Halt und Schutz zu geben. Die US-amerikanische Initiative Beyond Ex-Gay veranstaltete im Sommer 2007 erstmals eine größere Konferenz.
Einige Ex-Ex-Gays in Deutschland und der Schweiz sind Mitglieder der Organisation Zwischenraum, die Homosexualität als eine von Gott gegebene sexuelle Orientierung verstehen, die es in all seiner Vielfältigkeit und seinen Formen als lebenserfüllendes Geschenk zu begreifen und integrieren gilt.
Einige ehemalige langjährige führende Mitglieder von Exodus entschuldigten sich inzwischen für den Schaden, den sie angerichtet haben.
Der US-amerikanische Schauspieler und Mitinitiator der Initiative Beyond Ex-Gay Peterson Toscano wurde von Anfang 2003 bis Ende 2007 von 1000 Ex-Gay-Überlebenden und „Kämpfenden“ kontaktiert und hat im Oktober 2007 die verschiedensten ihm erzählten erlittenen Traumata erstmals in einer strukturierten Übersicht zusammengefasst.
„Manche haben auch diverses Gutes während ihrer Zeit als Ex-Gay erfahren, aber in der Mehrheit überwiegen die Verletzungen. Sie entstehen nicht nur direkt durch die Ex-Gay-Erfahrung, sondern auch durch die homophobe Gesellschaft, Anti-Schwule Kirchen und Prediger und in vielen Fällen wirkt auch die eigene Familie mit. Die Ex-Gay-Erfahrung vertieft aber diese Verletzungen, weil sie Hoffnung für irgendeine Art von Veränderung oder Freiheit anbietet. Geführt von aufrichtigen und mitfühlenden Leuten ermutigen Ex-Gay-Programme, Therapeuten und Seelsorger uns, und wegen ihrer Güte und Ernsthaftigkeit versuchen wir oft auf Druck weiterzumachen, auch wenn uns schon lange klar geworden ist, dass es nicht hilft. Erst nachher beginnen wir die Traumata, welche wir erfahren haben, als eine Folge, sich der Ex-Gay-Erfahrung zu unterwerfen, zu verstehen.“
Emotionale Traumata sind evident in Gefühlen von Schande, Angst, Stress, Enttäuschung, Erschöpfung und Zurückweisung, speziell, wenn man gemieden wird. Psychologische Verletzungen manifestieren sich in der Form von Depressionen, Suizidtendenzen, Posttraumatische Belastungsstörung und in manchen Fällen der Auslösung eines psychischen Zusammenbruchs.
Geistige Traumata finden sich in der Form von chronischer Entmutigung, Furcht vor Gott und Verlieren von Glaubensgemeinschaften oder sogar des Glaubens selbst. Außerdem wird spirituellen Führern misstraut. Es kann zu einer spirituellen Krise kommen bezüglich Integrität und Übereinstimmung durch die dauernde Botschaft, dass man nicht schwul und Christ sein kann.
Beziehungstraumata ergeben sich durch das Verlieren von wesentlichen Beziehungen oder Zerstören von Beziehungen. Eltern glauben oft, dass Veränderung möglich und notwendig ist, und deshalb die Kinder zurückweisen, wenn sie nicht Ex-Gay sein wollen. Sie fühlen sich durch Ex-Gay-Schulungen schuldig für die sexuelle Orientierung ihrer Kinder, was Spannungen zwischen Eltern und Kind erzeugt und ebenso tiefen Schmerz und Scham für die Eltern bewirkt. Betroffene hatten häufig Ehepartner oder Partner des anderen Geschlechts, mit denen sie ggf. sogar verheiratet waren, weil sie glaubten, dass so ein Leben möglich sei. Dies führte allerdings meist zur Scheidung, Schmerz und Verlust des Partners. Der Schmerz betraf nicht nur die Betroffenen und ihre Partner, sondern auch beispielsweise gemeinsame Kinder. Bei Partnern des gleichen Geschlechts waren die Beziehungen oft verstümmelt, wegen des Schams und der Furcht, die den Betroffenen durch die Ex-Gay-Bewegung eingehämmert wurden. Freunde wurden oft auf Distanz gehalten, weil die Betroffenen trainiert wurden, Intimität zu misstrauen, aus Angst, dass man eine emotionell abhängige/verstrickte Beziehung oder eine romantische/sexuelle Beziehung eingehen könnte. Andernfalls wurden Freunde zurückgewiesen, da sie ein Risiko darstellten, das Ex-Gay-Leben fortzuführen. Außerdem erlebten Betroffene Zurückweisung von Freunden, da die Freundschaft durch die Ex-Gay-Identität und den Widerstand gegen die eigene Homosexualität bedingt wurde.
Für manche Betroffene stellt Ex-Gay außerdem einen finanziellen Verlust dar. Eine Ex-Gay-Behandlung, einschließlich Seminaren, Konferenzen, Büchern und Tonträgern, kann sehr kostspielig sein. Manche Eltern verweigern außerdem das College oder sogar die Finanzierung der Grundbedürfnisse, wenn das Kind sich nicht einem Ex-Gay-Programm anschließt. Außerdem kann eine Ex-Gay-Behandlung einen Karriereschaden zur Folge haben, da manche ihren Karriereweg verlassen oder unterbrechen, weil er als „unsicher“ für einen Kämpfenden empfunden wird, oder weil sie für die Behandlung mehr Zeit brauchen.
Hinzu kommen physische Beeinträchtigungen durch psychosomatische Beschwerden, welche durch Stress (innere Konflikte) oder Depressionen ausgelöst werden.
Sexuelle Traumata treten vor allem in der Form von schädlicher sexueller Erziehung auf. Sexuell naive Leute (viele die niemals Sex hatten) lernen über „schwulen Sex“ von Sexsüchtigen, die ihre Sexualität als zu riskant beschreiben und sogar über illegale Verhaltensweisen, weil diejenigen Scham und Abscheu gegenüber sich selbst fühlen. Programmleiter, Therapeuten und „Zeugnis ablegende“ transportieren eine negative Botschaft über das sexuelle Verhalten zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Partnern. Dies kann die Homosexuellen daran hindern, eine gesunde, erfüllende Sexualität zu erleben, sogar nachdem sie die Ex-Gay-Behandlung beendet haben.
Es kann zu Entwicklungsverzögerungen wegen gehemmtem Wachstum in Schlüsselbereichen kommen, weil viele ihre Bemühungen auf die Ex-Gay-Erfahrung konzentrieren. Viele haben ihr bisheriges Leben beendet und lenken ihre beschränkten Kräfte auf den Ex-Gay-Prozess.