Fast Radio Burst

Ein Fast Radio Burst (FRB), Schneller Radioblitz oder Extragalactic Fast Radio Transient ist in der Astronomie ein kurzer Ausbruch von Radiostrahlung von einer Quelle in großer Entfernung von der Erde. Die Ausbrüche werden auch als Blitzar, Millisecond Radio Burst, Extragalactic Radio Burst oder Cosmological Fast Radio Burst bezeichnet. Im April 2020 wurden solche Radiowellen erstmals von innerhalb unserer Galaxie entdeckt. Daraufhin identifizierten Astronomen Magnetare als primäre Quelle dieser energiereichen Ausbrüche. Zu ihren Ursprüngen, Ursachen und Auswirkungen gibt es jedoch weiterhin viele offene Fragen.

Eigenschaften

Die Schnellen Radioblitze sind bei erneuten Analysen von Durchmusterungen des Himmels nach Millisekundenpulsaren entdeckt worden. Der erste wurde im August 2001 am Parkes-Radioteleskop in Australien empfangen, aber erst 2006 in Archivdaten entdeckt.

Während Pulsare sich wiederholende Signale zeigen, wurde von den meisten Fast Radio Bursts jeweils nur ein einziger Puls mit einigen Millisekunden Dauer nachgewiesen. Das Pulsprofil ist symmetrisch in der Form eines gleichschenkligen Dreiecks. Für die Dauer der Eruption sind die Fast Radio Bursts starke Strahlungsquellen mit Intensitäten bis zu 30 Jansky. Die Ausbrüche sind außerhalb des Radiobereichs bisher nicht beobachtet worden, an ihren Orten gibt es keine katalogisierten astronomischen Quellen.

Die Häufigkeit der Ausbrüche soll bei einem FRB alle 10 Sekunden über dem gesamten Himmel liegen, wobei der Wert sehr unsicher ist.

Nachdem bis 2017 rund 25 FRB bekannt waren, sind seit Inbetriebnahme des Canadian Hydrogen Intensity Mapping Experiment (CHIME) Ende 2017 viele weitere entdeckt worden, darunter ein zweiter Repeater (s. u.).

Dispersion

Der Lorimer-Burst, der erste nachgewiesene Fast Radio Burst. Dargestellt wird die Dispersion als Zeitverzögerung der Ankunftszeit in Abhängigkeit von der Frequenz.

Aus der Dispersion (vgl. Abb.) kann auf die Entfernung geschlossen werden, da freie Elektronen das Radiosignal verlangsamen (Einfluss auf die Gruppengeschwindigkeit des Signals). Dabei wird elektromagnetische Strahlung niedriger Frequenz bzw. hoher Wellenlänge stärker beeinflusst.

Die freien Ladungsträger, vor allem die freien Elektronen, in der interstellaren Materie der Milchstraße können nur 3 bis 6 Prozent der beobachteten Dispersion verursachen, der Rest muss extragalaktischen Ursprungs sein. Daher dürfte die Entfernung der bisher bekannten Millisecond Radio Bursts zwischen 1,7 und 3,3 Gigaparsec liegen. Unter der Annahme einer Entfernung von einem Gigaparsec ergibt sich eine freigesetzte Energie in der Größenordnung von 1033 Joule.

Die Verzögerung bei einer Frequenz beträgt

mit

in Einheiten von Parsec pro cm3 (1 pc/cm3 = 30,857 × 1021 m−2).
Da die Teilchendichten entlang der zurückgelegten Strecken im interstellaren bzw. intergalaktischen Medium nicht konstant sind, ist das Dispersionsmaß eines beobachteten FRBs nicht proportional zu seiner Entfernung.

Wie oft bei astronomischen Beobachtungen, kann die Verzögerung t nicht direkt gemessen werden, weil die Abstrahlungszeit nicht bekannt ist. Stattdessen kann der Zeitverzug Δt der Signalankunft zwischen einer hohen Frequenz eines Pulses und einer niedrigen festgestellt werden:

Nach Umstellen der obigen Gleichung lässt sich das Dispersionsmaß bestimmen, indem Puls-Ankunftszeiten bei mehreren Frequenzen gemessen werden:

Das kann genutzt werden, um das interstellare Medium zu untersuchen; außerdem können so die Beobachtungen von Pulsarsen bei verschiedenen Frequenzen kombiniert werden.

Theorien

Seit der Beschreibung der Extragalactic Fast Radio Transients im Jahr 2007 sind viele Hypothesen entwickelt worden:

Neutronenstern-basierte

Weitere

Wiederholte Fast Radio Bursts: Repeater

Forscher der amerikanischen Cornell University stellten ab 2012 in einer 972 Megaparsec bzw. rund drei Milliarden Lichtjahre entfernten Zwerggalaxie im Sternbild Fuhrmann wiederholte Fast Radio Bursts fest. Bei einer Beobachtung des Gebiets mittels des Very-Large-Array-Interferometer ermittelten sie neun Fast Radio Bursts. Als Erklärung werden Strahlungsausbrüche eines massereichen Sterns oder ein extrem massereiches Schwarzes Loch vermutet.

FRB 121102 ist 2014 als erster Fast Radio Burst mit sich wiederholenden Ausbrüchen beobachtet und intensiv untersucht worden. Mittels Very Long Baseline Interferometry wurde als Ursprung eine Zwerggalaxie mit einer Rotverschiebung von  bestimmt. FRB 121102 ist allerdings kein typischer Fast Radio Burst, da auch lange Beobachtungsserien an den Orten anderer FRBs keine weiteren Ausbrüche gezeigt haben.

Die Heimatgalaxie von FRB 121102 ist eine metallarme Zwerggalaxie und zeigt Anzeichen einer Extreme Emission-Line Galaxy. Die Strahlungsquelle liegt 0,2 Bogensekunden vom Zentrum dieser Galaxie entfernt in einem Sternentstehungsgebiet, das auch eine permanente Radioquelle ist. Parallele Beobachtungen im Optischen, Ultravioletten, Röntgen- und Gammastrahlenbereich zeigen keine Ausbrüche oder andere Auffälligkeiten gegenüber anderen metallarmen Zwerggalaxien. Die Ausbrüche sind unperiodisch und zeigen keinerlei Gedächtnis an frühere Bursts durch ihren zeitlichen Abstand, ihre Form, die emittierte Energie oder die Amplitude.

Die Verteilung der Ausbrüche von FRB 121102 entspricht in seiner Energie-Zeit-Verteilung der Gutenberg-Richter-Beziehung für Erdbeben. Hierbei handelt es sich um eine kleine Abweichung von einem Potenzgesetz, wobei schwache Beben etwas häufiger und starke Beben mit einer etwas geringeren Häufigkeit auftreten als nach einem einfachen Potenzgesetz zu erwarten. Ebenfalls wie in der Seismologie folgen die Wartezeiten zwischen den Bursts einer Gaußschen Normalverteilung. Diese Eigenschaften werden auch bei Soft Gamma Repeatern beobachtet, daher könnte der Ausbruchmechanismus der Krustenbruch eines Neutronensterns mit einem starken Magnetfeld sein. Alternative Hypothesen sind ein Relaxationsprozess in einem Quarkstern oder ein magnetischer Zyklus auf einem Neutronenstern mit einer Art Superflare.

Im Februar 2020 wurde erstmals die Entdeckung einer Periodizität bei einem Fast Radio Bursts berichtet – FRB 180916 emittiert Radiowellen in einem ~16-Tages-Zyklus.

Weitere Beispiele

In der Bezeichnung ist der Tag des Auftretens enthalten in der Form JJMMTT; z. B. trat der FRB 010125 am 25. Januar 2001 am irdischen Himmel auf.

BezeichnungIntensität
(Jansky)
Dauer
(ms)
Dispersions
(pc/cm3)
Anmerkung
FRB 0101250,397902015 gefunden,
fälschlich z. T. noch publiziert als FRB 011025
FRB 010724305375„Lorimer Burst“, erster nachgewiesener FRB (gefunden 2007)
FRB 1210020,451629Doppel-Burst im Abstand von 5 ms
FRB 1211020,43557Arecibo-Beobachtung in einer 3 Milliarden Lichtjahre entfernten Zwerggalaxie im galaktischen Antizentrum, erster beobachteter Repeater
Ort von FRB 1211022,20,87762015 erneut Mehrfachausbrüche
FRB 1311041,12779aus der benachbarten, 300.000 Lj entfernten Carina-Zwerggalaxie
FRB 180924aus einer Quelle, die rund 13.000 Lichtjahre entfernt ist vom Zentrum einer rund 3,6 Milliarden Lichtjahre fernen Galaxie mit rund 22 Milliarden Sonnenmassen und geringer Sternbildungsrate
FRB 200428aus der 30.000 Lichtjahre entfernten Quelle SGR 1935+2154. Das erste FRB-Ereignis, das aus unserer eigenen Galaxis stammt.

Einzelnachweise

  1. ↑ John Timmer: We finally know what has been making fast radio bursts – Magnetars, a type of neutron star, can produce the previously enigmatic bursts. In: Ars Technica. 4. November 2020, abgerufen am 4. November 2020.
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